„1 Mann – 3 Wochen – 23 Hospize – 801 Kilometer“

Prominent begleiteter Spendenlauf für hessische Hospize

Von Petra Pfeifer, 2. Juli 2021

Oberursel. Monatelang stand pandemiebedingt Vieles still. Eigentlich fast alles, das im öffentlichen Leben Kontinuität hatte und für eine gewisse Ausgeglichenheit in allen möglichen Bereichen sorgte. Selbstverständlich auch Feste und Aktionen, die sonst gute Gelegenheiten waren, Spenden zu generieren und somit Gemeinnütziges zu unterstützen. Dies betraf unter anderem auch die Hospize.

Gunter Lutzi ist losgewandert

Nun hat sich einer im wahrsten Sinne des Wortes auf den Weg gemacht, um wieder an diese Einrichtungen zu erinnern, an die dort geleistete Arbeit, an die Menschen, die dort arbeiten und zu Gast sind, an die dort benötigten Dinge, die nur durch Spendeneinnahmen zu bewerkstelligen sind. Gunter Lutzi, selbst ehrenamtlicher Hospizhelfer in der Caritas-Einrichtung der Bergstraße in Bensheim, hat die Wanderschuhe angezogen und die Wanderstöcke gepackt und pilgert aktuell von einem hessischen Hospiz zum nächsten. Je nach Länge der Strecke mal per Pedes, manchmal auch mit dem E-Bike oder ausnahmsweise mit ausgefallenem Transfer wie zum Beispiel mit Oldtimern oder einem Wünschewagen  – schließlich hat er „nur“ drei Wochen Zeit dafür.

Werner Reinke ist Etappen-Gast

Seine erste Etappe führte von Bensheim nach Darmstadt, es folgten die Stationen Flörsheim, Wiesbaden und Taunusstein. Von dort ging es per Fahrrad nach Oberursel – und sowohl in Taunusstein als auch in der Brunnenstadt steht plötzlich Werner Reinke auf der Matte. „Ich erhielt einen Anruf und wurde über die Aktion und die Mindereinnahmen in den Hospizen informiert“, berichtet der Moderator. Und da ihm selbst dieses Thema sehr am Herzen liege, er großen Respekt vor der dort geleisteten Arbeit habe, erklärte er sich gerne bereit, hierbei mitzuwirken. Zu guter Letzt zog er sich jedoch eine Sehnenzerrung zu, so dass er nicht in die Pedale treten konnte, sondern per Auto die beiden Etappenziele ansteuerte.

Radio-Moderator endlich mal live gehört

Noch sind die beiden Radler – Gunter Lutzi wird von Denis Frickel begleitet, der die gesamte Tour durch Hessen ausgetüftelt hat – unterwegs. Eine gute Gelegenheit für Schwester Heike, dem bekannten Radio-Sprecher den Wunsch eines Gastes zu unterbreiten: „Er ist vor 30 Jahren von Korea nach Deutschland gekommen, hat immer Ihre Hitparade gehört und würde Sie gerne persönlich kennenlernen.“ Für Werner Reinke eine Selbstverständlichkeit und so bekommt er kurz darauf die Bestätigung, dass sich seine Stimme „live“ genauso anhört wie über den „Äther“.

Aktion entwickelt Eigenleben

Wenige Minuten später erreicht der Spenden-„Strampler“ freudig das Hospiz St. Barbara in der Kronberger Straße 7. Mit von der Partie ist nicht allein Denis Frickel, sondern auch Horst Dörr mit seinem historischen Hanomag-Schlepper, auf dem er das Gepäck der Radfahrer transportiert – selbstverständlich ehrenamtlich. Auf sie und alle Gäste, darunter Ludger Engelhardt-Zühlsdorff, Geschäftsführer des Caritas-Verbandes Hochtaunus, und Astrid Piesker, Abteilungsleiterin Alten- und Gesundheitshilfe der Caritas, wartet ein prächtiger Maulwurfkuchen. Der passende Moment sich in regen Gesprächen an der Kaffeetafel miteinander auszutauschen, Erlebtes Revue passieren zu lassen und Dankesworte auszusprechen. „Das ist eine ganz spannende Sache“, freut sich Engelhardt und Gunter Lutzi sagt: „Es ist fantastisch, welches Eigenleben die ganze Aktion entwickelt.“

Unterstützung durch viele Künstler und Medien

Neben vielen anderen Akteuren ist Werner Reinke nicht der einzige Prominente, der sich für den Spendenlauf einsetzt. „Das Duo Badesalz (Anm. der Redaktion: s. u.) und Schauspieler Walter Renneisen haben Videos zur Unterstützung der Aktion gedreht, Eintracht-Spieler Sebastian Rode, Extremwanderer Thorsten Hoyer und Travestie-Künstlerin Aurora DeMeehl sind ein Stück des Weges mitgelaufen. Der Hessische Rundfunk hat im Radio und Fernsehen darüber berichtet, RTL Hessen, FFH und ARD-live haben Interesse an dem Lauf und am kommenden Sonntag bin ich bei Bärbel Schäfer Live im hr3 zu Gast“, zählt Gunter Lutzi sichtlich bewegt auf und ist gespannt, wen er auf der „Wanderung meines Lebens“ noch alles kennenlernt. Werner Reinke persönlich zu begegnen ist für ihn von fröhlicher Nostalgie verbunden: Wie viele andere Menschen auch, hat er früher die Songs aus der Hitparade auf Kassette aufgenommen. Alles Momente, Erinnerungen und Begegnungen, die ebenfalls auf Videos festgehalten und im Internet tagesaktuell veröffentlicht werden.

Wie alles begann…

Angezettelt hatte die Aktion Anika Frickel, beim Hospiz Bergstraße in Bensheim zuständig für Sozialdienst und darüber hinaus Koordinatorin Ehrenamt. Es sei im Februar dieses Jahres gewesen, als sich alle wieder vermehrt Gedanken darüber machten, wie die benötigten Spendengelder hineinkommen. „Grundsätzlich werden Hospize von den Krankenkassen finanziert, doch sie sind darüber hinaus verpflichtet fünf Prozent des Umsatzes durch Spenden einzubringen – je nach Projektwünschen, die von den Kassen nicht bezahlt werden, benötigen sie aber auch mehr“, erläutert Ludger Engelhardt-Zühlsdorff den variierenden Bedarf. Und Anika Frickel erzählt: „Das Buch ‚Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry‘ hat mich dazu inspiriert.“ Sie wusste, dass Gunter Lutzi gerne wandert. Daher habe sie ihn, nachdem sie das OK von der Leiterin der Einrichtung in Bensheim hatte, einfach darauf angesprochen. Schnell waren sie darüber einig, dass das Ziel, ganz Deutschland abzulaufen keine gute Idee sei: „Aber als logistisch gut hat sich ganz Hessen erwiesen.“ Ihr Mann Denis schließlich habe die Strecke zusammengestellt, Übernachtungsmöglichkeiten wiederum gebe es in den Hospizen. Und so kommt es, dass ein Mann in drei Wochen 23 Caritas-Hospize besucht, dabei 801 Kilometer Strecke bewältigt und darüber hinaus Menschen bewegt.

Eine Möglichkeit zum Spenden

Wer spenden möchte, kann dies jeweils beim Hospiz in seiner Region machen. Die Bankverbindung für das Hospiz St. Barbara in Oberursel lautet: Caritasverband f. d. Bezirk Hochtaunus e. V., Taunussparkasse, IBAN:  DE36 5125 0000 0001 1305 10, SWIFT-BIC: HELADEF1TSK.