Klinik startet Modellprojekt „TherapieGarten 2026“
Medizinisches Cannabis künftig aus eigenem Anbau
1. April 2026
Bad Homburg (pit). Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen: Mit einem innovativen Gartenbauprojekt wollen die Hochtaunuskliniken gGmbH künftig neue Wege in der medizinischen Versorgung gehen. Wie die Klinikleitung jetzt bestätigte, plant die Einrichtung den Anbau von medizinischem Cannabis auf dem eigenen Gelände. Das Projekt trägt den Arbeitstitel „TherapieGarten 2026“ und soll zunächst als Pilotversuch starten.
Hintergrund sind die steigenden Kosten im Gesundheitswesen sowie die erwarteten finanziellen Belastungen durch die Krankenhausreform. Besonders im Bereich der Schmerzmedizin seien cannabinoidbasierte Medikamente inzwischen ein relevanter Kostenfaktor.
„Allein für entsprechende Präparate geben wir aktuell jährlich einen mittleren sechsstelligen Betrag aus“, erklärte Klinikgeschäftsführerin Dr. Julia Hefty. „Wenn wir perspektivisch einen Teil dieser Versorgung durch kontrollierten Eigenanbau abdecken können, sprechen wir über mögliche Einsparungen zwischen 120.000 und 150.000 Euro pro Jahr.“
Anbaufläche hinter dem Areal des Lebensgartens
Die geplante Anbaufläche befindet sich auf einer bislang wenig genutzten Grünfläche im hinteren Bereich des Klinikgeländes, unweit des Lebensgartens. Dort soll eine rund 600 Quadratmeter große Parzelle eingezäunt und videoüberwacht werden. Geplant ist eine Mischung aus Freilandpflanzen und kleineren Hochbeeten für Versuchszwecke.
Die ersten Setzlinge werden derzeit bereits vorgezogen. Sobald im Frühjahr keine Nachtfröste mehr zu erwarten sind, sollen die Jungpflanzen ins Freiland umgesetzt werden.
„Der Zeitpunkt passt hervorragend“, erklärte Gärtnermeister und Klinikmitarbeiter Andreas Löffler, der das Projekt fachlich begleitet. „Wir ziehen aktuell mehrere Sorten vor, darunter auch speziell für medizinische Anwendungen geeignete Varianten. Die ersten Pflanzen entwickeln sich bereits sehr… vielversprechend.“
Begleitung durch Schmerzmedizin
Medizinisch begleitet wird das Projekt von der Schmerzambulanz der Klinik. Chefarzt Dr. Ansgar Feldmann sieht im Konzept durchaus Vorteile. „Viele unserer chronischen Schmerzpatienten profitieren nachweislich von cannabinoidbasierten Medikamenten“, sagte Feldmann. „Wenn bestimmte Präparate künftig zumindest teilweise aus regionaler Produktion stammen, kann das Lieferketten verkürzen und Versorgungssicherheit schaffen.“
Nach ersten internen Berechnungen könnte eine erfolgreiche Saison bei optimalen Wachstumsbedingungen bis zu 1.800 sogenannte Therapieeinheiten pro Jahr ermöglichen. Die Klinik betont allerdings, dass es sich zunächst um ein Modellprojekt mit wissenschaftlicher Begleitung handelt.
Mitarbeitende dürfen eigene Pflanzen kultivieren
Ein besonderer Bestandteil des Projekts ist ein internes Beteiligungsprogramm für Mitarbeitende. In einem abgetrennten Bereich des Gartens könnten Beschäftigte künftig eigene Pflanzen kultivieren. Die Teilnahme sei freiwillig und an klare Richtlinien gebunden.
„In einem Berufsfeld mit hoher Belastung kann gemeinsames Gärtnern tatsächlich eine entspannende Wirkung haben“, sagte Pflegerin Jana Richter von der chirurgischen Station. „Außerdem ist es vermutlich die ungewöhnlichste Form von Betriebssport, die wir je hatten.“
Auch in der Verwaltung sorgt das Projekt für Gesprächsstoff. Verwaltungsmitarbeiter Stefan Krüger kommentierte mit trockenem Humor: „Wenn die Pflanzen wirklich so pflegeleicht sind, wie manche behaupten, könnte das unser effizientestes Projekt seit der Einführung der digitalen Patientenakte werden.“
Eigene Sorten aus dem Taunus
Langfristig denkt die Klinik sogar über die Entwicklung eigener Sorten nach. In ersten internen Konzeptpapieren tauchen bereits Arbeitstitel wie „Taunus-Therapie“, „Hochtaunus Hybrid“ oder „Station 4 Special“ auf. Dabei handelt es sich laut Klinik allerdings noch um rein humorvolle Projektnamen.
