Angehörige, Freunde und Co-Autoren trauern um Bernd Seelbach

Fast fünf Jahre ist es her, dass Peter Kolar, Bernd Seelbach und Dietrich Bender (v.l.n.r.) ihr erstes gemeinsames Werk vorstellten. - Foto: Privat

2. November 2024

Hofheim (pit). Zwar drückten sie in den 50er Jahren gemeinsam die Schulbank, doch danach verloren sie sich aus den Augen, obwohl alle drei weiterhin in Hofheim wohnten. Erst nach dem Eintritt in den (Un-)Ruhestand fanden Dieter Bender, Peter Kolar und Bernd Seelbach wieder zusammen. „Das geschah aus Anlass meiner Arbeit an einem Buch über meine Familiengeschichte“, erinnert sich Peter Kolar. Bei diesem Werk stützte sich der Autor überwiegend auf die handschriftlichen Lebenserinnerungen seines Vaters und die Erzählungen seiner fast 100 Jahre alt gewordenen Mutter. Doch erst Dank der tatkräftigen Unterstützung seiner beiden Freunde erschien „Vom Böhmerwald in den Taunus“ mit großem Erfolg im November 2019. Es erzählt von Leben, Liebe, Leid, Vertreibung aus dem böhmischen Krummau und der Ankunft der Familie 1946 in Hofheim am Taunus, wo Peter Kolar vier Jahre später zur Welt kam.

Schon bald stand fest, dass es allein bei diesem Buch nicht bleiben sollte. Denn als die drei kurz vor dem Lockdown in einem Eiscafé zusammensaßen, kamen wieder einmal Geschichten und gemeinsam Erlebtes aus der Kindheit zur Sprache. Und in Anbetracht des bereits zusammen Erreichten entschlossen sich die Herren kurzerhand – schließlich hatten alle eine Affinität zum Schreiben – diese zu einem Buch zusammenzufassen. Geboren war somit das Hofheimer Autorentrio, das mit diesem Werk unter dem Titel „Dehaam, uff de Gass un in de Schul“ seinen „Erstling“ schuf, der 2020 erschien, gefolgt von „Im Verein, in de Kerch un im Kino – Mir wern erwachse“ mit Geschichten aus den 60ern und 70ern im Jahr 2021 und schließlich „Alles auf Anfang“ im Folgejahr, in dem mittels Interviews und Beiträgen ein Sammelband zum Thema Nachkriegszeit erschien.

Und noch mehr schöne Geschichten

Nachdem man sich mittlerweile so schön auf jährliche Publikationen „eingeschossen“ hatte, erschien auch 2023 wieder ein Buch der drei Hofheimer. Dieses Mal waren allein Dietrich Bender und Peter Kolar die Autoren, der gelernte Schriftsetzer Bernd Seelbach, der sich schon sehr früh auf die digitalen Medien umgestellt hatte, kümmerte sich jedoch weiterhin um den Umbruch des Druckwerks „Über 60 bekannte, unbekannte und vergessene Plätze rund um Hofheim“. Darin werden neben geläufigen Attraktionen auch Alteingesessenen Orte (und deren Geschichten) nahegebracht, die sich auf dem Gebiet der Kreisstadt befinden.

Überhaupt gehen sowohl Dietrich Bender als auch Peter Kolar in der Natur gerne auf Entdeckungstour. Ob zu Fuß, per Pedelec oder Auto. Auf diese Weise hat Dietrich Bender mit seiner Frau Sigrid mittlerweile schon Wanderführer über Mittelschweden verfasst (publiziert im Conrad Stein Verlag) – und von Peter Kolars erschien in diesem Jahr „Auf Tour mit Peter“, in dem er Rad- und Wandertouren im Taunus und anderen Mittelgebirgen beschreibt. Auch bei diesem sorgte Bernd Seelbach für den Umbruch. Gleiches gilt für das ebenfalls in diesem Jahr erschienene Buch „122 bekannte, weniger bekannte und vergessene Plätze rund um den Großen Feldberg im Taunus“ aus der Feder von Dietrich und Sigrid Bender.

Bernd Seelbach starb am 27. Oktober 2024. – Foto: Privat

Abschied von Bernd Seelbach

Gleichzeitig ist dies das letzte Werk, an dem Bernd Seelbach Hand anlegte, denn am vergangenen Sonntag verstarb er nach kurzer, schwerer Krankheit. „Sein Tod hat uns tief erschüttert und sprachlos gemacht, aber in unseren Herzen lebt Bernd weiter“, schreibt Peter Kolar in seinem Nachruf. Der Verstorbene sei ein bescheidener Mensch und ein echter „Hofemer Bub“ gewesen, der ehrenamtlich in vielen Bereichen aktiv war. Er erfand zum Beispiel die „Knollebolle“, ein Märchen über eine Kartoffel, die keine Kartoffel sein wollte, und erarbeitete dessen Gestaltung gemeinsam mit Grundschülern.

Lange Zeit wirkte er beim Lesehelfer-Verein „Mentor“, bei dem er auch eine Zeitlang als dessen Landesvorsitzender wirkte. Außerdem war er im Vorstand der Familie Nord und regelmäßig war er im Hessenpark anzutreffen, wo er mit Berufskollegen die alten Druckmaschinen betreute und vorführte, an denen er einmal gelernt hatte: „Mit Bernd Seelbach haben wir einen überaus geschätzten und herzlichen Ehrenamtlichen verloren, der zusammen mit seinen Kollegen die Druckerei für kleine und große Besucher zu einem lebendigen Ort gemacht hat“, sagt Elke Ungeheuer, Referentin für das Ehrenamt im Hessenpark.

Ein Filou mit Tiefgang

Nun ist aus dem Autorentrio ein Duo geworden, das mit den Angehörigen um einen überaus engagierten, hilfsbereiten und fröhlichen Menschen trauert: „Uns verband nicht nur die Lust am Schreiben, sondern auch der Spaß an sinnfreier Blödelei. Bernd Seelbach war meist derjenige, der immer noch einen draufzusetzen wusste“, erzählt Peter Kolar und Dietrich Bender ergänzt: „Er war ein echter Filou, aber ein Filou mit Tiefgang.“