Europa trifft Erntedank - Freundschaft kennt keine Grenzen

OberbĂŒrgermeister Karl Horn (links) am Tag der Unterzeichnung am 6. Oktober 1956 mit zwei der Redaktion unbekannten StadtoberhĂ€uptern aus den PartnerstĂ€dten. - Foto: Stadtarchiv Bad Homburg

8. Oktober 2026

Bad Homburg (ut). Am 10. und 11. Oktober lÀdt die Aktionsgemeinschaft wieder zum traditionellen Erntedankmarkt in die Innenstadt. Zahlreiche StÀnde, kulinarische Angebote und ein buntes Programm erwarten die Besucher:innen (nÀhere Infos hierzu gibt es hier).

Ein besonderer Gast auf dem diesjĂ€hrigen Markt ist die französische Partnerstadt Cabourg. Eine Delegation aus Frankreich wird an beiden Markttagen mit einem eigenen Stand vor der ehemaligen Alten Post gegenĂŒber dem Kurhaus vertreten sein. Dort können Besucher:innen SpezialitĂ€ten und Leckereien aus der Normandie kennenlernen und sich mit den GĂ€sten aus Frankreich ĂŒber die langjĂ€hrige Freundschaft der beiden StĂ€dte austauschen.

Auch der Internationale StĂ€dtepartnerschaftsverein (ISPV) wird beim Erntedankmarkt prĂ€sent sein. An einem Informationsstand in der Louisenstraße in der NĂ€he des Waisenhausplatzes informiert er ĂŒber die StĂ€dtepartnerschaften Bad Homburgs und ihre vielfĂ€ltigen AktivitĂ€ten. DarĂŒber hinaus werden dort Produkte aus der Schweizer Partnerstadt Chur angeboten.

70 Jahre europÀische StÀdtefreundschaft

Der diesjĂ€hrige Erntedankmarkt bietet damit einen schönen Rahmen fĂŒr ein besonderes JubilĂ€um: Am 6. Oktober 1956 wurde im damaligen Bad Homburger Kurhaus der EuropĂ€ische StĂ€dtepartnerschaftsring – international als „Jumelage“ bezeichnet – gegrĂŒndet.

Wenige Tage zuvor, vom 3. bis 6. Oktober 1956, hatten sich in Frankfurt und Bad Homburg mehr als 3.000 Vertreter:innen europĂ€ischer Gemeinden zum dritten Gemeindevertretertreffen versammelt. Neben dem Austausch ĂŒber kommunale Fragen stand vor allem die Förderung des europĂ€ischen Gedankens im Mittelpunkt. Der persönliche Austausch zwischen BĂŒrger:innen verschiedener LĂ€nder sollte dabei eine wichtige Grundlage fĂŒr ein friedliches und geeintes Europa bilden.

Der damalige Bad Homburger OberbĂŒrgermeister Karl Horn erkannte frĂŒh die Bedeutung dieses Gedankens und unterstĂŒtzte die GrĂŒndung des StĂ€dtepartnerschaftsrings. Acht StĂ€dte gehörten 1956 zu den GrĂŒndungsmitgliedern: Bad Homburg, Bad Mondorf (Luxemburg), BĂ©jaĂŻa (Algerien), Cabourg (Frankreich), Chur (Schweiz), Mayrhofen (Österreich), Terracina (Italien) und Spa (Belgien). Im Laufe der folgenden Jahre verĂ€nderte sich der Kreis der MitgliedsstĂ€dte.

Sechs Kommunen bilden festen Kern

Nach dem Ausscheiden von Spa und BĂ©jaĂŻa bildeten Bad Homburg, Bad Mondorf, Cabourg, Chur, Mayrhofen und Terracina ĂŒber Jahrzehnte hinweg den festen Kern des EuropĂ€ischen StĂ€dtepartnerschaftsrings. Historische Unterlagen fĂŒhren diese sechs Kommunen bereits als Mitglieder des ersten europĂ€ischen Partnerschaftsrings auf. Über Jahrzehnte hinweg wurde die Verbindung durch regelmĂ€ĂŸige Treffen und vielfĂ€ltige Begegnungen lebendig gehalten.

Ein besonderer Höhepunkt des JubilÀumsjahres war das Treffen des StÀdtepartnerschaftsrings im Juni 2026 in Terracina. Vier Tage lang standen der persönliche Austausch und die Feierlichkeiten der 70-jÀhrigen europÀischen StÀdtefreundschaft im Mittelpunkt. Zum Programm gehörten unter anderem gemeinsame Arbeitssitzungen und ein Konzert im Römischen Theater von Terracina.

Spa gehört wieder dazu

Im Rahmen des JubilÀumstreffens wurde Spa offiziell wieder in den StÀdtepartnerschaftsring aufgenommen. Mit der Unterzeichnung einer offiziellen Urkunde wurde die erneuerte Verbindung mit Spa feierlich bekrÀftigt. Seitdem umfasst der Partnerschaftsring wieder sieben StÀdte.

