Historische Geschichten zu und um Kransberg
Auf Christof Demuths Rundwanderungen gibt’s einiges zu erfahren

















Impressionen von einer von Christof Demuth geführten Rundwanderungen. - Fotos: pit
Von Petra Pfeifer, 14. August 2024
Usingen. Hauptberuflich ist der gelernte Speditionskaufmann Christof Demuth für die Zustellung und den Vertrieb des Usinger Anzeigers und des Usinger Anzeigenblatts zuständig. Doch als Corona begann und damit eine berufliche Vollbremsung einherging, er darüber hinaus ausschließlich im Car- und Homeoffice arbeitet und viel mit Hündin Mia unterwegs ist, entstand ganz allmählich ein neues Hobby.
„Ausschlaggebend war im März 2021 die Feststellung, dass es von Kransberg aus keine Beschilderung zum Hessenkopf gab“, erinnert sich Christof Demuth. Hinzu kam der Blick über Kransberg hinaus: „In Pfaffenwiesbach und Friedrichsthal gab es bereits Rundwanderwege.“ Kurzum: Die Idee „Rundwanderwege in Kransberg“ mit Berücksichtigung von Wegbeschreibungen entstand, die Besonderheiten des Usinger Ortsteils einbeziehen.
Die Planung beginnt
Im Verlauf des Sommers 2021 erarbeitete der gebürtige Frankfurter Christof Demuth, der 1996 nach Kransberg in das Haus seiner verstorbenen Großmutter zog, zunächst drei Rundwanderwege: „Die bin ich dann im September mit unserem Förster Karl Matthias Groß abgelaufen und dabei haben wir alle sicherheitstechnischen Fragen besprochen und auch das, was noch umgesetzt werden muss.“
Im Zuge dieses Engagements begann Hessen Forst damit, die umgefallenen Bäume auf dem Weg zur Kreuzkapelle wegzuräumen und das Gelände rund um den Kirchenbau in Ordnung zu bringen. Mit dessen Hilfe konnte übrigens später – in der Zeit von Dezember 2022 bis März 2023 – auch das Tiergartenbrünnchen wieder freigelegt werden, dass das Ziel der vierten Runde wurde.
Im Januar 2022 entstanden die ersten Überlegungen hinsichtlich einer attraktiven Beschilderung der Wege. Hier orientierte sich Christof Demuth an Schildern, die es schon einmal gab und die ein Kranich-Symbol zierte, und jeder Weg bekam seine eigene Farbe. Alle diese Arbeitsschritte erfolgten übrigens stets in Absprache mit den Verantwortlichen in der Stadtverwaltung bzw. mit dem Förster.
Ungefähr um diese Zeit begann der angehende Wegewart auch, sich mit den geologischen Gegebenheiten sowie der Historie Kransbergs ab dem 18. Jahrhundert zu beschäftigen. „Doch dafür ging und gehe ich nicht ins Archiv, weil mir das zu trocken ist“, erläutert Christof Demuth. Viel lieber gehe er zu den Bürgern oder ehemaligen Kransbergern, die dann ihre Familienalben aufschlagen und Geschichten erzählen: „Solche Anekdoten den Wanderteilnehmern zu berichten, liegt mir eher.“
Auf Tour mit Christof Demuth
Und so ist es auch ein eher kurzweiliger und fröhlicher Spaziergang Ende Juli – obwohl der Wegewart als Ausgangsthema den schicksalshaften Dienstag, den 13. September 1814, gewählt hat. Den Tag, an dem fast der ganze Ort durch einen Großbrand vernichtet wurde: „Genährt wurde er durch die Strohdächer der Häuser, doch da alle Leute bei der Feldarbeit waren, starb allein ein 65-jähriger Mann.“ Der gewählte Rundwanderweg ist daher der mit der gelben Markierung, der zum „Neudorf“ Friedrichsthal führt. Jenes Dorf, das einige der Kransberger, die alles verloren hatten, in Folge des Brandes gründeten.
Doch nicht allein langanhaltende Trockenheit hätten das Feuer begünstigt: „Die Gegend hier ist ‚steinreich‘ und entsprechend trocken.“ Vernichtet worden seien 18 Häuser, 33 Scheunen und 58 Ställe.
Zur Sprache kommen auf der Tour auch Örtlichkeiten, das Kleinklima in der „Perle im Taunus“ wird anschaulich erklärt, an Menschen einst und heute wird erinnert und Gebäude werden erläutert sowie Erinnerungen ausgetauscht. Zum Beispiel beim Blick auf die Riederwälder Hütte auf dem gegenüberliegenden Hang: „Sie wurde nach dem Krieg zur Erholung für ihre Bürger vom Frankfurter Riederwald finanziert und von den Kransbergern gebaut. Und dort haben sich auch meine Eltern kennengelernt.“
Ein besonderer Stopp ist für Christof Demuth an diesem Tag ist bei einer erst kurz zuvor installierten, überaus massiven Sitzbank, die er selbst finanziert hat. Von dieser aus hat man übrigens einen prima Blick über das Tal mit der gegenüberliegenden Riederwälder Hütte.
Die Teilnahme an den geführten Wanderungen ist kostenfrei, doch eine Spende wird in Anbetracht der Weiterentwicklung des Wegenetzes bzw. die Erhaltung oder Verbesserungen an den bestehendem gerne entgegengenommen. Die nächsten Termine sind am 1. September und am 10. November. Start ist jeweils um 13 Uhr am Spielplatz in der Straße „Am See“.
Mehr über Kransberg und Christof Demuth gibt es übrigens im Internet unter kransberg.com.

