Veranstaltung zum 9. November im Stadtmuseum ein voller Erfolg

(K)ein Schicksalstag in der deutschen Geschichte?

13. November 2024

Hattersheim (ut). Von der Hinrichtung des Paulskirchenabgeordneten Robert Blum im Jahre 1848 zur Novemberrevolution 1918, vom Hitler-Ludendorff-Putsch 1923 über den Novemberpogrom 1938 bis hin zum Fall der Berliner Mauer im Jahre 1989 – der 9. November markierte in der deutschen Geschichte mehrfach entscheidende Wendepunkte. Bundespräsident Frank Walter Steinmeier beschrieb die Relevanz des Umgangs mit diesem höchst ambivalenten Datum anlässlich einer Rede im Jahre 2022 wie folgt: „An der Art und Weise, wie wir Deutsche unseren 9. November – oder unsere verschiedenen 9. November – in Erinnerung halten, wie wir ihrer würdig und angemessen gedenken, entscheidet sich unsere Identität.“

Sollte der 9. November ein Gedenktag sein? Ein Feiertag? Oder eher ein Tag der Reflexion? Diesem erinnerungskulturellen Fragenkomplex widmete sich eine ganz besondere Veranstaltung der Stadt Hattersheim am Main: Insgesamt rund 90 Besucher:innen nahmen am Abend des 9. Novembers 2024 an einer Gedenkstunde und einem sich anschließenden Konzert des Ensembles „Die Grenzgänger“ im Hattersheimer Stadtmuseum teil.

Den Anfang machte Stadtverordnetenvorsteher Georg Reuter, welcher die Anwesenden begrüßte, einen Rückblick auf die Geschehnisse rund um den 9. November 1938 präsentierte und über die Art der Erinnerung an die sogenannte „Reichskristallnacht“ referierte. Dabei nahm er auch Bezug auf aktuelle Ereignisse und zur Gegenwart des Antisemitismus: Dieser „[…] ist kein Phänomen der Vergangenheit. Er ist noch immer real und heutzutage vielleicht wieder lebendiger denn je“, so Georg Reuter. „Setzen Sie sich mit mir dafür ein, dass antisemitische Haltungen geächtet werden. Damit solche Pogrome nie wieder stattfinden!“

Im Anschluss wurde der Blick dann auf den Umgang mit den historischen Ereignissen der unterschiedlichen neunten November erweitert, um ganz grundlegende Fragen zur Diskussion zu stellen: Welche Aspekte der Vergangenheit werden wie und warum vergegenwärtigt? Welche Rolle spielen sie für die Gegenwart? Und wie kann ein differenziertes, multiperspektivisches Geschichtsbewusstsein geschaffen werden?

Die Stadt Hattersheim am Main blickt in diesem erinnerungskulturellen Zusammenhang auf eine langjährige und erfolgreiche Arbeit im Bereich einer kritischen historisch-politischen Bildungs- und Kulturarbeit zurück; zahlreiche Projekte, Publikationen und Veranstaltungen aus den vergangenen Jahren zeugen davon. Dabei spielte die Kooperation mit lokalen Akteuren – wie etwa der Heinrich-Böll-Schule – stets eine wichtige Rolle. Nicht zuletzt ist in diesem Zusammenhang auch die Gründung der städtischen AG Opfergedenken im Jahre 2009 zu nennen, welche bis heute Bestand hat und in deren Arbeitskontext auch die diesjährige Veranstaltung zum 9. November durchgeführt wurde.

Im Anschluss an die thematische Einführung griff das Konzert des renommierten Quartetts „Die Grenzgänger“ um den Liedermacher Michael Zachcial, den Gitarristen Frederic Drobnjak, den Akkordeon-Spieler Felix Kroll und die Cellistin Annette Rettich dann all die vorab angesprochenen Themen aus musikhistorischer Perspektive auf. Reflektierende, berührende wie unterhaltsame Momente lösten dabei einander ab und rissen das Publikum mit.

Dem Ensemble gelang es geschickt, in seiner Darbietung nicht nur zwischen Jahrzehnten und Jahrhunderten, sondern auch zwischen den Genres zu wechseln und das Liedgut in den jeweiligen geschichtlichen Kontext einzubetten. Nicht wenige Gäste stimmten das eine oder andere Mal in den Gesang ein. Mit der „Ode an die Freude“ schlossen „Die Grenzgänger“ diesen ganz besonderen Abend: Das Publikum dankte ihnen mit stehenden Ovationen.

Für Personen, die sich für die lokalhistorischen Ereignisse um den Novemberpogrom 1938 in den drei Hattersheimer Stadtteilen interessieren, ist eine digitale Ausstellung zur Thematik jederzeit online auf der städtischen Webseite zugänglich. Unabhängig von einem Besuch im Stadtmuseum ist die Präsentation für Desktopanwendungen optimiert über https://www.hattersheim.de/digitale-ausstellung abrufbar.

Und auch die Medienausstellung der Hattersheimer Stadtbücherei zum Themenkomplex 9. November ist weiterhin nutzbar. Über den städtischen Online-Katalog (https://opac.winbiap.net/hattersheim/index.aspx) kann darüber hinaus zum vielfältigen Angebot an Publikationen zur Thematik recherchiert werden.