Vom pantomimischen Kofferpacken bis zum gehässigen Zaubertrankbrauen

Super Stimmung bei den „Füchsen“

Von Sabine Neugebauer, 13. Oktober 2021

Weilrod. „Kleine Einwürfe – großes Theater“, so charakterisierte der Vorsitzende des Kultur- und Förderkreises Burg Altweilnau (KFK), Ulrich Graf, das Geschehen. Denn am Samstag gastierte das Impro-Ensemble „Der Fuchs“ aus Frankfurt im Gewölbekeller auf Schloss Neuweilnau. Wie Graf sagte, sei dies coronabedingt der dritte Anlauf für diesen Auftritt gewesen. Und entsprechend der Hygiene-Auflagen war der Gewölbekeller auch nur mit rund 30 Personen besetzt.

Aber das tat der Stimmung keinen Abbruch. Schnell hatte das Ensemble das Publikum in seinen Bann gezogen. Kurz erklärten Stefanie Petereit, Diplom-Psychologin, freie Improtheater-Schauspielerin und Trainerin aus Frankfurt, Adriano Werner, freischaffender Künstler Improvisation, Musik und Literatur, sowie Norbert Deeg, der schon bei internationalen Shows in ganz Europa, den USA, Kanada und Australien auftrat, die Idee des Improvisationstheaters. „Wir sind heiß auf den Abend, wir lassen uns inspirieren von euren Sätzen. Es entsteht alles aus dem Moment,“ so Werner. Und um das Publikum schon vorab einzubeziehen, durfte jeder ein Zitat auf einen Zettel schreiben und in den Topf werfen.

Unterstützt wurden die Schauspieler an diesem Abend von Marek Herz, der Jazzgitarre an der Musikhochschule Mainz studierte, komponiert und Musik für Film & TV produziert. Immer hatte er die passende Untermalung der Szenen parat, ob pantomimisches Kofferpacken, packendes Motorradrennen, geruhsame Angelszene, spontane Hochzeit oder gehässiges Zaubertrankbrauen. Denn so vielfältig gestalteten die drei Akteure ihre Szenen.

In der ersten Szene ging es um ein Hobby für drei Menschen. „Skat“, kam der Vorschlag aus dem Publikum. Im nächsten „Akt“ wurde der geplante Urlaub auf Ibiza einer Zuschauerin ausgesponnen und entwickelte sich zu einer Soap, in der die drei jeder mindestens zwei Charaktere darstellten. Wobei es auch mal zur Verwirrung kam, wer denn jetzt eigentlich auf der Bühne steht. Der Vater mit seiner neuen Frau und seiner Tochter machten Urlaub auf der Insel. Ein spanisch parlierendes Zimmermädchen, ein Gigolo und der Verflossene der Tochter sorgten für Spannung. Schließlich kam es doch noch zu einem Happy End.

„Somos Janine y Boris de Ibiza“ hieß es zum Schluss. Aber dazwischen intonierte Werner das Lied „Karriere in Deutschland“, von der er als Spanier träumte. Als nächstes bekam Deeg die Aufgabe zu erraten, wo er mit wem in Urlaub war, und was die Beiden dort getan hätten. So reiste er in Gedanken durch die Welt, um schließlich in Island anzukommen, wo er mit Robbie Williams auf einem Vulkan Socken gestrickt hatte. Aber Werner musste ihm dafür ganz schön viele „Brotkrumen“ streuen.

Nach der Pause wurde dem Publikum die Ehre der Jury zuteil. Aus drei „Filmen“ die drei Regisseure vorstellen, hieß es per Applaus den besten auszuwählen. Ein Märchen um die junge Prinzessin mit sozialen Ideen und die weise Hexe Gudula, ein „Film noir“ mit der rauchenden Claudette als Hauptakteurin, die ein Motorradrennen bestreiten will, und ein Heimatfilm um ein Pärchen, das eine Schatzkarte angelt, wurden auf Anregung des Publikums angeboten. Nach der ersten Szene wählte das Publikum per Applaus zwei „Filme“ aus, die in die zweite Runde gingen. Und durch den Tod der schwarzen Witwe als Kontrahentin von Claudette bereits in der zweiten Szene, blieb am Ende als Sieger der „Märchenfilm“ übrig.