Die massive Risikovorsorge der Taunus Sparkasse hat gegriffen

Starkes Ergebnis trotz(t) Immobilienkrise

Der Vorstand der Taunussparkasse bei der Bilanzpressekonferenz (v. l.): Vorsitzender Oliver Klinke sowie Cristina Mussenbrock und Markus Franz. - Foto: Unser Taunus

17. Juli 2024

Bad Homburg (ut). Gleich zu Beginn der Bilanzpressekonferenz 2023 konnte Vorstandsvorsitzender Oliver Klink versichern: „Unsere Bilanz ist schon seit Jahren vom Kundengeschäft geprägt. In einem Jahr, das von hoher Unsicherheit, höheren Zinsen und extrem gestiegenen Baukosten geprägt war, ist die Darlehensnachfrage unserer Kunden massiv zurückgegangen. Wir haben als solide agierende Sparkasse auf die sinkenden Immobilienwerte reagiert und frühzeitig durch erhebliche Wertberichtigungen vorgesorgt. Gleichzeitig waren wir für unsere Kunden der gewohnt kompetente und faire Partner im Einlagengeschäft und auf dem Kapitalmarkt, so dass unsere Kunden uns erneut einen noch größeren Teil ihrer Vermögen anvertraut haben. Unser operatives Ergebnis zeigt: Wir sind stark aufgestellt.“ Die Taunus Sparkasse habe das Geschäftsjahr 2023 mit einem starken operativen Ergebnis in Höhe von 85,9 Millionen Euro (Vorjahr: 86,7 Millionen Euro) abgeschlossen und damit auch im von Krisen und Kriegen gekennzeichneten Jahr ihre operative Leistungsfähigkeit als Kundenbank erneut unter Beweis gestellt.

Bilanzsumme wieder auf langfristigem Niveau

Mit der nun fast vollständigen Rückführung des durch die Europäische Notenbank initiierten langfristigen Offenmarktgeschäfts (TLTRO) zur Stimulierung des Kundenkreditgeschäfts und nach einigen mit der Rückkehr des Zinses zu erwarten gewesenen Umschichtungen von zinslosen Sichteinlagen ins Wertpapiergeschäft ist die Bilanzsumme mit 7.346 Millionen Euro auf das langfristige Niveau zurückgekehrt. Unverändert sind einmal mehr die Refinanzierung aus dem Kundengeschäft und die in der Region ausgereichten Kredite im Gleichgewicht.

„Wir sind nah bei unseren Kunden. Das gilt für gute Jahre genauso wie für Jahre, in denen die Unsicherheit umgeht. Das Geschäftsjahr 2023 war von extrem gestiegenen Zins- und Baukosten geprägt. Fast zwangsläufig ist die Darlehensnachfrage unserer Kunden massiv zurückgegangen. Als solide agierende Sparkasse haben wir zu- dem proaktiv erhebliche Wertberichtigungen auf unser Kreditportfolio vorgenommen. Gleichzeitig waren wir für unsere Kunden der gesuchte Partner bei ihren Kapitalmarktgeschäften“, sagte Oliver Klink, Vorstandsvorsitzender der Taunus Sparkasse, bei der Vorlage der Bilanz 2023.

Immobilienkrise lässt Nachfrage nach Krediten erheblich zurückgehen

Die Darlehenszusagen fielen im Geschäftsjahr 2023 mit 712 Millionen Euro um 42 Prozent geringer aus als im Vorjahr. Gegenüber 2021 halbierte sich die Nachfrage nach Krediten sogar. Die hohe Zurückhaltung der Kunden ließ erstmals auch den Kreditbestand insgesamt von 6.000 Millionen Euro in 2022 um sechs Prozent auf aktuell 5.651 Millionen Euro zurückgehen. „Hohe Unsicherheit, deutlich gestiegene Finanzierungskosten, extrem gestiegene Baukosten und viele durch den Arbeitermangel verursachte Unwägbarkeiten bei der persönlichen Zeitplanung haben bei unseren Kunden zu deutlicher Zurückhaltung geführt“, so Klink. Der Traum von den eigenen vier Wänden sei 2023 vielerorts vorerst geplatzt.

Als Vorsichtsmaßnahme für drohende Rückgänge bei den Immobilienwerten ihrer Kunden hat die Taunus Sparkasse in 2023 erheblich vorgesorgt und dabei auch einen Teil der umfangreichen Rücklagen der vergangenen Jahre genutzt, um Wertberichtigungen in Höhe von 48,3 Millionen Euro vorzunehmen. „Als Sparkasse agieren wir risikoavers. Obwohl wir in 2023 mit nur 1,3 Millionen Euro tatsächlichen Abschreibungen einen sehr überschaubaren Ausfall zu verzeichnen haben, haben wir uns entschieden, auf Nummer Sicher zu gehen.“ Die operative Ergebnisstärke und die weiterhin vorhandenen Rücklagen würden mehr als ausreichen, um auch eine Verschärfung der Immobilienkrise auszuhalten, so Klink.

