Zum Tag der Wildkatze am 8. August

Ausflug, Verbreitung, Arterfassung - eine Lesung folgt

Impressionen vom Wildkatzenpfad. Fotos: Petra Pfeifer

Wildes Hessen – Ausflugstipp für Daheimgebliebene

Frankfurt (ut). Raus aus den vier Wänden, rein in die Natur: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Landesverband Hessen lädt Daheimgebliebene ein, in den Sommerferien einem echten Schatz in hessischen Wäldern auf die Spur zu kommen: der Europäischen Wildkatze. „Wildkatzen sind echte Ureinwohner in Deutschland, aber zu sehen bekommt man die scheuen Tiere in der Natur nur mit viel Glück“, so Susanne Steib, Wildkatzen-Projektmanagerin. „Auf unserem Wildkatzen-Walderlebnispfad im Taunus kann man ihnen trotzdem nahe kommen: auf einer etwa sieben Kilometer langen Wegstrecke gibt es an zehn Stationen zur wilden Samtpfote viel zu erfahren und zu erleben.“

Die Themen rund um Wildkatze und Waldverbund sind dabei anschaulich und kindgerecht dargestellt. Aber auch Erwachsene können hier eine Menge lernen. Interaktive Stationen wie der Barfußpfad garantieren Abwechslung und der herrliche Ausblick vom Wintersteinturm entschädigt für den vorangegangenen Aufstieg über abwechslungsreiche Waldpfade.

Susanne Steib betont: „Dass nicht nur Rehe und Wildschweine, sondern auch Wildkatzen und Luchse in unseren Wäldern zu Hause sind, ist für viele immer noch überraschend. Doch nur was wir kennen, können wir schützen. Deshalb fängt Naturschutz mit Entdecken an.“ Der BUND setzt sich mit seinem „Rettungsnetz Wildkatze“ seit bereits 15 Jahren für den Schutz der Wildkatze sowie die Umweltbildung für Groß und Klein ein.

Vor Anreise sollten sich Besucher beim Naturpark Taunus darüber informieren, ob der Weg wie gewohnt begehbar ist.

Weitere Informationen:

*             Anfahrtsskizze & mehr Infos zum Wildkatzen-Walderlebnispfad

*             Wildkatzen-Themenseite beim BUND Hessen

Wildkatzen in Hessen breiten sich aus – Keine Nachweise südlich des Mains

Grafik über die Verbreitung der Europäischen Wildkatze. Quelle: "Die Projektoren / BUND"

Frankfurt (ut). Die Hauskatze ist das beliebteste Haustier in Deutschland. Rund 15,7 Millionen der Samtpfoten leben in deutschen Haushalten. Im Corona-Jahr 2020 nahm diese Zahl noch einmal deutlich zu. Von der wilden Verwandten der Hauskatze, der Europäischen Wildkatze (Felis silvestris silvestris), gibt es zwar weitaus weniger Exemplare, doch zeichnet sich in den letzten Jahren auch in Hessen ein positiver Bestandstrend ab. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) schätzt, dass es deutschlandweit nur rund 6.000 bis 8.000 Wildkatzen gibt. „Langsam kann die Wildkatze sich bei uns ausbreiten und einstige Verbreitungsgebiete wiederbesiedeln“, erklärt Susanne Steib, Managerin Naturschutzprojekte des BUND Hessen. „Dies betrifft zum Beispiel den Vogelsberg und das Lahn-Dill-Bergland, wo wir die Wiederbesiedlung dokumentieren konnten.“ Die Wildkatze lebt damit wieder in fast allen großen Waldgebieten Hessens wie dem Taunus, Rothaargebirge, Kellerwald, Spessart und in der Rhön. Nur ein Mittelgebirge ist bislang noch ein weißer Fleck auf der Verbreitungskarte: der hessische Odenwald. Hier gibt es, trotz guten Lebensraumangebots, noch immer keine sicheren Nachweise der heimischen Samtpfote. Somit gilt Hessen südlich des Mains weiterhin als „wildkatzenfrei“.

Zum Aufwärtstrend der Wildkatze trägt vor allem ihr strenger Schutz bei. Einst durch intensive Bejagung fast ausgerottet, ist sie heute per Gesetz „streng geschützt“ und im Anhang IV der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie gelistet. Der BUND engagiert sich seit mehr als 15 Jahren in seinem „Rettungsnetz Wildkatze“ für den Schutz der Art und unterstützt sie bei der Wiederbesiedlung neuer Lebensräume, indem Wälder durch grüne Korridore aus Büschen und Bäumen wieder miteinander vernetzt werden. Grundlage für die Schaffung der Korridore ist der sogenannte „Wildkatzenwegeplan“. In Hessen arbeitet der BUND an einem grünen Korridor zwischen dem Rothaargebirge und dem Kellerwald und trägt mit der Erfassung der Wildkatzenbestände mithilfe von Lockstöcken dazu bei, die Verbreitungsgebiete und Ausbreitung der Art zu dokumentieren.

Der scheuen Jägerin macht besonders die Zerschneidung ihrer Lebensräume durch Straßen, Siedlungen und große Ackerflächen zu schaffen. Um ihr und vielen anderen Arten zu helfen, braucht Deutschland ein Netz verbundener Lebensräume sowie viel mehr Grünbrücken und andere Querungsmöglichkeiten über Straßen.

