Mediterranes, Antikes und Außergewöhnliches

Zauberhafte Refugien verführen zum Träumen und Verweilen

Von Petra Pfeifer, 23. Juni 2021

Weiltal. Seit zwölf Jahren veranstaltet eine private Initiative den „Tag der offen Gärten“, der sich nicht allein zu einer schönen Tradition entwickelt hat, sondern auch – um beim Bild zu bleiben – stets neue Blüten treibt: „Mal pausiert jemand, es kommen aber auch immer wieder neue Gärten hinzu“, berichtet Organisatorin Edith Gottwald, die dieses Mal 22 Teilnehmer verzeichnen konnte. Eine gute Gelegenheit also, direkt vor Ort mit erfahrenen Hobby-Gärtnern Ideen auszutauschen, sich Tipps geben oder einfach inspirieren zu lassen.

Naturgarten mit Arnika und wilden Orchideen

Unter ihnen zum Beispiel Familie Maurer in Schmitten. „Mein Großvater hat das Grundstück ursprünglich als Kartoffeläckerchen genutzt“, berichtet Brita Maurer. Ihre Eltern installierten später ein Holzhäuschen, hätten aber nie vorgehabt, dort zu wohnen. Erst sie habe mit ihrem Mann hier in der ehemaligen Wochenend-Siedlung gebaut – und den Garten bis auf ein Rosenbeet vor den Terrassen und ein Hochbeet möglichst naturnah gehalten. So ist lediglich ein Teil des insgesamt 6.000 Quadratmeter großen Grundstücks gemäht, der übrige darf als Naturwiese wachsen und gedeihen, wie er möchte: „Dort wachsen mittlerweile Arnika und wilde Orchideen.“ Lediglich vier Wildkirschen haben sie dort gesetzt. Die Grundstücksgrenze selbst wird von großen Bäumen markiert.

Ein terrassierter Steilhang

Während Familie Maurer ausschließlich über eine plane Fläche an einem sanften Hang verfügt, liegt der Garten von Dr. Brigitte Hochgesand an einem Steilhang in Schmitten-Dorfweil: „Da ich ebene Flächen haben wollte, habe ich ihn terrassieren lassen.“ Auch sie hatte das Gelände ursprünglich als Wochenend-Grundstück erworben, mittlerweile steht hier ihr Haus und den Garten, in dem ursprünglich ganz viele Fichten standen, hat sie in den zurückliegenden 20 Jahren in eine Wohlfühloase mit einer Rasenfläche und mehreren Teichen verwandelt: „Dafür habe ich mir viel angelesen und botanische Gärten besucht.“ Denn ausschließlich für die Terrassierung sowie das Anlegen der Treppen und Teiche hat sie einen Gartenbauer engagiert. Seine Urwüchsigkeit bei aller Zierde verdankt das Grundstück ihrer Ansicht, Pflanzen am liebsten natürlich wachsen zu lassen.

Mediterranes Flair in Altweilnau

Regelrecht mediterranes Flair herrscht bei Ursula Bruchhäuser. Das verdankt der große Garten einerseits dem Schwimmbad, andererseits den Rosenbögen, den unzähligen Stauden sowie der großen Pflanzenvielfalt und dem Wasserlauf in einem steinernen Bett. „Vor 48 Jahren haben wir hier das Haus gebaut, doch erst als ich in Rente ging, haben wir mit der Anlage des Gartens begonnen“, berichtet Ursula Bruchhäuser. Da ringsherum noch nicht so viel bebaut war, sei es noch möglich gewesen, mit dem Bagger die gröbsten Vorarbeiten zu verrichten: „Ansonsten haben wir alles ohne Gartenarchitekt nach meinen Vorstellungen umgesetzt.“ Habe sie früher gar kein Interesse an Rosen gehabt, sei sie mittlerweile längst anderer Ansicht: „Auf den Duft kann man nicht verzichten.“ Hierbei habe sie sich überwiegend für englische Sorten entschieden. Aber auch der Fingerhut darf bleiben: „Wenn er sich aussät, dann soll er auch wachsen – er ist gut für Insekten.“ Das gelte auch für die Malven. Ursula Bruchhäuser gehört übrigens zu jenen, die von der ersten Stunde an bei dem Tag der offenen Gärten mitgemacht hat: „Damals war er noch beschränkt auf Oberreifenberg und Altweilnau.“ Heute gibt es auch Teilnehmer in Weilrod, Glashütten, Idstein, Bad Camberg und einigen anderen Kommunen.

