Lions-Podiumsdiskussion zu „KI und Wir“





Von Eckard Steffin, 4. Februar 2025
Bad Homburg (es). Die Lions Clubs Bad Homburg vor der Höhe, Kaiserin Friedrich und Weißer Turm luden zu einer gemeinsamen Podiumsdiskussion zum Thema „Künstliche Intelligenz (KI) und WIR – Chancen und Herausforderungen“ ein. Dr. Jochen Müller moderierte die Veranstaltung und brachte direkt die Nachricht des Tages ein: Das erst 2023 gegründete Startup Deep Seek brachte eine KI mit effizienteren Mitteln als die Konkurrenz auf den Markt und es brachen die Börsenkurse der US Tech Firmen so stark ein, wie noch nie zuvor.
Eingeladen waren:
Jürgen Bartling, Vorstand der Integrata Stiftung, die zum 1. Januar 2000 gegründet wurde. Deren Ziel ist die Förderung von Wissenschaft und Forschung, Erziehung und Bildung auf dem Gebiet der humanen Nutzung der Informationstechnologie. Sie setzt sich aktiv dafür ein, den wissenschaftlichen Fortschritt zu begleiten und engagiert sich dafür, IT und KI nicht nur zur Rationalisierung, sondern vor allem zur Steigerung der Lebensqualität der Menschen zu nutzen. Soweit die Selbstdarstellung auf der Internetseite.
Prof. Dr. Christian Rieck von der Frankfurt University of Applied Sciences. Neben seinen Fachgebieten Finance- und Wirtschaftstheorie interessieren ihn auch die Ingenieurwissenschaften. Er war als Berater im In- und Ausland tätig.
Dr.-Ing. Thomas Weber von der Firma Etalytics – KI Gesteuerte Technologie der nächsten Generation. „Innovation ist nicht nur ein Schlagwort – es ist unser Leitstern“, so die Selbstdarstellung. Branchen sollen durch hochmoderne Energiemanagementlösungen transformieren und neu definieren, was möglich ist. Von der Optimierung der Effizienz über die Kostensenkung bis hin zur Verbesserung der Nachhaltigkeit sind Etalytics-Produkte der Schlüssel zur Entfaltung vollen Potenzials.
Frage ans Publikum
Zu Beginn wurde eine Umfrage beim Publikum gestartet, wie die persönliche Einstellung zur Künstlichen Intelligenz ist. Es sollte die Frage beantwortet werden, ob es mehr Chancen oder Risiken gibt. Hier hielten sich die Meinungen die Waage.
Chancen
Bartling vertrat die Meinung, dass KI nur durch vorsichtigem Umgang und gute Bildung zu einem Nutzen für die Menschen wird. Bei medizinischen Anwendungen, Arztbriefe schreiben oder Datenauswertungen, kann sie hilfreich sein. In juristischen Anwendungen ist es schwierig, weil die Anwälte zwar über eine zentrale Datenbank verfügen aber nicht die Richter.
Rieck ist der Ansicht, sobald KI auf kleinen Rechnern läuft, gibt es ganz neue Anwendungen. Er hat als Beispiel eine Überlegung aus seiner Vergangenheit beschrieben. Es sollte eine Möglichkeit geben, Wasser so zu kochen, dass ein Messinstrument die Herdplatte in dem Moment abschaltet, in dem das Wasser durch Resthitze weiter zum Kochen gebracht wird. Auch Weiterentwicklungen können gelingen, allerdings sollten diese nicht durch Bürokratie behindert werden.
„Ohne KI werden wir einen wirtschaftlichen Niedergang erleben“, meinte Weber. Sie werde überall eingesetzt und mache sich teilweise selbständig. KI Agenten analysieren, laufen bei Prozessen mit, geben Auskunft und helfen bei der Fehlersuche. So kann sein Unternehmen viel Energie durch fehlerhafte Prozesse in Unternehmen entdecken und beseitigen. Während des Studiums hatte die Universität eine Fabrik zur Forschung von Effizienz geschaffen. Daraus ist sein Unternehmen mit der Überlegung entstanden, Abläufe mit Hilfe der KI zu steuern.
Risiken
Bartling sieht 30 Prozent aller Arbeitsstellen in der Gefahr wegzufallen, ohne Alternativen zu schaffen. Zudem fehlt eine Wertediskussion mit den Fragen: Wie will ich leben? Wie erhalte ich eine Lebensqualität? Werden Bürger:innen überwacht und sanktioniert?