Über 180 Haarproben bei Wildkatzenerfassung im Taunus gesammelt

Eine Katze am Lockstock. Foto: Helmut Weller

Frankfurt/Wiesbaden (ut). Im Rahmen der großen Wildkatzenerfassung im Taunus wurden mehr als 180 Haarproben in den Wäldern zwischen Bad Camberg und Weilrod gesammelt. Das Lockstock-Monitoring des hessischen Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND Hessen) in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) lief seit Anfang Februar und ist nun beendet. Mit 50 Lockstöcken wurde der Wildkatzenbestand systematisch erfasst, um so Rückschlüsse auf die Populationsdichte und genetische Merkmale der heimischen Samtpfote ziehen zu können. Die Aktion wurde von den Forstämtern Weilrod, Weilmünster, Wiesbaden-Chauseehaus und Königstein tatkräftig unterstützt.

Auf einer Fläche von 100 Quadratkilometern wurden die Lockstöcke durch Försterinnen und Förster, Jägerinnen und Jäger sowie Freiwillige des BUND sorgfältig nach Haaren der Wildkatze abgesucht. „Bei insgesamt 500 Kontrollen konnten 180 Haarproben gesichert werden“, verrät Susanne Steib, Projektmanagerin beim BUND Hessen. „Das ist eine sehr gute Ausbeute. Ob es sich dabei ausschließlich um Wildkatzenhaare handelt, wird die genetische Untersuchung zeigen, die der Fachbereich Wildtiergenetik der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung durchführt. Denn erfahrungsgemäß reiben sich nicht nur Wildkatzen an den Stöcken, sondern auch Reh, Wildschwein und andere Wildtiere.“ Neben der Arterfassung werden genetische Profile der verschiedenen Wildkatzen erstellt, um die Populationsdichte im Gebiet schätzen sowie deren Populationszugehörigkeit und Wanderbewegungen erfassen zu können.

Thomas Götz, stellvertretender Forstamtsleiter des Forstamts Weilrod: „Wir rechnen im Herbst mit den ersten Ergebnissen und sind schon sehr gespannt, wie es um die Wildkatzenpopulation im Taunus bestellt ist. Nicht nur von Seiten des Forstamts, das übrigens die Wildkatze als Paten-Tier hat, habe ich die Aktion gerne unterstützt. Ich war selbst Lockstockbetreuer und habe jede Woche gespannt meine Lockstöcke abgesucht. Ein bisschen fühlt man sich dabei wie Sherlock Holmes.“

„Die Wildkatzenerfassung im Taunus ist Teil eines bundesweiten Monitorings, das vom Bundesamt für Naturschutz initiiert wurde. In dem Untersuchungsgebiet kann beobachtet werden, wie sich der Wildkatzenbestand über die Jahre entwickelt. Die Ergebnisse fließen in die Bewertung des Erhaltungszustands der Wildkatze in Deutschland ein“, erklärt Yvonne Henky, Wildkatzen-Expertin des HLNUG. Dieser wird in regelmäßigen Abständen an die EU gemeldet. Die Wildkatze ist laut Bundesnaturschutzgesetz „streng geschützt“ und im Anhang IV der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union gelistet.

In Hessen leben schätzungsweise wieder rund 1.000 Wildkatzen. Einst durch massive Bejagung fast ausgerottet, steht die Art heute unter strengem Schutz und kann sich langsam wieder ausbreiten. Zahlreiche überfahrene Tiere belegen jedes Jahr, dass heutzutage die größte Gefahr für die heimische Samtpfote vom Straßenverkehr ausgeht. Daher spiele die Vernetzung der Wälder und die Möglichkeiten einer gefahrlosen Überquerung von Straßen für das Überleben der Wildkatze eine entscheidende Rolle, erklärt Susanne Steib: „Sind Wälder durch grüne Korridore miteinander vernetzt, können Wildkatzen gefahrenfrei wandern und damit ist ein genetischer Austausch zwischen den verschiedenen Populationen möglich.“ Derzeit hindern die Wildkatze vor allem Autobahnen, Straßen und ausgeräumte Ackerlandschaften an der Wiederausbreitung.

Krimilesung mit Autorin Petra Zeichner

Europäische Wildkatze mit typischem buschigem Schwanz. Foto: Thomas Stephan

Rosbach (ut). Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Ortsverband Rosbach lädt nicht nur Katzenfreund*innen zu einer spannenden Krimilesung mit der Rockenberger Autorin und BUND-Mitglied Petra Zeichner ein.

„Unter Waldpfoten“ ist Petra Zeichners zweiter Katzenkrimi, den sie nach „Katerdämmerung“ veröffentlicht hat: Alles fängt mit einer seltsam aussehenden toten Katze und einem toten Mann an, die der Hauskater Robin im Butzbacher Stadtwald findet. Die Katzen-Soko um Robin muss nicht nur den mysteriösen Tod der Artgenossin aufklären, sie bekommen außerdem heraus, wer den toten Zweibeiner auf dem Gewissen hat …

Das Buch ist in Zusammenarbeit mit dem BUND Landesverband Hessen entstanden. Denn in dem Krimi spielt auch der Wald am Winterstein bei Ober-Mörlen eine Rolle, genauer gesagt der „Wildkatzen-Walderlebnispfad“ des BUND. 

Zusätzlich zur Krimilesung stellt die Wildkatzen-Projektmanagerin des BUND Hessen, Susanne Steib, in einem kurzweiligen Bildervortrag das Rettungsnetz für die Wildkatze vor.

Der Eintritt zu der Lesung am 13. August 2021 um 20 Uhr an der Wasserburg in Rosbach kostet 10 Euro im Vorverkauf, Mail an: Krimilesung@bund-rosbach.de. Unter allen Besuchern werden 2 x 2 Krimis verlost.