Eine Wandersfrau auf dem Fernweg zum Bodensee – Teil 2

Halbzeit bei Jennifer Leuchtmann auf dem E1

Von Petra Pfeifer, 21. September 2021

Schmitten. Jennifer Leuchtmann ist gelernte Erzieherin und selbständige Natur- und Umweltpädagogin, außerdem Waldbadepädagogin und Kinderyogalehrerin. Darüber hinaus ist sie aber auch begeisterte Wanderin und hat schon so manche Projekte in dieser Hinsicht verwirklicht oder ins Auge gefasst. Wie bereits berichtet, hat sie vor zwei Wochen auf dem E1 den Weg nach Konstanz eingeschlagen. Heute meldete sie sich mit einem zweiten Zwischenbericht.

Es ist schön, wieder ihre frohgemute und positive Stimme zu hören. Es geht ihr vernehmlich gut. „Von Donnerstag bis Sonntag dachte ich jedoch immer häufiger daran, abzubrechen und wieder nach Hause zu fahren“, gibt Jennifer Leuchtmann zu. Menschen hätten ihr gefehlt, mit denen man sich mal etwas tiefgründiger austauschen kann. Halt das gute und normale soziale Umfeld, das sie sonst umgibt: „Aber die sind überwiegend selbst im Urlaub.“

Also stapfte sie unverdrossen weiter – und hatte Glück: „Am Sonntag traf ich zwei Mitwanderer, die eigentlich auf dem Westweg unterwegs sind.“ Dieser folgt im Schwarzwald zwischen Pforzheim und dem Feldberg dem E1. Sie seien nur wenig älter als sie selbst und ebenfalls nach der Suche auf einer Unterkunft gewesen. Gemeinsam hätten sie einen „Pott“, eine Hütte mit Tür gefunden, die einem überdimensionalen Weinfass nicht unähnlich gewesen und mit Holzplatten auf Füßen ausgestattet sei, auf die die Isomatte gelegt werden konnte. Eigentlich hätte der Platz für sechs bis sieben Personen ausgereicht. „Es hat gut getan, sich mal wieder unterhalten zu können“, sagt die Schmittenerin. Die vermisste Leichtigkeit sei wieder aufgekommen: „Und die habe ich seither mitgenommen.“ Ein wenig vergleicht sie diese Stimmungen mittlerweile mit dem Weg, der vor und hinter ihr liegt: „Es geht halt immer mal wieder auf und ab.“ Letztlich stellte sie dann fest: „Es ist ein tolles Gefühl, schon so weit gelaufen zu sein.“

Verwöhnprogramm mit Kuchen und Rührei

Doch wie waren eigentlich die Tage zuvor? Zum Beispiel in der Jugendherberge in Pforzheim? Jennifer Leuchtmann lacht: „Die war super!“ Sie sei neben einem anderen Herrn der einzige Gast gewesen. Sie konnte ihre Wäsche in die dortige Waschmaschine stopfen und der Herbergsvater habe sie regelrecht verwöhnt: „Am einen Morgen gab es Kuchen und am anderen konnte ich mir ein Rührei nach Belieben zusammenstellen.“ Auch der Blase am Fuß habe die Rast von einem vollen Tag gut getan und konnte heilen.

Von der Herberge aus, die etwas außerhalb von Pforzheim in Dillweißenstein an der Nagold gelegen ist, ging es entlang der Enz. „Das war ein richtig schöner Weg“, schwärmt Jennifer Leuchtmann regelrecht. Gar nicht genug habe sie von der Landschaft und den Spiegelungen im klaren Wasser bekommen, habe jede Menge Fotos gemacht.

Außerordentlich überrascht sei sie jedoch von der Menge der Wanderer gewesen, die derzeit auf dem Westweg unterwegs sind: „Dort habe ich während des ersten Tages so viele Menschen getroffen, wie in der Vorwoche insgesamt.“ Mittlerweile sei es jedoch wieder ruhiger geworden.

