Der Nassauische Verein für Naturkunde auf einer Zeitreise der besonderen Art

Von Sabine Neugebauer, 30. September 2021

Wiesbaden. Zu einer Zeitreise der besonderen Art nahm Dr. Heinz-Dieter Nesbor am Samstagnachmittag rund 15 Zuhörer mit. Denn vor 480 Millionen Jahren wurde die Grundlage dafür gelegt, wie heute der Vordertaunus geologisch aufgebaut ist.

Auf Einladung des Nassauischen Vereins für Naturkunde (NVN) waren die Wanderer unter Leitung von Dr. Helmut Arnold, Vorsitzender des NVN, von der Haltestelle Nerotal aus in Richtung Rabengrund aufgebrochen, um Wissenswertes und Spannendes über die Geologie der Umgebung zu erfahren. Der erste Halt galt aber dem königlich-preußischen Landesgeologen in Wiesbaden, Dr. Carl Koch (1827-1882). Hier an seinem Lieblingsplatz ein paar Schritte vom Wanderweg entfernt ist ein Gedenkstein aufgestellt, der vom NVN gepflegt wird. Arnold wies auf die großen Verdienste Kochs in Bezug auf die Wasserversorgung Wiesbadens hin. Denn Koch hatte die Anlage der vier Stollen angeregt, die auch jetzt noch ein Drittel des Trinkwassers für Wiesbaden liefern.

Einer davon, der Münzbergstollen, war dann auch der letzte Haltepunkt der Exkursion. Aber dazwischen tauchten die Teilnehmer tief in die Geologie ein. „Hier stießen zwei tektonische Gesteinskörper zusammen, wurden übereinander und aneinander vorbeigeschoben“, erläuterte Nesbor. Das mache die sogenannte Vordertaunuseinheit so kompliziert. Damals sei ein hochexplosives Vulkangebiet, eine Inselkette ähnlich der von Japan, vom Urkontinent Gondwana auf den Urkontinent Laurussia aufgeschoben worden. Und so finden sich hier im Bereich des Nerotals und des Rabengrunds Gesteine vulkanischen Ursprungs. Allerdings sind diese Gesteine durch Wärme und Druck wieder so verändert, dass man sie als Laie kaum als Vulkangesteine erkennen kann.

Um das Alter der Gesteine zu ermitteln wird das Alter der darin enthaltene Zirkone, einer sehr beständigen Edelsteinart, ermittelt. Diese enthalten Uran. Und anhand der Zerfallsrate des Urans zu Blei kann das Alter festgestellt werden. Nesbor erläuterte auch kurz, wie die Geologen die Lage der Urkontinente zueinander, aber auch auf dem Globus feststellen können. Dazu werde die Ausrichtung von Magnetnadeln im Gestein gemessen, die bei Entstehung der Gesteine festgelegt wurde.

Hier im Steinbruch im oberen Nerotal zeigte Nesbor das geschieferte Gestein, so genannten Rhyolith. Eine Station weiter, an der Leichtweißhöhle, warb Arnold für eine „Entmythologisierung“ der Person des Heinrich Anton Leichtweiß (1723-1793). Er sei zwar des Diebstahls und der Wilddieberei angeklagt gewesen, aber nachgewiesen worden sei dies nie. Nach seinem Zuchthausaufenthalt habe er sich unter einen Überhang im Nerotal zurückgezogen. Eine Höhle habe es damals noch gar nicht gegeben. Diese sei erst 1856, 1893 und 1983 entstanden und zum heutigen Zustand hergerichtet worden.

Und an Heemskerks Ruh, einer malerischen Felsengruppe erinnerte Arnold an den ehemaligen Vorsitzenden des Verschönerungsvereins Wiesbadens, Wilhelm von Heemskerk (1804-1883) und die Wiesbadener Wohltäterin Emma von Heemskerk.