Gut durch den Winter

So unterstützen wir Igel

Igel versteckt im Laub. - Foto: Juliane Wald

19. Oktober 2026

Überregional (ut). Wenn die Tage kürzer werden und die Temperaturen sinken, bereiten sich Igel auf den Winterschlaf vor. Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) und der hessische Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND Hessen) geben Tipps, wie Bürger:innen unterstützen können und erklären, wann Igel keine menschliche Hilfe benötigen. Gleichzeitig rufen sie dazu auf, Igelsichtungen zu melden.

Gärten als wichtige Lebensräume für Igel

Die stacheligen Säugetiere gehen jetzt noch einmal intensiv auf Nahrungssuche, um ausreichend Fettreserven für die kalte und insektenarme Jahreszeit anzulegen. „Wer Igeln helfen möchte, denkt häufig ans Zufüttern. Nachhaltiger ist jedoch, wenn wir naturnahe Gärten gestalten und der Natur mehr Raum lassen.“, erklärt Josephin Bruhn, Naturschutzreferentin beim BUND Hessen. „Früher hielten sich Igel oft in strukturreichen, lichten Wäldern sowie Busch- und Grasland auf. Doch diese Räume wurden immer kleiner, weswegen wir mit naturnahen Gärten neue wertvolle Lebensräume für sie schaffen können, in denen sie selbstständig Nahrung und auch geeignete Rückzugsorte finden.“

Die richtige Umgebung schaffen

Für den Winterschlaf brauchen Igel geschützte und möglichst ungestörte Verstecke. Dort bauen sie aus trockenem Laub und anderem natürlichen Material ein gut isoliertes Nest. Gartenbesitzer:innen können die Tiere bereits mit einfachen Maßnahmen unterstützen: Laub-, Reisig- und Asthaufen sollten möglichst liegen bleiben, zudem schaffen Holzstapel oder Hohlräume in Steinhaufen zusätzliche Überwinterungsmöglichkeiten. Auch naturbelassene Bereiche mit Sträuchern, dichtem Gebüsch oder Hecken bieten wichtige Rückzugsorte und Nahrung, da sich dort zahlreiche Beutetiere aufhalten. Da sich Igel vorwiegend von Regenwürmern, Käfern und anderen Insekten ernähren, ist es zudem wichtig, auf Pestizide und Dünger im Garten zu verzichten. Kleine Durchgänge in Gartenzäunen ermöglichen es den Igeln außerdem, zwischen verschiedenen Gärten zu wandern und so größere Lebensräume zu nutzen.

Nicht jeder Igel braucht Hilfe

Auch wenn ein Igel tagsüber unterwegs oder grundsätzlich noch im Spätherbst aktiv ist, bedeutet das nicht automatisch, dass er unsere Hilfe benötigt. Igel sind gut an das Leben in freier Natur angepasst und kommen in der Regel selbstständig zurecht. „Wichtig ist, die Tiere erst genau zu beobachten, bevor man handelt. Gut gemeinte Hilfe kann einem gesunden Igel unter Umständen mehr schaden als nutzen“, betont Irene Glatzle, Igel-Expertin des HLNUG.

Gelegentlich sind Igel auch tagsüber aktiv. – Foto: Katharina Albert

Unterstützung kann beispielsweise sinnvoll sein, wenn ein Igel Anfang November deutlich unter 400 Gramm wiegt. Hinweise auf eine Unterernährung können außerdem eine deutlich erkennbare Einbuchtung hinter dem Kopf, die sogenannte Hungerlinie, eingefallene Flanken oder ein auffällig länglicher, „wurstförmiger“ Körperbau sein. In solchen Fällen kann eine gezielte Zufütterung sinnvoll sein. Igel sind Insektenfresser, die sich von tierischer Kost ernähren. Geeignet sind daher Katzenfutter mit hohem Fleischanteil oder ungewürztes Rührei. Nicht verfüttert werden sollten dagegen Milch, Obst und gewürzte Speisen.

Weitergehende Hilfe ist denkbar, wenn ein Igel krank, verletzt oder offensichtlich in akuter Not ist. Mögliche Warnzeichen sind schwache Reflexe, fehlendes Einrollen, auffällige Atemgeräusche wie Röcheln sowie Stachel- oder Fellverlust und ein starker Parasitenbefall. „Bei einem offensichtlich kranken oder verletzten Igel sollte man nicht selbst experimentieren. Hier ist fachkundige Unterstützung gefragt. Am besten wendet man sich an eine igelkundige Tierarztpraxis oder eine Igelstation“, sagt Josephin Bruhn.

Igel gesehen? Bitte melden!

Igel werden immer seltener. Um mehr über den Zustand der Igelpopulation in Hessen zu erfahren, ruft das HLNUG gemeinsam mit dem BUND Hessen dazu auf, Igelsichtungen über das Onlineportal des HLNUG zu melden. Die gesammelten Daten helfen dabei, besser zu verstehen, wo Igel in Hessen noch vorkommen und wie sich ihre Bestände entwickeln. Außerdem können die Sichtungen dazu beitragen, bessere Aussagen zu möglichen Schutzmaßnahmen zu treffen.

„Jede gemeldete Igelsichtung liefert einen wichtigen Baustein, um mehr über die Verbreitung der Igel in Hessen zu erfahren und ihre Situation besser einschätzen zu können. Wir freuen wir uns daher über jede Beobachtung, die über das Portal gemeldet wird“, sagt Irene Glatzle. Dabei sind nicht nur Meldungen über lebende Igel relevant. Auch Totfunde liefern wichtige Hinweise darauf, an welchen Orten die Tiere besonders häufig vorkommen und wo möglicherweise Maßnahmen ergriffen werden können, um Gefahren zu vermeiden.