Eine Wandersfrau auf dem Fernweg zum Bodensee – Teil 4

Jennifer Leuchtmann hat ihr Ziel erreicht

Von Petra Pfeifer, 2. Oktober 2021

Schmitten. Jennifer Leuchtmann ist gelernte Erzieherin und selbständige Natur- und Umweltpädagogin, außerdem Waldbadepädagogin und Kinderyogalehrerin. Darüber hinaus ist sie aber auch begeisterte Wanderin und hat schon so manche Projekte in dieser Hinsicht verwirklicht oder ins Auge gefasst. Wie bereits berichtet, hat sie am 13. September auf dem E1 den Weg nach Konstanz eingeschlagen – und während diese Zeilen entstehen befindet sie sich im Zug nach Hause.

Am Donnerstagabend konnten wir auf WhatsApp Jennifer Leuchtmanns Status-Meldung entdecken. Ein Bild, kein Text. Aber dieses Bild sprach Bände, zeigte sie lachend die Arme hochreißen vor der Imperia von Konstanz.

Am nächsten Morgen ihr Anruf. „Ich muss immer noch realisieren, dass ich den Weg geschafft habe und nicht mehr laufen muss“, lacht sie und fügt an: „Eigentlich bin ich gar kein Stadtmensch, doch jetzt genieße ich es durch Konstanz zu bummeln und habe beschlossen, ich bleibe noch einen Tag länger.“ Gemeinsam werfen wir dann erst einmal einen Blick zurück auf die letzten Etappen.

Am Montag habe sie Tengen erreicht und von dort ging es dann nach Singen. Drei Kirchen klappert sie ab – „ich habe die Erfahrung gemacht, dass man bei Kirchen meistens eher Aufnahme findet“ –, hatte jedoch keinen Erfolg. Schließlich sei sie von einer Frau angesprochen worden, ob sie am Pilgern sei. Nachdem sich die beiden eine Weile unterhalten hatten, und die neue Bekannte von ihrer Suche nach einem geeigneten Platz zum Zelten oder Übernachten sei erfuhr, habe sie über eine Freundin den Kontakt zum dortigen Jugendzentrum hergestellt. „Auch wenn ich bei der Ankunft dort erst ein kurzes Störgefühl hatte: alle waren sehr freundlich und ich konnte wieder in einem Bett schlafen und eine Dusche nehmen.“ Am meisten gestört habe der Lärm auf der Straße davor: „Davon wurde ich schon um 5.30 Uhr wach und bin dann auch bald aufgebrochen.“

Naturfreundehaus statt Kloster

An diesem Tag führte sie der Weg nach Markelfingen, einen Stadtteil von Radolfzell, zwischen Untersee und Mindelsee: „Eigentlich wollte ich ja noch das Kloster Hegne erreichen, um die Nonnen zu fragen, ob ich bei ihnen übernachten kann, doch dann hätte ich noch weitere sieben Kilometer laufen müssen und ich war müde.“ Außerdem wusste sie auch nicht, ob sie dort eine Unterkunft bekommen würde. Daher habe sie einfach mal an der Tür des Naturfreundehauses angeklopft und hatte Glück. Es stand ein Bett für die Wandersfrau zur Verfügung.

„Dann habe ich spontan das Stand-up Paddeling ausprobiert“, berichtet Jennifer Leuchtmann vergnügt. Zwar habe sie das Brett hierfür für eine Stunde ausgeliehen: „Doch ganz ehrlich: darauf gestanden habe ich höchstens 15 Minuten. Ansonsten habe ich darauf gelegen oder gesessen und die Gegend betrachtet und mich treiben lassen.“ Da es warm genug gewesen sei, war dann noch eine Runde schwimmen im See angesagt: „Das war total entspannend.“ Auch der Sonnenuntergang sei wunderschön gewesen: „Außerdem hatte ich das Glück, dass dabei jemand Gitarre spielte.“