Die Kontrolle der KI sieht Rieck als Problem, weil dann Menschen manipulieren können, was wir lesen. Es wäre blauäugig zu denken, dass man die Privatsphäre schützen könne. Dazu sei KI zu verführerisch, „wir sehen es ja auch bei den sozialen Medien, was wir alles so preisgeben“. Zudem werden neue Werkzeuge eingebaut, die das Denken überflüssig machen. Eine gute KI baut selbständig eine bessere und so weiter. Eine Entwicklungsspirale entstehe, die vom Menschen nicht mehr kontrolliert werden kann. So besteht die Gefahr, dass Künstliche Intelligenz den Menschen beherrscht. Die derzeit größte Gefahr sieht er in der EU-Gesetzgebung, die Innovationen verlangsamt. „Europa fährt mit einer Kutsche und die Welt fliegt mit einem Düsenjet“, so Rieck. So würde Deutschland den Anschluss verpassen.
Weber sieht die Gefahr, dass Menschen wegen ihrer Machtgelüste oder aus persönlichem Interesse andere Menschen leichter manipulieren können. Gleichzeitig können Anwendungen so attraktiv sein, dass sich Menschen leichter manipulieren lassen. Schon heute gibt es viele, die in einer Filterblase leben und nur wahrnehmen, was ihnen hier vorgesetzt wird.
Hindernisse
Alle waren sich einig, dass Steuerregeln, Datenschutz oder Bürokratie in der EU hindern, dass sich KI in Europa gut entwickelt. Weber sagte: „Im Industriebereich ist Europa oder Deutschland durchaus auf einem guten Wege und in der Spitzengruppe zu finden.“ Die meisten Menschen nehmen nur den Konsumbereich wahr, den die USA oder China beherrschen.
Ergebnis
Am Ende wurde noch einmal abgefragt, was das rund 80-köpfige Publikum meinte. Dieses war nun im Gegensatz zu Beginn der Veranstaltung der Meinung, dass die Chancen deutlich höher seien als die Risiken.
Was sagt die KI?
„Unser Taunus – Das regionale Online-Magazin“ hat im Nachgang einmal eine KI-App gefragt, welche Risiken und Chancen bestehen. Das Ergebnis lautete:
„Die Entwicklung und Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) birgt sowohl große Chancen als auch Risiken. Hier sind einige der wichtigsten Aspekte:
Chancen:
- Effizienzsteigerung: KI kann repetitive und zeitaufwendige Aufgaben automatisieren, was zu einer höheren Produktivität und Effizienz führt.
- Innovation: KI treibt Innovationen in verschiedenen Bereichen wie Medizin, Verkehr, Bildung und Unterhaltung voran.
- Datenanalyse: KI kann große Datenmengen schnell analysieren und Muster erkennen, die für Menschen schwer zu identifizieren sind.
- Personalisierung: KI ermöglicht personalisierte Erfahrungen, z.B. in der Medizin durch maßgeschneiderte Behandlungen oder im Marketing durch gezielte Werbung.
- Verbesserung der Lebensqualität: KI kann dazu beitragen, die Lebensqualität zu verbessern, z.B. durch Assistenzsysteme für ältere oder behinderte Menschen.
Risiken:
- Arbeitsplatzverlust: Die Automatisierung durch KI könnte viele Arbeitsplätze überflüssig machen, insbesondere in Bereichen mit repetitiven Aufgaben.
- Datenschutz: Die Nutzung von KI erfordert oft große Mengen an Daten, was Datenschutz- und Sicherheitsbedenken aufwirft.
- Bias und Diskriminierung: KI-Systeme können Vorurteile und Diskriminierung verstärken, wenn sie mit voreingenommenen Daten trainiert werden.
- Kontrollverlust: Es besteht die Gefahr, dass KI-Systeme außer Kontrolle geraten oder für schädliche Zwecke missbraucht werden.
- Ethische Fragen: Die Entwicklung und Nutzung von KI wirft komplexe ethische Fragen auf, z.B. im Zusammenhang mit autonomen Waffensystemen oder der Überwachung.
Fazit:
Die Chancen von KI sind enorm, aber es ist wichtig, die Risiken sorgfältig zu managen. Eine verantwortungsvolle Entwicklung und Regulierung von KI ist entscheidend, um ihre Vorteile zu maximieren und potenzielle Nachteile zu minimieren.“
Die KI-App hat also durchaus erkannt, dass nicht alles gut ist, was mit ihrer Hilfe gemacht werden kann.