Auch Hilfsbereitschaft ist Jennifer Leuchtmann wieder begegnet: „Als ich am Donnerstag in Gausbach eine Möglichkeit suchte, mein Zelt aufzuschlagen, habe ich zu nächst ein Vereinsheim am Waldrand angeboten bekommen.“ Dort sei gerade eine Feier vorbereitet worden und eine junge Frau habe sie nach Rücksprache mit ihren Eltern eingeladen, im Partykeller der Familie zu nächtigen: „Die Mutter war total begeistert, als ich ihr von meiner Unternehmung erzählte.“ Sie habe sie mit Matratze, Tee und am Morgen mit frischen Backwaren verwöhnt. Das war in Bermersbach. „Von da bin ich leider eine Stunde in die falsche Richtung gelaufen“, berichtet die Wandersfrau. Das sei aber gar nicht so schlimm gewesen: „Der Weg ist schön, trägt den Namen ‚Glücksweg‘ und auf dem lässt sich viel an Kleinkunst und Ähnliches entdecken.“

Hühnerbrühe von Niederländern

Am Samstag wiederum habe sie vor der Alexander-Schanze zwei niederländische Camper bei einem Gasthof mit Wohnmobilstellplatz getroffen. Der Platz unter einer Fichte hätte sie zum Zelten eingeladen und den Campern sei die Nachbarin durchaus recht gewesen. Allerdings den Betreibern des Gasthofs nicht, die ihr alternativ den benachbarten Sportplatz vorschlugen. „Als ich dann dort mein Zelt aufgeschlagen habe, ist einer der Camper zu mir gekommen und es gab eine Einladung zum Abendessen.“ Das Ergebnis, ungeschützt auf der Freifläche zu nächtigen hatte bei dem Regenwetter dazu geführt, dass ihre Sachen danach komplett durchnäss gewesen wären.

Jetzt freut sich Jennifer Leuchtmann auf ihre nächste Station am Titisee: „Dort lege ich wieder eine Pause ein und habe, weil die Jugendherberge ausgebucht ist, sogar ein Hotel gebucht.“ Auch einen Besuch in der dortigen Therme hat sie im Sinn: „In einem Second-Hand-Laden habe ich gestern einen Badeanzug gekauft, da ich keinen eingepackt hatte.“

Schneller als gedacht

Mittlerweile läuft die Wandersfrau rund 30 Kilometer am Tag: „Das sind mehr, als ursprünglich gedacht.“ Und wie ist das mit dem Rucksack? „Der drückt eigentlich nur noch, wenn ich gerade eingekauft habe und die Wasserflaschen aufgefüllt sind.“ Rückblickend auf die durchquerten Landkreise schmunzelt sie: „Dass ich mich auf einmal in einem anderen befindet, kann ich eigentlich nur anhand der Kfz-Kennzeichen feststellen.“ In diesem Zusammenhang lacht sie: „Ich war ganz verblüfft, als mir ein Forstschild verriet, dass ich mich mittlerweile in Baden-Württemberg befinde.“ Ok, habe sie sich gesagt, „ich bin über eine Grenze gelaufen“.

Zufrieden mit sich und der Welt

„Ich bin froh, dass ich mich auf den Weg gemacht habe“, so Jennifer Leuchtmann. Hätte sie diesem inneren Streben nicht nachgegeben, würde sie der Wunsch danach, noch immer unruhig machen: „Und jetzt habe ich auch keine Bedenken mehr.“ Aber ein paar Sachen gibt es schon, die ihr mittlerweile – außer den nahe stehenden Menschen – fehlen: „Fließend warmes und kaltes Wasser, eine Wanne, Couch und Tee wären manchmal schon super.“ Da sie jedoch von Natur aus kein materialistischer Mensch sei, gibt es sonst wenig: „Vor ein paar Tagen bin ich jedoch meinem Appetit gefolgt und bin einen riesigen Salat essen gegangen.“

Kontakt

Wer Jennifer Leuchtmann einen Gruß senden möchte, erreicht sie unter info@naturwerk-taunus.de.