Parallel prüft die Krankenhausleitung, ob das Modellprojekt perspektivisch auf andere Heilpflanzen ausgeweitet werden könnte. Diskutiert werden etwa Baldrian, Lavendel oder Hopfen für beruhigende Teemischungen der Klinikapotheke.
Sicherheitsdienst bereitet sich vor
Der Sicherheitsdienst der Klinik ist bereits in die Planungen einbezogen. Wie ein Sprecher bestätigte, werden derzeit zusätzliche nächtliche Rundgänge im Gartenbereich vorbereitet. „Man möchte ja nicht, dass die Ernte plötzlich Beine bekommt“, hieß es mit einem Augenzwinkern.
Auch organisatorisch wird das Projekt strukturiert: Intern wird derzeit sogar die Einrichtung einer kleinen Koordinationsstelle geprüft, die vorläufig den Arbeitstitel „Stabsstelle Medizinischer Gartenbau“ trägt.
Informationsveranstaltung geplant
Bevor die ersten Pflanzen endgültig ins Freiland gesetzt werden, möchte die Klinik die Öffentlichkeit über das Vorhaben informieren. Eine Informationsveranstaltung für interessierte Bürger:innen ist für Mitte April geplant. Dort sollen auch Fragen zum geplanten Ablauf, zur medizinischen Nutzung und zur langfristigen Perspektive des Projekts beantwortet werden.
Sollte der Pilotversuch erfolgreich verlaufen, könnte der „TherapieGarten 2026“ künftig zu einem festen Bestandteil des Klinikgeländes werden – und vielleicht sogar als Modell für andere Einrichtungen dienen.
Aus der Geriatrie
„Gerade in der Altersmedizin spielt Schmerztherapie eine große Rolle“, erklärte Dr. Petra Neumann, Chefärztin der Geriatrie. „Wenn wir zusätzliche therapeutische Optionen direkt vor Ort verfügbar haben, kann das für manche Patientinnen und Patienten durchaus sinnvoll sein.“
In der Geriatrie sieht man zudem einen möglichen Nebeneffekt: „Gartenarbeit wird in der Altersmedizin häufig als aktivierende Therapie eingesetzt“, erläuterte Neumann. „Sollte das Projekt umgesetzt werden, könnten einzelne Elemente perspektivisch sogar in ergotherapeutische Angebote integriert werden.“
In der geriatrischen Station wurde die Nachricht jedenfalls mit Interesse aufgenommen. „Einige unserer Patienten meinten nur trocken: Das kommt etwa fünfzig Jahre zu spät“, berichtete eine Pflegekraft.
Viel positive Resonanz
Auch unter den Patient:innen und sorgt das Projekt bereits für Gesprächsstoff. Ein 82-jähriger Patient aus der Geriatrie kommentierte schmunzelnd: „Also früher, in den Siebzigern, hat man sich um solche Pflanzen ja eher heimlich gekümmert. Dass ich das noch einmal ganz offiziell im Krankenhaus erlebe, hätte ich nicht gedacht.“
Pflegekräfte aus der geriatrischen Station berichten obendrein, dass das Thema bei manchen Patient:innen bereits Erinnerungen weckt. „Einige erzählen plötzlich sehr detailliert von ihren Erfahrungen mit Zimmerpflanzen in den 70er-Jahren“, sagte eine Mitarbeiterin lachend. „Die botanischen Kenntnisse sind erstaunlich.“
Kommentar der Redaktion
Die wirtschaftliche Lage vieler Krankenhäuser ist angespannt. Steigende Kosten, Fachkräftemangel und die geplante Krankenhausreform setzen Einrichtungen bundesweit unter Druck. Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass Kliniken nach neuen Wegen suchen, um Versorgung und Wirtschaftlichkeit miteinander zu verbinden.
Der geplante „TherapieGarten 2026“ der Hochtaunuskliniken mag auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen. Doch gerade in Zeiten großer Veränderungen entstehen Innovationen häufig dort, wo man sie zunächst nicht erwartet.
Ob sich der Ansatz in der Praxis bewährt, wird sich erst zeigen müssen. Klar ist jedoch: Kreative Ideen und der Mut, neue Wege zu denken, werden im Gesundheitswesen künftig eine immer größere Rolle spielen.
Man darf also gespannt sein, welche Blüten dieses Projekt noch treiben wird.

