Auf den Spuren der Baronin Friederike Riedesel

Nadine Riedesel debütiert mit ihrem Roman „Am Fluss der tausend Inseln“

Am 2. September, am gleichen Tag, an dem der Debütroman von Nadine Riedesel erscheint, findet ihre erste Autorenlesung statt. - Foto: Petra Pfeifer

31. August 2026

Friedrichsdorf (pit/ut). Die Friedrichsdorfer Autorin Nadine Riedesel Freifrau zu Eisenbach veröffentlicht am 2. September ihren Debütroman „Am Fluss der tausend Inseln“. Der historische Roman beruht auf den Tagebüchern der Baronin Friederike Riedesel, die während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges nach Nordamerika reiste – und dort die Tradition des Weihnachtsbaums ins Leben rief.

Es war im Jahr des Beginns des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine, als sich Nadine Riedesel, eigentlich gelernte Architektin, daran machte, Renovierungsarbeiten im Burgschloss Lauterbach durchzuführen. Neben der Renovierung einer Wohnung für ukrainische Flüchtlinge sollten auch Büroräume umgestaltet werden. Dabei machte sie „in einem der hintersten Büros in einer alten, schweren Holztruhe“ eine bemerkenswerte Entdeckung: gedruckte Exemplare des Tagebuchs der Baronin Friederike Riedesel, einer Vorfahrin ihres Mannes.

„Es war 1802 schon von ihrem Schwiegersohn an einen Verlag gegeben worden, um es für die Familie drucken zu lassen“, weiß Nadine Riedesel zu berichten. Der Verlag sei jedoch von den Erzählungen Friederikes derart beeindruckt gewesen, dass das Buch mit Einverständnis der Familie veröffentlicht wurde. Die Resonanz war groß: Das Werk wurde sogar ins Englische und Niederländische übersetzt.

Doch bis Nadine Riedesel, die mit ihrem Mann und den beiden Söhnen in Friedrichsdorf lebt, sich tatsächlich mit dem Tagebuch beschäftigen konnte, sollte noch einige Zeit vergehen. In ihrem Epilog schreibt sie zu ihrer schließlich beginnenden Arbeit: „Weil ich mir wünschte, dass ihre Reise nicht in Vergessenheit geraten sollte, recherchierte ich nach Literatur zu dieser Geschichte, fand aber, neben den Neuauflagen ihres Tagebuchs, nur das 1941 erschienene Werk ‚Erlebnisse der Freifrau Fritze von Riedesel‘ von Gerhard Heine. Also beschloss ich, eine kleine Zusammenfassung ihres Lebens zu schreiben. So könnte zumindest meine Familie, vor allem meine Söhne, später mehr über Friederike erfahren.“

Aus dieser zunächst kleinen Zusammenfassung wurde allmählich weit mehr. Bei der Recherche erhielt Riedesel viel Unterstützung von ihrem Schwiegervater, Dr. Berthold Riedesel Freiherr zu Eisenbach. Die Arbeit wurde immer ausführlicher – und schließlich entstand ein Manuskript. Mit dem Atlantik Verlag, einem Imprint von Hoffmann und Campe, war auch auf Anhieb ein Verlag für die Veröffentlichung schnell gefunden.

Für ihren Roman verfolgte Nadine Riedesel die historischen Spuren der Familie bis nach Kanada und sprach dort mit Historiker:innen vor Ort. Besonders beeindruckt hat sie der Besuch in Sorel-Tracy, wo Friederike Riedesel längere Zeit lebte. „Das Haus ist heutzutage ein Museum, aber man spürt dort förmlich die Vergangenheit, vor allem wegen der meterhohen Edelstahltanne, die im Garten zum Gedenken aufgestellt wurde“, erzählt die Autorin.

Über das Buch

Unter dem Titel „Am Fluss der tausend Inseln“ erzählt Nadine Riedesel die Geschichte von Friederike von Massow. Im Jahr 1761 begegnet die junge Frau während des Siebenjährigen Krieges dem charmanten Baron Friedrich Riedesel, einem Offizier in Diensten des Herzogs von Braunschweig. Die beiden verlieben sich und heiraten am 21. Dezember 1762.

Doch 1776 erhält Friedrich den Befehl, mit seinen Truppen das britische Heer im Kampf gegen die Aufständischen in den amerikanischen Kolonien zu unterstützen. Plötzlich liegen Krieg und Ozean zwischen den Liebenden – bis Friederike ihm schließlich mit ihren kleinen Kindern nach Nordamerika folgt.

Es beginnt eine wechselhafte Geschichte über eine Frau, deren Mut, Ideenreichtum und große Empathie auch unter den Bedingungen des Kriegsgeschehens beeindrucken.

Dabei überzeugt der Roman nicht zuletzt durch die feinfühlige Sprache, mit der Nadine Riedesel sich den überlieferten Texten nähert. Die historische Figur Friederike steht stets im Mittelpunkt, doch auch andere Personen erhalten Raum und werden lebendig. Obwohl die Autorin die historischen Texte für heutige Leser:innen sprachlich zugänglich gemacht hat, bewahrt sie manche heute weniger geläufigen Begriffe. So entsteht eine angenehm historische Sprachfärbung, ohne dass der Text an Lesbarkeit verliert.

Die Premierenlesung von „Am Fluss der tausend Inseln“ findet am Tag der Erstveröffentlichung des Romans, am 2. September, um 19.30 Uhr in der Stadtbücherei Friedrichsdorf statt. Im Anschluss spricht Nadine Riedesel mit Bürgermeister Lars Keitel über den Roman und seine Entstehung.

Tickets kosten 10 Euro und sind in der Stadtbücherei sowie an der Abendkasse erhältlich.

Nadine Riedesel Freifrau zu Eisenbach
„Am Fluss der tausend Inseln“, Roman, Paperback,
400 Seiten, ISBN 97 8-3-455-02314-5, 18 Euro