OberbĂŒrgermeister Alexander Hetjes in Terracina bei den Feierlichkeiten zum JubilĂ€um 70 Jahre Jumelage. – Foto: Stadt Bad Homburg

Seit 70 Jahren steht die Jumelage damit fĂŒr Begegnung, Freundschaft und den europĂ€ischen Gedanken – und sie ist bis heute lebendig. „Europa ist nicht nur eine Idee, die in BrĂŒssel oder in den europĂ€ischen Institutionen stattfindet. Europa lebt vor allem dort, wo Menschen einander begegnen, sich kennenlernen und Freundschaften schließen. Genau das leisten StĂ€dtepartnerschaften – sie machen Europa vor Ort erlebbar“, sagt OberbĂŒrgermeister Alexander Hetjes. Gerade in einer Zeit, in der Krisen, Konflikte und gesellschaftliche Spannungen Europa vor große Herausforderungen stellen, seien StĂ€dtepartnerschaften wichtiger denn je. Hetjes: „Sie schaffen persönliche Verbindungen, die Grenzen ĂŒberwinden und VerstĂ€ndnis fĂŒreinander wachsen lassen.“

StÀdtepartnerschaften, die gelebt werden

Umso erfreulicher sei die Tatsache, dass die Verbindungen zwischen Bad Homburg und seinen PartnerstĂ€dten Ă€ußerst lebendig seien. Das zeige sich auch durch die zahlreichen Begegnungen und gemeinsamen Projekte der vergangenen Jahre. Mit Chur gibt es beispielsweise ein gemeinsames Bandprojekt sowie SchĂŒleraustausche. Mit Terracina finden ebenfalls regelmĂ€ĂŸig Begegnungen statt. Nachdem eine Delegation aus der italienischen Partnerstadt im vergangenen Jahr beim Bad Homburger Erntedankmarkt zu Gast war, wird Terracina in diesem Jahr auf dem Romantischen Weihnachtsmarkt am Schloss mit italienischen SpezialitĂ€ten vertreten sein. Auch die Beteiligung einer weiteren Partnerstadt ist vorgesehen. Zudem war eine Bad Homburger Delegation beim dortigen Food Festival zu Gast. Über diese Kontakte ist es ganz aktuell zu einem deutsch-italienischen SchĂŒleraustausch gekommen.

Die Verbindung zu Cabourg wird ebenfalls durch den SchĂŒleraustausch, aber auch durch regelmĂ€ĂŸige gegenseitige Besuche gepflegt. Erst kĂŒrzlich war eine Bad Homburger Delegation beim „MarchĂ© du Jumelage“ in der französischen Partnerstadt.

Auch mit Bad Mondorf gibt es einen intensiven Austausch, unter anderem zwischen Verwaltungsmitarbeiter:innen sowie zwischen den Feuerwehren Kirdorf und Bad Mondorf.

Die Partnerschaft mit Mayrhofen lebt ebenfalls von vielfĂ€ltigen Begegnungen: Im vergangenen Jahr war die Bundesmusikkapelle beim Bad Homburger Laternenfest zu Gast, außerdem gab es eine BĂŒrgerreise nach Mayrhofen und den Besuch einer Delegation beim diesjĂ€hrigen „Stadl“. Auch der Tourismusverband Mayrhofen prĂ€sentierte sich bei den Bad Homburg Open auf der Brunnenallee.

Zahlreiche Kontakte mit Dubrovnik

Mit Dubrovnik bestehen ebenfalls zahlreiche Kontakte. Dazu gehören ein gemeinsames Bandprojekt, Besuche Bad Homburger Delegationen beim St.-Blasius-Fest und bei der Eröffnung des Sommerfestivals, BĂŒrgerreisen sowie der Besuch einer Delegation aus Dubrovnik bei den Bad Homburg Open. Besonders intensiv ist die Zusammenarbeit der Feuerwehren aus Dubrovnik und Bad Homburg. Dazu zĂ€hlen gemeinsame Übungen und gegenseitige Schulungen.

„Seit 70 Jahren zeigt Bad Homburg gemeinsam mit seinen PartnerstĂ€dten, dass Europa vor allem durch die Menschen lebt, die es miteinander verbinden. In einer Zeit, in der Grenzen und Unterschiede wieder stĂ€rker betont werden, setzen StĂ€dtepartnerschaften ein wichtiges Zeichen: fĂŒr Begegnung statt Distanz, fĂŒr VerstĂ€ndnis statt Vorurteile und fĂŒr Freundschaft ĂŒber Grenzen hinweg. Das ist gelebtes Europa“, resĂŒmiert der Vorsitzende des Partnerschaftsvereins, Peter Braun.

Jumelage-JubilÀums-Ausstellung

Übrigens: Auch das Stadtarchiv widmet dem Jumelage-JubilĂ€um eine Ausstellung. Zur Kulturnacht am Samstag, 24. Oktober 2026, werden im Stadtarchiv in der Villa Wertheimber Filme, Fotos, Postkarten, Zeitungen, Akten und andere Archivalien rund um das JubilĂ€um im Lesesaal und im Foyer der Villa Wertheimber gezeigt. Auch der Bad Homburger Geschichtsverein ist mit im Boot und ergĂ€nzt den „Stöberabend“ unter anderem durch die Möglichkeit, eigene Wunschpostkarten zu drucken. Der Dorische Tempel wird in den Farben der Nationalflaggen der PartnerstĂ€dte erstrahlen und im Innenraum gibt es eine kleine Tafel-Ausstellung zu den PartnerstĂ€dten.