Die „Soko-Gartenschläfer“ bittet um sachdienliche Hinweise aus der Bevölkerung

Wo gibt es (noch) Schlafmäuse?

Achtung! Verwechslungsgefahr!!!

Frankfurt am Main (ut/pit). Wenn die Gartenschläfer aus dem Winterschlaf erwachen, stehen die Naturschützer*innen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Forscher*innen der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung schon bereit: Sie starten wieder ihre Suche nach den Ursachen, warum die kleinen Schlafmäuse vielerorts in Deutschland verschwinden. Das Projekt „Spurensuche Gartenschläfer“ wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums gefördert.

Da ein großer Teil des weltweiten Bestandes der Gartenschläfer mittlerweile in Deutschland vorkommt, hat Deutschland eine besondere Verantwortung für den Schutz der Schlafmaus. Ziel laut Nationaler Strategie zur Biologischen Vielfalt ist es, dass Arten, für die Deutschland eine besondere Erhaltungsverantwortung trägt, bis 2020 überlebensfähige Populationen erreichen.

Trotz dieser besonderen Verantwortung für die Erhaltung der Art existieren in den Bundesländern jedoch bis auf wenige Ausnahmen kaum aktuelle Daten zur Verbreitung des Gartenschläfers und zu seiner Dichte. Aus vielen Regionen werden jedoch Bestandsrückgänge gemeldet. In der Roten Liste wird der Gartenschläfer als „stark gefährdet“ geführt.

Noch gibt es Hotspots

Ein erstes Geheimnis rund um den bislang kaum erforschten Gartenschläfer konnte das Projektteam bereits lüften: Noch gibt es deutliche Hotspots in der Verbreitung der Art: In Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen gelangen in den letzten zwei Jahren zahlreiche Nachweise. „Es ist toll, dass es bei uns in Hessen besonders im Rhein-Main-Gebiet noch vergleichsweise viele Gartenschläfer gibt“, freut sich Susanne Steib, Projektkoordinatorin beim BUND Hessen und fügt an: „Die Forschung in Hessen leistet einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Lebensweise des Gartenschläfers und folglich auch zur Erarbeitung von Schutzmaßnahmen.“ Anders als in Hessen konnten in den Mittelgebirgen jedoch nur wenige Hinweise zusammengetragen werden. Im Harz, im Fichtelgebirge und im Bayerischen Wald etwa waren die Gartenschläfer bis vor wenigen Jahren weit verbreitet. Die Befürchtung liegt nah, dass hier aktuell ein regionales Aussterben beobachtet werden kann. Auch innerhalb der Gartenschläfer-Hochburgen im Westen Deutschlands, wo die Tiere überwiegend menschennah in Gärten und Parks heimisch sind, gibt es Grund zur Sorge. Steib: „Es scheint große Unterschiede zwischen den Städten zu geben. Anders als wir gehofft hatten, stehen siedlungsnahe Lebensräume offenbar nicht grundsätzlich für stabile Gartenschläfer-Bestände.“ Dies wird auch im Vergleich der Landeshauptstadt und Frankfurt deutlich: Während der Gartenschläfer den Einwohnern Wiesbadens wohl bekannt ist, kommt er in Frankfurt nur sehr punktuell vor. „Die Gründe dafür kennen wir bislang nicht“, so Susanne Steib.

Vernetzung von Lebensräumen ist eine Chance

Aus diesem Grund rücken die Naturschützer*innen und Forscher*innen in diesem Jahr die Lücken und weißen Flecken auf der Gartenschläfer-Verbreitungskarte in den Fokus. Auch in Hessen sind wieder viele ehrenamtlich Aktive mit dabei, die das Projekt als Citizen Scientists unterstützen oder ihre Hinweise auf www.gartenschlaefer.de eintragen. Seit dem Projektstart konnten mit ihrer Hilfe schon mehr als 4.000 Hinweise aus dem Bundesgebiet zusammengetragen werden. „Jetzt wollen wir gemeinsam herausfinden, ob wir einer ‚Verinselung‘ der Lebensräume auf der Spur sind. Wenn diese voneinander isoliert sind, können lokale Veränderungen ganze Bestände gefährden“, so Steib. „Vielleicht bietet die Vernetzung von Lebensräumen eine Chance, den Gartenschläfer vor dem Aussterben zu bewahren.“ Im Projekt „Spurensuche Gartenschläfer“ soll noch in diesem Jahr ein Konzept praktischer Schutzmaßnahmen entwickelt und mit dessen Umsetzung begonnen werden.

Wo tummelt sich die Schlafmaus im Taunus?

Übrigens gibt es bisher nur eine Kommune im Taunus, in der der Gartenschläfer gesichtet wurde: Im Bad Camberger Stadtteil Würges. Kann das wirklich sein? Die Redaktion von „Unser Taunus“ möchte das nicht glauben. Daher bitten wir unsere Leser, aufmerksam zu sein und die Soko-Gartenschläfer bei ihren Ermittlungen tatkräftig zu unterstützen.

Weitere Informationen zum Projekt gibt es unter: www.gartenschlaefer.de und https://biologischevielfalt.bfn.de/bundesprogramm/projekte/projektbeschreibungen/29021.html. Und wer einen Gartenschläfer hört oder sieht, ist gebeten einen Hinweis, gerne mit Foto oder Audioaufnahme des Handys, auf www.gartenschlaefer.de zu geben.

Gewinnspiel:

Auf unseren Seiten haben wir ein paar der insgesamt acht ebenso informativen wie heiteren Filmchen der „Soko-Gartenschläfer“ versteckt. Wer uns die richtige Anzahl an redaktion@unser-taunus.de sendet, hat die Chance, ein Exemplar des Buches „Auf Schnupperkurs – Mit dem Hund im Hochtaunus“ zu erhalten. Die Autorin Petra Pfeifer hat zehn Ausgaben zur Verfügung gestellt, die unter den Einsendern verlost und auf Wunsch signiert werden.  Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Film: BUND