Vermessung des FRM5 mit modernstem Fluggerät

Wie Drohnen die Planung von Radschnellwegen erleichtern

Die Drohne kurz vor ihrem Start. Zum Steuern und zum Überwachen der Vermessungsdrohne sind immer zwei Personen vor Ort. - Foto: Vermessungsbüro Riemenschneider

4. November 2026

Regional (ut). Mit einem surrenden Geräusch steigt die Drohne nach oben, am Boden hält ein Vermessungsingenieur die Fernsteuerung in den Händen, neben ihm steht ein zweiter Mann mit orangegelber Neonweste. Angetrieben von vier kleinen Propellern bewegt sich das Fluggerät auf einer fest definierten Strecke zwischen Feldern entlang, um Messungen und Fotos anzufertigen. Es geht um die Planung des Radschnellwegs „FRM5“ bei Eschborn. Gut 21 Kilometer lang soll in Zukunft die gesamte Radverbindung Friedrichsdorf-Frankfurt werden – für einen Großteil der Planungsabschnitte ist der Regionalverband FrankfurtRheinMain zuständig. Bei der Vermessung von künftigen Radschnellwegen in der Region kommen immer wieder Drohnen zum Einsatz, und das hat gute Gründe.

„Ein Vorteil von Drohnen liegt in der Wirtschaftlichkeit. Alles geht viel schneller und ist authentischer in der Darstellung“, erklärt Karsten Kehl, Prokurist und Leiter Ingenieurvermessung des Rodgauer Vermessungsbüros Riemenschneider. Sein Büro hat bereits Dutzende solcher Flüge durchgeführt, nun also bei Eschborn. Die Drohne, die sein Team nutzt, ist ein handelsübliches Modell, das auch bei Hobbydrohnen-Piloten beliebt ist. Es schießt dreidimensionale Luftbilder, die anschließend mit Geodaten wie GPS verknüpft werden.

In diesem Falle ist die Drohne aber zusätzlich mit einem LiDAR-System (Light Detection and Ranging) ausgestattet. Dieses Zusatzgerät, das etwa ein Pfund wiegt, tastet mit einem Laser die Landschaft ab und liefert gut 100 Messpunkte pro Quadratmeter. „Das Besondere am LiDAR ist, dass es zum Teil durch die Vegetation hindurchscannt. So können die Messpunkte das Blätterdach eines Baumes durchdringen und am Boden auftreffen“, erklärt Diplomingenieur Kehl. Mit gewöhnlichen Luftaufnahmen sei das nicht möglich. Gut einen Tag lang dauert die Messung per Drohne auf dem rund fünf Kilometer langen Teilstück bei Eschborn.

Für Planer sind die gelieferten Drohnen-Daten Gold wert, denn sie bieten ein möglichst authentisches digitales Abbild der Landschaft. Es entstehen sogenannte Orthobilder, also maßstabsgetreue, verzerrungsfreie und georeferenzierte Luftbilder der Erdoberfläche. Damit besitzt jeder Pixel im Bild eine exakte Koordinate.

Bereits im Vorfeld des Drohnenflugs hatte das Büro den langgestreckten Bereich um den zukünftigen Radschnellweg sowie dessen Zufahrtswege digital abgesteckt und ein Gittermodell geschaffen. Ausgewertet am Computer und dreidimensional dargestellt sind dann sogar Landschaftsquerprofile möglich. Damit wäre der Bereich des Radschnellwegs aufgeschnitten wie ein Stück Torte zu sehen. „So weiß man zum Beispiel besser, wie bei Regenfällen das Wasser ablaufen wird“, erklärt der Drohnenexperte.

Moderne und klassische Vermessungstechniken

Die technischen Möglichkeiten des unbemannten Fluggeräts sind beeindruckend. Trotzdem kommen weiterhin auch klassische Landvermessungstechniken zum Einsatz: Unter Brücken oder bei Landschaftsdetails wie Bordsteinen oder Gullydeckeln wird auch heute mit Stativ und Lasermessgerät gearbeitet. So wurden beim zukünftigen Radschnellweg in Eschborn die besonders wichtigen Kreuzungsbereiche auf althergebrachte Weise vermessen. Die fertigen Daten werden ausgewertet und gehen schließlich an ein Planungsbüro.