Zinsüberschuss steigt Provisionsüberschuss auf hohem Niveau stabil

Der Zinsüberschuss stieg gegenüber dem Vorjahr um drei Prozent auf 150,5 Millionen Euro. „Treiber für diese moderat gute Entwicklung“, so Klink, „ist unsere gute Marktstellung vor allem bei Gewerbe- und Firmenkunden.“ Zudem habe die Taunus Sparkasse die Zinswende an ihre Kunden weitergegeben, was den Zinsaufwand von 5,7 Millionen Euro im Jahr 2022 auf jetzt 65,2 Millionen Euro deutlich ansteigen ließ.

Der Provisionsüberschuss liegt mit 41,7 Millionen Euro leicht über dem Vorjahresniveau. Durch den kräftigen Zuwachs bei den Giro- und Wertpapiererträgen konnten die deutlich eingebrochenen Provisionserträge aus dem Bauträgergeschäft kompensiert werden.

„So herausfordernd das Zinsumfeld für unser Immobiliengeschäft war, so attraktiv und reich an Chancen war die Entwicklung des Kapitalmarktes“, kommentierte Oliver Klink. Ihre Stärke zeigte die Taunus Sparkasse einmal mehr in der Wertpapierberatung auch durch die Zuwächse im Renten- und Zertifikate-Geschäft mit einem Plus von 147 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt steigerte die Taunus Sparkasse das Wertpapiergeschäft um 30 Prozent auf jetzt 2.913 Millionen Euro. Dementsprechend stieg auch das Kundenvermögen um drei Prozent auf 8.158 Millionen Euro.

„Wir konnten viele Kunden überzeugen, die Marktchancen des vergangenen Jahres zu nutzen und ihre Sichteinlagen nicht nur in verzinste Einlagen und Festgelder umzuschichten, sondern auch in Produkte, die deutlich langfristiger ausgerichtet sind“, so Klink.

Solides Kostenmanagement – Sinnvolle Zukunftsinvestitionen

Mit einer Aufwands-Ertrags-Relation (Cost-Income-Ratio) von 54,8 Prozent liegt die Taunus Sparkasse weiterhin auch im Wettbewerbsvergleich auf sehr gutem Niveau.

„Trotz erheblicher Zukunftsinvestitionen in das wahrscheinlich modernste Filialnetz Deutschlands und tarifvertragsbedingt gestiegenen Personalkosten, haben wir die Aufwands-Ertrags-Relation weitgehend stabil gehalten“, sagte Oliver Klink.

Der Sachaufwand ist von 42,7 Millionen um 2,5 Millionen Euro auf 45,2 Millionen an- gestiegen (plus 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr). Höhere Kosten ergaben sich aus den Grundstücks- und Gebäudeaufwendungen, der Ausgabe von Kunden- und Kreditkarten sowie aus Investitionen in IT und unsere Mitarbeitenden durch Aus- und Fortbildungen. Der Personalaufwand hat sich von 58,5 Millionen Euro um 2,6 Millionen Euro auf 61,1 Millionen Euro erhöht (plus 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr).

Ergebnis nach Steuern auf Rekordniveau – erstmals Ausschüttung an ihre Träger

Das Ergebnis nach Steuern liegt mit 50,9 Millionen Euro auf einem in der Vergangenheit nur über Sondereffekte erreichten Niveau und zeigt die Stärke der Sparkasse im operativen Kundengeschäft. In den vergangenen zwei Jahren war das Ergebnis stark von Sondereffekten aus Immobilienverkäufen beeinflusst.

Der Bilanzgewinn beträgt wie in den Vorjahren acht Millionen Euro. Erstmals in ihrer Geschichte wird die Taunus Sparkasse hieraus zwei Millionen Euro an ihre Träger, den Main-Taunus-Kreis und den Hochtaunuskreis, auszahlen.

2023 auf einen Blick

„Als Sparkasse stehen wir in der Verantwortung gegenüber unseren Kunden, unseren Mitarbeitenden und unseren Trägern. Und wir tragen auch diese Verantwortung. Als Kundenbank verfolgen wir seit jeher das Ziel von langfristigen und echten Partnerschaften mit unseren Kunden. Das gilt in guten Zeiten. Das gilt selbstverständlich auch in schwierigen Zeiten. Das Geschäftsjahr 2023 war geprägt von Chancen und marktgegebenen Schwierigkeiten. Die Nachfrage nach intensiver Beratung war enorm. Wir konnten uns als Taunus Sparkasse nicht zuletzt durch unsere Präsenz vor Ort im Wettbewerb gut behaupten. Die Marktanteilsgewinne der vergangenen Jahre haben wir uns hart erarbeitet“, so das Fazit von Oliver Klink.

