Die sogenannte Frankfurter Silberinschrift im Kontext und die Anfänge des Christentums nördlich der Alpen

Vortrag von Prof. Dr. Markus Scholz (Frankfurt am Main)
Das Gräberfeld „Heilmannstraße“ ist die späteste Nekropole der römischen civitas-Hauptstadt Nida (Frankfurt-Heddernheim). In den Jahren 2017/2018 untersuchte das Denkmalamt Frankfurt dort insgesamt 127 Bestattungen, darunter 113 Körpergräber aus dem 3. Jahrhundert, die Peter Fasold am Archäologischen Museum Frankfurt ausgewertet hat. Ein etwa 40 Jahre alter Mann, der zwischen ca. 230 und 260/70 n. Chr. starb, war mit einer silbernen Amulettkapsel um den Hals bestattet worden. Das darin eingerollte Silberblech war so fragil, dass eine physische Entrollung nicht in Frage kam. Dies gelang erst im Jahr 2024 am Leibniz-Zentrum für Archäologie in Mainz mit digitalen Methoden. Die dadurch sicht- und entzifferbar gewordene lateinische Inschrift offenbart eine handfeste Überraschung: Der 18 Zeilen lange Text enthält eine rein christliche Botschaft ohne synkretistische Elemente, die neue Fragen zum frühen Christentum aufwirft. Das macht sie einzigartig. Es handelt sich um das bisher früheste authentische Zeugnis für Christentum nördlich der Alpen.
Prof. Dr. Markus Scholz hat Provinzialrömische Archäologie, Ur- und Frühgeschichte sowie Alte Geschichte an den Universitäten Frankfurt am Main, Freiburg im Breisgau und Basel studiert. Nach der Dissertation über die Keramik des Kastells Kapersburg arbeitete er zunächst am Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, an der Universität Freiburg und von 2006 bis 2015 am Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz. Seit 2015 ist er Professor für Archäologie und Geschichte der römischen Provinzen an der Goethe-Universität Frankfurt.
Der Vortrag ist öffentlich bei freiem Eintritt.




