Trauer um ehemaligen Ersten Kreisbeigeordneten Dr. Wolfgang Müsse

Dr. Wolfgang Müsse auf einer seiner Reisen nach Gilboa. - Foto: Archiv

8. Juli 2026

Hochtaunuskreis (ut). Mit Trauer und Anteilnahme hat die Kreisverwaltung des Hochtaunuskreises vom Tod ihres ehemaligen Ersten Kreisbeigeordneten Dr. Wolfgang Müsse erfahren. Der 66-Jährige erlag am Mittwoch, 8. Juli 2026, einer langen und schweren Krankheit. 

Zwölf Jahre lang, von Januar 2002 bis Dezember 2013, war Müsse als hauptamtlicher Dezernent Vertreter des Landrats. Von November 2005 bis Mai 2006 führte er beim Wechsel von Jürgen Banzer zu Ulrich Krebs zudem vorübergehend kommissarisch die Geschäfte im Kreishaus. Mit dem Ende seiner Amtszeit wechselte Müsse nach Berlin in die freie Wirtschaft. Doch dem Ort seines berufspolitischen Lebens blieb er stets verbunden und pflegte bis zuletzt Kontakte in seine einstige Wahlheimat. 

„Wolfgang Müsse war ein Mann mit Ecken und Kanten, der sich bis zum Schluss treu geblieben ist“, würdigte Krebs den lebensbejahenden Menschen Müsse, der ihm vor allem nach dessen Ausscheiden aus dem Amt ein guter Freund und wertvoller Ratgeber geworden sei. Als Kollege habe er Müsse als loyal und fair erlebt.

In Erinnerung bleibt Müsses Einsatz für die Partnerschaft mit Gilboa in Israel sowie sein engagiertes Wirken als Sozial- und Jugenddezernent. Müsse hat den Hochtaunuskreis zu einer der ersten Optionskommunen gemacht. Seither liegt die umfassende Betreuung und Unterstützung arbeitsloser Menschen alleine beim Landkreis, beziehungsweise bei dessen Kommunalem Jobcenter. Unter ihm war der Hochtaunuskreis „Modellregion Integration“ geworden, ein Projekt, aus dem etliche, noch heute bestehende Institutionen hervorgingen. Müsses Botschaft damals: Der Hochtaunuskreis kann und will sich keine Parallelgesellschaften leisten, Integration sah er früh als wichtigen Pfeiler der Sozialpolitik. 

Sein persönliches und sein politisches Wirken basierten auf den Grundsätzen von Freiheit und Verantwortung – und offenen Worten. Müsse selbst hatte bei seinem Amtsantritt gesagt, er betrachte seine Aufgabe als „Management von Dienstleistungen“. Sein Credo: „Freiheit und Verantwortung sind das Wichtigste – ich hasse Intoleranz und Bevormundung.“

Vor seinem Engagement im Taunus hatte der gebürtige Düsseldorfer in Münster Publizistik und Kommunikationswissenschaften, Neuere Geschichte, Politik und Wirtschaftswissenschaften studiert und dort auch promoviert. Müsse arbeitete zunächst als Journalist und in der Unternehmenskommunikation. Von 1995 bis 1998 war er persönlicher Referent des Mittelstandsbeauftragten der Bundesregierung, von 1999 bis 2001 Referatsleiter im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung.