Wildunfälle verhindern, Tierleid vermeiden
Nach der Zeitumstellung ist besondere Vorsicht geboten
25. Oktober 2026
Überregional (ut/pit). Mit der Umstellung auf die Winterzeit steigt das Risiko für Wildunfälle. Der BUND Hessen appelliert an Autofahrende, besonders in der Morgen- und Abenddämmerung aufmerksam und bremsbereit zu sein. Eine gemeinsame Radio- und Social-Media-Kampagne des Landes Hessen, des ADAC Hessen-Thüringen und des Landesjagdverbands Hessen gibt bis zum 4. November Tipps zum richtigen Verhalten bei Wildwechsel.
Mit dem Herbst beginnt für viele Wildtiere eine besonders aktive Zeit: Sie suchen Nahrung, erschließen neue Reviere oder wandern in ihre Winterquartiere. Gleichzeitig werden die Tage kürzer. Nach der Zeitumstellung Ende Oktober fällt die Dämmerung häufiger mit dem Berufsverkehr zusammen. Die Gefahr von Zusammenstößen mit Wildtieren steigt – auf Landstraßen ebenso wie am Ortsrand und in der Nähe von Gärten und Grünanlagen.
„Für viele Wildtiere ist der Straßenverkehr eine tödliche Gefahr. Besonders bitter ist jeder Verlust bei seltenen Arten wie Wildkatze und Luchs. Aber auch der Igel, der in Hessen immer seltener beobachtet werden kann, wird häufig Opfer des Straßenverkehrs“, sagt Jörg Nitsch, Vorsitzender des BUND Hessen.
Aufmerksam fahren, richtig reagieren
Der BUND Hessen begrüßt deshalb die gemeinsame Kampagne des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum, des ADAC Hessen-Thüringen und des Landesjagdverbands Hessen. Mit Radiobeiträgen im Umfeld der Verkehrsmeldungen – die Ausstrahlung erfolgt über den Sender „Hitradio FFH“ – und ergänzenden Informationen in sozialen Medien sollen Autofahrende gerade in der Zeit nach der Umstellung auf die Winterzeit für die Gefahr von Wildunfällen sensibilisiert werden.
„Wer mit dem Auto unterwegs ist, soll auch sicher ankommen. Gerade auf dem Land gehört Wildwechsel in der Morgen- und Abenddämmerung zu den Gefahren, auf die wir vorbereitet sein müssen. Läuft plötzlich ein Reh auf die Straße, bleibt kaum Zeit zu reagieren“, betont Hessens Wirtschafts- und Verkehrsminister Kaweh Mansoori. „Deshalb wollen wir mit unserer Kampagne die Menschen unterwegs erreichen – mit kurzen, verständlichen Hinweisen, die im entscheidenden Moment helfen. Wer an Wald- und Feldrändern langsamer und aufmerksam fährt, gewinnt wertvolle Zeit zum Bremsen. Das schützt Menschen und Tiere.“
Auch der Landesjagdverband Hessen hebt hervor, wie wichtig es ist, sich bereits vor der Fahrt auf eine mögliche Begegnung mit Wildtieren einzustellen. „Dieser kurze Gedanke vor der Fahrt kann im Ernstfall entscheidend sein“, betont Prof. Dr. Jürgen Ellenberger, Präsident des Landesjagdverbandes Hessen. „Wenn ein Tier unvermittelt auf die Fahrbahn läuft, heißt es: Lenkrad mit beiden Händen festhalten, sofort stark bremsen und in der eigenen Fahrspur bleiben. Ein riskantes Ausweichmanöver kann weitaus schlimmere Folgen haben. Gleichzeitig vermeiden wir mit jedem verhinderten Wildunfall auch Verletzungen und oftmals erhebliches Tierleid.“ Nach einer Kollision muss die Unfallstelle abgesichert und die Polizei verständigt werden. Für verletzte Wildtiere, die dem Jagdrecht unterliegen, sind ausschließlich die Jäger verantwortlich. Zudem heißt es auch bei den Tipps zum richtigen Verhalten nach einem Wildunfall (Link s. u.): „Fassen Sie das Wildtier nicht an und halten Sie Abstand. Das möglicherweise noch lebende Tier hat große Angst vor Menschen, leidet dadurch zusätzlich oder versucht wegzulaufen.“
Autofahrende sollten insbesondere auf Landstraßen sowie an Wald- und Feldrändern die Geschwindigkeit reduzieren, ausreichend Abstand halten und den Fahrbahnrand aufmerksam beobachten. Auch an Stellen mit Wildwarnschildern ist erhöhte Vorsicht geboten. Wer ein Tier am Straßenrand entdeckt, sollte kontrolliert abbremsen und das Fernlicht ausschalten. Da häufig weitere Tiere folgen, ist besondere Aufmerksamkeit gefragt.
Bei einem Unfall mit einem Igel muss die Polizei nicht benachrichtigt werden. Der BUND Hessen bittet jedoch darum, verletzte Igel möglichst umgehend tierärztlich versorgen zu lassen und Igelfunde über das Onlineportal des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) zu melden. Die Daten helfen dabei, Gefahrenstellen zu erkennen und mögliche Schutzmaßnahmen gezielt zu planen. Weitere Verhaltenstipps zur Vermeidung von Wildunfällen und zum richtigen Verhalten nach einer Kollision gibt es unter www.wildunfall-verhindern.de.
Wildtierlebensräume besser vernetzen
Vorsichtiges Fahren kann Zusammenstöße verhindern. Das grundlegende Problem bleibt jedoch bestehen: Straßen zerschneiden Lebensräume und bringen Tiere bei der Überquerung in Lebensgefahr.
„Wir brauchen deshalb mehr Grünbrücken und andere Querungshilfen. Gleichzeitig müssen die letzten unzerschnittenen Naturräume erhalten bleiben. Noch mehr Straßen durch wertvolle Lebensräume zu bauen, verschärft das Problem“, sagt Jörg Nitsch. Neben umsichtigem Verhalten im Straßenverkehr sind deshalb auch langfristige Maßnahmen erforderlich, um Wildtierlebensräume zu erhalten und wieder miteinander zu verbinden.

