Weinlese im städtischen Wingert in Diedenbergen

Regen und Pilz: Mini-Ernte vom „Diedenberger Sonnenhang“

Von Petra Pfeifer, 6. Oktober 2021

Hofheim. In der Rekordzeit von einer knappen Stunde war die Weinernte im städtischen Wingert in Diedenbergen geschafft. Und das nicht etwa wegen der vielen Helfer. Zugegeben, es waren mal wieder mehr als zwei Dutzend Bürger:innen Hofheims, darunter Bürgermeister Christian Vogt und Mitglieder der städtischen Gremien, doch tatsächlich lag es an der geringen Ernte. Also kein Grund zur Freude, auch wenn die Stimmung beim zünftigen Bauernfrühstück, für das die Metzgerei Müller sorgte, bestens war.

Die fachliche Leitung bei der Unternehmung lag in den Händen von Dr. Jana Seidemann, die mit ihrem Bruder sowohl Weinbau als auch Weinhandlung im Rheingau betreibt und auch den Hofheimer Wein im Auftrag der Stadt keltert. „Schuld war zunächst der Regen während der Blütezeit im Juni“, erklärt sie. Das war genau zu dem Zeitpunkt, als alle Blüten gleichzeitig offen waren. Dann haben obendrein noch ein Pilz zugeschlagen, der optimal bei nächtlichem Regen – den gab es leider auch – gedeiht. „Das war regional jedoch vollkommen unterschiedlich“, erläutert die Fachfrau. Daher spreche man auch von einem „neidischen Herbst“: „Selbst innerhalb einer Region wie dem Rheingau kann es den einen Weinbauern mehr und den anderen weniger getroffen haben.“

Ein Weinberg zu Forschungs- und Demonstrationszwecken

Für Diedenbergen jedoch ist die heurige Ernte eine der Kleinsten, die hier jemals eingebracht wurde. Und dabei handelt es sich hier um eine mittlerweile 31-jährige Geschichte. Gerne erinnert sich der ehemalige Hauptamtsleiter Bernhard Racky: „Es war der damalige Bürgermeister Friedrich Flaccus, der an die Tradition des Weinbaus in Hofheim anknüpfen wollte und unter ihm wurde 1988 ein Antrag auf Genehmigung einer Neuanlage beim Weinbauamt in Eltville gestellt.“ Diesem Antrag sei zu Forschungs- und Demonstrationszwecken stattgegeben worden. So konnte 1990 unter Bürgermeister Rolf Felix das Vorhaben verwirklicht werden.

Im Frühjahr wurde die bis dahin brachliegende Fläche umgepflügt, gefräst und zum Pflanzen vorbereitet. Ende Mai war es soweit: In Handarbeit wurden 405 Setzlinge der Rebsorte „weißer Riesling“ aus der Raiffeisen-Rebveredelung Lorch gepflanzt. Die ersten Trauben wurden im November 1990 gesichtet, und das Ergebnis der „Weinlese“ 1991 bestand bereits aus gut zwei Handvoll Trauben.

Stare plündern die erste Ernte

Im Spätsommer 1993 sah die erste Ernte vielversprechend aus. „Doch dann haben Stare sie weggefressen“, erzählt Bernhard Racky. Und das trotz der rotweißen Schutzbänder über den Trauben. Im Jahr 1994 hatten die gefiederten Diebe allerdings keine Chance, denn die Reben wurden vorsorglich mit Netzen verpackt. Diese Maßnahme wird seitdem jährlich durchgeführt. Der Jungfernwein (erste Ernte) wurde am 10. Oktober 1994 gelesen. Er brachte das beachtliche Mostgewicht von 96° Öchsel und 373 Flaschen Wein. „Wir haben immer im Prädikatsweinbereich geerntet“, versichert Bernhard Racky.

Und wer bekommt den leckeren Tropfen? „Er darf nur für den städtischen Eigenbedarf verwendet werden“, berichtet Bürgermeister Christian Vogt. So können sich Jubilare darüber freuen oder Gäste offizieller Empfänge. Auch Wahlhelfer bekommen immer eine Flasche: „Daher ist dieser Posten meistens recht begehrt“, schmunzelt Petra Fuchs, zuständig für den Tourismus in der Stadtverwaltung. Aber trotzdem wird es bei diesem einen kleinen Weinberg bleiben. „Wir sind dankbar für diesen, er ist ein schöner Mosaikstein für die Stadt als Hinweis auf ihre Geschichte“, versichert der Rathauschef.

Übrigens gibt es alljährlich einen Wettbewerb rund um die Gestaltung des Etiketts des „Diedenberger Sonnenhangs“. „Entwürfe einreichen können Künstler, die einen Bezug zur Stadt Hofheim haben“, berichtet Petra Fuchs. Zuständig hierfür ist die Abteilung für Kultur.