Für die Messungen aus der Höhe gibt es strenge Regeln, berichtet Kehl: „Die Drohne fliegt zwar automatisch, aber der Drohnenpilot darf nicht dorthin fliegen, wo er sie nicht sieht.“ Stets muss ein Augenkontakt bestehen. Deshalb begleitet eine weitere Person den Einsatz und achtet etwa auf Fahrradfahrer und Fußgänger. Die Flughöhe der Drohne, so Kehl, sei gewöhnlich nicht über 60 bis 70 Meter, hänge aber von der Topografie ab. Mehr als 120 Meter seien wegen des Flugverkehrs in der Region tabu.

Und es gibt weitere Einschränkungen wie Überflüge von Privatgeländen, Industrieanlagen und Krankenhäusern. Damit nicht genug: „Morgens melden wir bei der örtlichen Polizei, dass es losgeht, weil immer wieder Bürgerinnen und Bürger anrufen, sobald sie die fliegende Drohne sehen“, sagt Karsten Kehl. 

Rouven Kötter, Erster Beigeordneter und Mobilitätsdezernent des Regionalverbandes, ist zufrieden mit den Ergebnissen, die die Vermessungsdrohnen an die beauftragten Planungsbüros liefern: „Wer mehr Menschen fürs Radfahren gewinnen will, muss sichere, schnelle und komfortable Verbindungen schaffen. Dafür brauchen wir präzise Planung: Drohnen liefern uns ein detailliertes digitales Bild des Geländes. So können wir Höhenunterschiede, Entwässerung und mögliche Engstellen frühzeitig berücksichtigen. Mit moderner Technik bringen wir die Planung unserer Radschnellwege voran – für bessere Verbindungen und mehr Lebensqualität in FrankfurtRheinMain.“

Im Planungsprozess eines Radschnellwegs ist die Vermessung ein fester Bestandteil. „Durch die Vermessung mit Hilfe der Drohnentechnik können die nachfolgenden Planungsschritte auf einer exakten Grundlage stattfinden. Die Vermesser können schnell arbeiten und müssen sich nicht mühsam den Weg zu schwer zugänglichen Stellen bahnen“, erklärt Dr. Martin Temmen, Projektleiter Radschnellwege im Regionalverband, die Vorteile der Drohnentechnik.

Der Regionalverband betreut für den Radschnellweg Vordertaunus – Frankfurt (FRM5) acht von insgesamt elf Abschnitten. Für diese stellt er gemeinsam mit den Kommunen Förderanträge und kümmert sich um Bau- und Planungsleistungen. Sie zu planen, ist eine komplexe Aufgabe, denn Wege sollen möglichst kreuzungsfrei oder bevorrechtigt sein. Dabei geht es oft durch besiedeltes Gebiet und über zahlreiche Gemeindegrenzen hinweg. Alles passiert abschnittsweise, und zwar in Teilstücken, die einen ähnlichen Charakter aufweisen. Der Abschnitt auf Eschborner Gemarkung ist dabei als erster in Planung gegangen.

Zurück in den Feldern bei Eschborn: Ohne Zwischenfälle tritt die Drohne in der Höhe ihren Rückweg zum Vermessungsteam an. Sie stoppt oberhalb der beiden Männer, dann senkt sie sich langsam, die Propeller verstummen. Zeit zur Datenauswertung – und ein weiterer Schritt hin zum neuen Radschnellweg FRM5 ist geschafft.

Kurzinfos:

  • Radschnellwege sollen sicher, komfortabel und schnell Kommunen miteinander verbinden. Seit mehr als zehn Jahren ist der Regionalverband an ihrer Entstehung beteiligt.
  • Der Radschnellweg FRM5 soll die Städte im Vordertaunus mit der Metropole Frankfurt verbinden und mehr Menschen an aktiver Mobilität teilhaben lassen.
  • Dazu gehören die Städte und Gemeinden Friedrichsdorf, Bad Homburg vor der Höhe, Oberursel (Taunus), Steinbach (Taunus), Eschborn und Frankfurt am Main.
  • Eine Korridorstudie des Landes Hessen bescheinigte dem Radschnellweg FRM5 das zweithöchste „Radfahrendenpotential“ Hessens – mit geschätzten 45.000 Radfahrenden am Tag.

Hier gibt es Infos zu allen Radschnellverbindungen in der Region: www.region-frankfurt.de/rsw