Ohne Rucksack neues Laufgefühl

Von Markelfingen ging es dann nach Allensbach und von dort mit der Fähre zur Insel Reichenau: „Dort habe ich erst einmal das Zelt auf dem Campingplatz installiert und bin dann ohne Rucksack über die Insel gelaufen.“ Das sei endlich mal wieder ein neues Laufgefühl gewesen. Am Donnerstagmorgen ging es dann erst mal zum Aussichtspunkt Hochwart und schließlich nach Konstanz: „Gegen 13.30 Uhr war ich dort, habe die Altstadt besichtigt und das Foto an der Imperia gemacht bzw. gemacht bekommen.“ Und dann hat sie sich selbst eine kleine Belohnung gegönnt und ein etwas teureres Hotelzimmer für zwei Nächte in Fürstenberg, einem der 15 Stadtteile von Konstanz, genommen. Am Freitag ging es dann noch mal in die Innenstadt und später wieder an den See für eine Kajak-Tour und auch das erhoffte Beobachten eines herrlichen Sonnenuntergangs.

Viele fiebern mit

Und wie geht es ihr jetzt? „Die Körperteile fühlen sich immer noch schwer an und ich freue mich schon auf die gebuchten Yoga-Kurse und den Besuch der Therme in Bad Homburg“, meint sie zunächst. Aber sie ist auch ein wenig aufgewühlt, in positiver Hinsicht: „Es war toll zu erleben, wie viele Menschen bei meiner Reise mit gefiebert haben und ich danke ihnen allen sehr!“ Ein toller Rückhalt, der ihr auf den 450 Kilometern Fußmarsch sehr geholfen hat.

Dann gibt es noch viel, was nachhallen wird, besondere Menschen und Orte, die ihr lange in Erinnerung bleiben werden: „Es gibt fünf Menschen, mit denen ich Telefonnummern ausgetauscht habe.“ Ob der Kontakt mit allen länger andauern wird, ist selbstverständlich aufgrund der Entfernung ungewiss, „aber eine dieser Personen wohnt in Darmstadt, da könnte es klappen“. Die intensivste Begegnung sei die mit der Dame gewesen, die selbst viel auf Radtouren unterwegs ist, dabei immer wieder viel Hilfsbereitschaft erfahren habe und diese an Jennifer Leuchtmann weitergeben wollte (Teil 1).

Nebelschwaden im Schwarzwald und Sonnenuntergänge am Bodensee

Bei den Naturerlebnissen steht ihr immer wieder der Morgen vor Augen, als sie in der Hütte im Wald aufwachte, hinaustrat und die Landschaft in Nebelschwaden gehüllt war: „Und natürlich die beiden Sonnenuntergänge hier am Bodensee.“

Eine nächste Fernwanderung hat sie augenblicklich nicht im Visier, doch sie schließt sie auch nicht aus. Nur: „Drei Wochen sollen es nicht wieder sein, vielleicht eher 10 Tage.“ Bei aller Freude über das Erreichte ist Jennifer Leuchtmann ehrlich zu sich selbst: „Es war anstrengend – vor allem die Strecke durch den Schwarzwald. Das hat sich bei mir vor allem an den Füßen und den Fußgelenken bemerkbar gemacht.“ Denn auch ohne frische Einkäufe hatte sie stets 18 Kilogramm Gepäck auf dem Rücken gehabt. Daher: „Es ist schön, dass es vorbei ist und ich ohne Gepäck laufen kann.“

Kontakt

Wer Jennifer Leuchtmann einen Gruß senden möchte, erreicht sie unter info@naturwerk-taunus.de.


 

Anmerkung der Redaktion: Die Luftaufnahmen stammen nicht von Jennifer Leuchtmann. Sie wurden uns von Dietmar Beulke zur Verfügung gestellt. Er ist Angehöriger der Crew des Zeppelins, dessen Reederei in Friedrichshafen angesiedelt ist. An dieser Stelle ein ganz dickes Dankeschön an ihn!!!