Feng Shui und Kunsthandwerk

Marlies Schüttig lädt in Waldems-Steinfischbach zur Besichtigung ihres Gartens ein, den sie mit ihrer Tochter gemeinsam bewirtschaftet. Stolz erläutert sie ihren reichhaltigen Kräutergarten in dem viele bekannte, aber auch weniger bekannte Pflanzen zu finden sind, wie zum Beispiel Kaugummi- und Colakraut und über das Orangen-Basilikum sagt sie: „Das schmeckt sehr gut in einem Cocktail.“ Und was die Gestaltung des Gartens betrifft, verrät sie, dass die Tochter Feng Shui studiert habe und sie ihn nach diesen Regeln orientiert. Darüber hinaus gibt es Kunsthandwerk zu entdecken, da Marlies Schüttig Keramikobjekte herstellt und ihre Tochter sich der Malkunst widmet.

Garten mit „zahmem“ und „wildem“ Gesicht

Der schon ein wenig parkähnliche Garten von Edith und Volker Gottwald ist ebenfalls ein Naturgarten und verfügt über zweierlei Gesichter: eine „zahme“ und eine „wilde“. Während es sich bei der einen um den gestalteten, gepflanzten und die komponierten Teile handelt, darf sich in der anderen alles heimisch fühlen, was sich aussät und durch den Garten vagabundiert. Was bei aller Pracht kaum vorstellbar ist, verrät Volker Gottwald: „Anfangs war hier alles Wiese, eine ehemalige Kuhweide.“ Innerhalb von vier Jahrzehnten hat sich das Ehepaar dieses Refugium geschaffen, in dem sich vereinzelt Steinfiguren und selbst gestaltete, antiken Vorbildern entlehnte Mosaike, verschiedene Ruheplätze und sogar die Nachbildung eines antiken Räucheraltars ausmachen lassen. Auch lässt sich ein schöner, großer Teich entdecken. „Das ist an Ort und Stelle schon der dritte“, schmunzeln die Gottwalds.

Immer wieder ein neuer Hingucker

Außergewöhnlich und liebevoll gestaltet präsentiert sich der Garten von Adriana und Daniel von Puttkamer in Schmitten-Seelenberg. Hier hat vor allem die gebürtige Mexikanerin, unterstütz von ihrem Mann, viel Kreativität umgesetzt. Gerne erläutert sie, wie die Pflastersteine entstanden, die über das Gelände leiten: „Wir haben die runden Löcher geschaffen und dann Beton hineingegossen. Zum Schluss wurden die bunten Steine hinein gelegt.“ Über die vielen schönen, großen Buchsbaumkugeln verraten die beiden: „Das waren ursprünglich ganz kleine Pflänzchen aus dem Supermarkt.“ Ein weiterer Hingucker ist das geodätische Gewächshaus. „Sie wollte ein rundes haben“, sagt Daniel von Puttkamer schlicht. Das sei dann per Hand gefertigt worden. „Die Hitze in einem solchen Gewächshaus wird anders verteilt“, erläutert wiederum Adriana von Puttkamer ihren Wunsch.

Insgesamt 190 Anmeldungen hat Edith Gottwald für den „Tag der offenen Gärten im oberen Weiltal und Umgebung“ angenommen, 40 der Gäste wären zu ihnen zu Besuch gekommen: „Das ist auch vollkommen ausreichend, wenn genügend Zeit für Gespräche bleiben soll.“ Daher freut sie sich, dass wieder genügend Gärten geöffnet worden seien und sich so die Menschen gut auf unterschiedliche Gastgeber verteilen konnten: „Denn das Ziel der Besucher sollte sein, nicht so viele Gärten wie möglich aufzusuchen, sondern sich eine gut zu bewältigende Tour selbst zusammenzustellen.“