Ausblick Zuversichtlich trotz herausforderndem Umfeld

Zur Jahresmitte 2024 lässt sich kein grundlegender Vorzeichenwechsel an den Märkten konstatieren. „Die Immobilienkrise ist nach wie vor da und wird uns möglicherweise noch länger fest im Griff haben“, sagte Oliver Klink. „Wir sind gut vorbereitet und fühlen uns solide aufgestellt, um mit unseren Kunden bis zum Wiederanspringen des Marktes abwarten zu können. Auf den Kapitalmärkten herrschen weiterhin Zinssenkungsfantasien und geben den Kursen weiteren Schub. Vor diesem nach wie vor herausfordernden Marktumfeld sind wir als Taunus Sparkasse weiterhin optimistisch, auch 2024 ein gutes Geschäftsergebnis erzielen zu können“, so der Vorstandsvorsitzende.

Und immer wieder „Enkel-Tricks“

Nicht abreißen wollen die Warnungen der Polizei hinsichtlich sogenannter „Enkel-Tricks“, hier ist die Taunus Sparkasse ebenfalls seit Jahren in der Prävention tätig. „Dass es ein ‚fremdschäm‘ Thema ist, macht es partiell schwierig, doch es ist wichtig, dass es nicht kleingeredet wird“, so Cristina Mussenbrock, die zum 1. Januar 2024 zum Vorstand der Sparkasse bestellt wurde, und zuständig ist für die Geschäftsbereiche Risiko und Compliance. Es sei kein Stigma und wenn die entsprechenden Behörden und Institutionen über die Kenntnis der unterschiedlichen Tricks verfügten, könnten konkret Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Angesichts dessen freute sich Cristina Mussenbrock, dass die Veranstaltungen durchweg sehr gut besucht seien, die die Taunus Sparkasse zusammen mit der Polizei regelmäßig durchführt. „Unser Kern-Ratschlag lautet: Am Telefon immer nach dem Namen fragen und nicht auf Ratespiele eingehen wie ‚erkennst Du mich nicht?‘“, ergänzte Oliver Klinke.

Erfolgsmodell Dialoginseln

Vor zwei Jahren installierte die Taunus Sparkasse in ihrer Filiale in der Bad Homburger Louisenstraße die erste sogenannte Dialoginsel. Mittlerweile gibt es sie in verschiedenen Größen auch in anderen Filialen und wird als Telefon- bzw. Video-Beratung eingesetzt. „Es gibt Themen, bei denen es nicht um Bargeld oder Sparkonto gibt“, so Markus Franz. Das Hauptproblem drehe sich rund um das Thema Online-Banking. Nach einer entsprechenden Legitimation bei diesen interaktiven Inseln per Ausweis und Bankkarte und mittels Smartphone des Ratsuchenden kann der Mitarbeiter, der dank eines Bildschirms dem Ratsuchenden gegenüber „steht“, direkt in die Beratung einsteigen und der Kundin bzw. dem Kunden zum Beispiel bei der Einrichtung des Online-Kontos behilflich sein. „Wir helfen auch anderen Institutionen kostenfrei bei einer kompletten Neueinrichtung einer solchen Dialoginsel“, versicherte Oliver Klink. Dafür freut sich das Team der Taunus Sparkasse im Gegenzug, wenn es wiederum kostenfrei Innovationen zurückerhält.

Über die Taunus Sparkasse

Die Taunus Sparkasse mit Sitz in Frankfurt/-Höchst, Bad Homburg v.d.H. und Hofheim am Taunus gehört mit einer Bilanzsumme von über 7,3 Milliarden Euro zu den erfolgreichsten Sparkassen im Sparkassenverband Hessen-Thüringen und darüber hinaus. Mit 712 Mitarbeiter:innen und 52 Filialen und Geschäftsstellen im Hochtaunuskreis und Main-Taunus-Kreis hat sie sich in den vergangenen Jahren eine besondere Marktposition in der Region erarbeitet. Dies wird auch durch die seit Jahren kontinuierlich steigenden Kundenzahlen und eine sehr hohe Kundenzufriedenheit bestätigt. Die Taunus Sparkasse eng giert sich seit vielen Jahren in der Region – zuletzt in 2023 mit knapp 2,6 Millionen Euro.