Gedenken der Opfer der Novemberpogrome im Jahr 1938
11. November 2025
Oberursel (ut). Zum Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht im Jahr 1938 hatte die Initiative Opferdenkmal e.V. in Kooperation mit der Katholischen Kirche St. Ursula am Sonntag, 9. November, am frühen Abend zu einer Veranstaltung im Kulturcafé Windrose eingeladen. Dort fand ein Kurt Tucholsky-Themenabend mit musikalischer Untermalung statt.
Die Sängerin und Konzertgitarristin Ursula Kurze führte durch den Abend und gestaltete ein abwechslungsreiches musikalisch-literarisches Portrait des Autors Kurt Tucholsky (1890-1935). Sie stellte Tucholskys Leben und Werk vor und übertrug seine Texte in ihre Eigenkompositionen für Gesang und Gitarre. Vor Veranstaltungsbeginn stellten die Teilnehmer:innen flackernde Kerzen an das Opferdenkmal vor der Hospitalkirche und zeigten so ihre persönliche Anteilnahme für die Opfer der Reichspogromnacht.
Die Reichspogromnacht markierte einen Wendepunkt in der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung in Deutschland, als gewaltsame Ausschreitungen und Zerstörungen nicht nur jüdische Geschäfte und Synagogen trafen, sondern auch tausende jüdische Menschen misshandelt, verhaftet und ermordet wurden. Auch Oberursel war von dieser Gewalt betroffen.
Annette Andernacht, Erste Vorsitzende der Initiative Opferdenkmal e.V., begrüßte die teilnehmenden Menschen an diesem Abend. Als Schirmherrin der Veranstaltung war es Bürgermeisterin Antje Runge auch 87 Jahre später mehr als wichtig, die Erinnerungskultur wachzuhalten, „weil es sich hierbei leider nicht um ein Phänomen der Vergangenheit handelt. Auch heute noch sind wir mit Vorurteilen, Hass und Gewalt konfrontiert, besonders aktuell wieder gegen jüdische Menschen in Deutschland und der ganzen Welt. Überall auf der Welt sehen wir Konflikte, Krisenherde und die Zunahme antidemokratischer Strömungen. Wir müssen aus der Geschichte lernen, um die Menschenrechte und die Würde aller Menschen zu schützen.“

Das gemeinschaftliche Treffen im Kulturcafé Windrose war Teil der Erinnerungskultur der Stadt Oberursel, die mit verschiedenen Projekten wie den Stolpersteinen und dem Opferdenkmal an der Hospitalkirche an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert.
Bürgermeisterin Runge ergänzte, dass man nicht nur erinnere, sondern darüber hinaus jüdisches Leben in Deutschland auch heute gemeinsam lebe.
In diesem Zusammenhang wird in Oberursel das jüdische Lichterfest Chanukka im Winter gefeiert. Das achttägige Fest erinnert an die Wiedereinweihung des Jerusalemer Tempels im Jahr 164 v. Chr. und das sogenannte „Ölwunder“: Ein kleiner Krug mit geweihtem Öl, der nur für einen Tag gereicht hätte, brannte acht Tage lang. Zur Erinnerung daran wird an jedem Abend eine weitere Kerze auf der Chanukkia, dem besonderen achtarmigen Leuchter, entzündet. Chanukka steht für Glauben, Hoffnung und das Licht, das selbst in dunklen Zeiten nicht erlischt, und wird weltweit als fröhliches Familienfest mit Liedern, traditionellen Speisen und gemeinsamen Ritualen gefeiert.
Die Initiativen der Erinnerungskultur halten das Gedenken lebendig und regen besonders jüngere Generationen dazu an, sich gegen Rassismus und Antisemitismus einzusetzen.

