Für den ehrenamtlichen Einsatz zur Erhaltung materiellen Kulturerbes

Wolfgang Ettig erhält den Saalburgpreis, der Förderpreis geht an Kerstin Junk

Von Petra Pfeifer, 21. Juli 2021

Hochtaunuskreis. Einmal im Jahr wird der Saalburgpreis vergeben. Doch wie Landrat Ulrich Krebs anmerkte, fanden nicht nur die Europameisterschaft oder die olympischen Spiele 2020 in diesem Jahr statt. Die Ehrung für Verdienste um die Geschichts- und Heimatpflege im Hochtaunuskreis in 2020 musste ebenfalls auf dieses Jahr verschoben werden. Genauer gesagt: am 20. Juli 2021 fanden sich Saalburgpreisträger Wolfgang Ettig und die Förderpreisträgerin Kerstin Junk, beide wurden bereits im vergangenen Jahr geehrt, zusammen mit vielen Ehrengästen im Usinger Schlossgarten-Campus ein, um dieses Ereignis endlich würdig zu begehen.

Über 100 Ehrengäste genießen unter freiem Himmel die Preisverleihung

Zunächst war die Reihe an Gregor Maier, im Namen des Landrats die Gäste willkommen zu heißen. Eine Aufgabe, die angesichts der vielen verdienstvollen Anwesenden nicht unter drei Minuten zu bewältigen war. Kein Wunder, denn „diesem Tätigkeitsfeld wird große Bedeutung beigemessen“, sagte der Kulturreferent des Hochtaunuskreises. Aus den politischen Gremien begrüßte er zum Beispiel Kreistagsvorsitzenden Renzo Sechi und Ersten Kreisbeigeordneten Thorsten Schorr. Von der Johann-Isaak-von-Gerning-Stiftung war Kuratoriumsvorsitzender Dr. Frank Ausbüttel gekommen und Markus Koob war weniger in seiner Eigenschaft des Bundestagsabgeordneten, sondern als stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins Kreisarchiv des HTK erschienen. Und so konnte Gregor Maier noch viele Vertreter aus kulturellen und politischen Institutionen sowie Unternehmen aufzählen, die sich auf dem weitläufigen Gartengelände eingefunden hatten. Zum Beispiel auch Raimund Becker aus dem Vorstand der Taunus Sparkasse: „Ohne deren Unterstützung wären viele Geschichts- und Kulturprojekte gar nicht möglich.“

Ohne die Ehrenamtlichen ist der Erhalt des Kulturerbes nicht gewährleistet

An Ulrich Krebs war es dann, auf Preisverleihung und Preisträger an sich einzugehen: „Der Taunus hat ein materielles Kulturerbe vorzuweisen, das in dieser Fächerung selten ist. Das ist ein großer Schatz und gleichzeitig eine große Verpflichtung.“ Ein erheblicher Teil dieser Verpflichtung wiederum werde von Ehrenamtlichen geleistet. Krebs erinnerte an die Grabungskampagnen zur Erforschung der Glasmacherei in Glashütten, an Engagements für historische Grenzsteine, für Mühlgräben, für Burgen, für Denkmäler und Dorfbrunnen: „Alles sind Zeugnisse, die der Landschaft ein Gesicht geben.“

70.000 Euro sollen künftig jährlich für archäologische Projekte zur Verfügung stehen

Insofern lobte der Landrat außerordentlich den „herausragenden Einsatz für das Kulturerbe“ durch die Geehrten, die sich zuletzt bei den Grabungsarbeiten an der Landsteiner Kirche verdient gemacht haben. Ein Engagement, das der Kreis gerne unterstütze. Gleichzeitig verriet er, dass er einmal – „unter strenger Aufsicht des zuständigen Bezirksarchäologen Dr. Kai Mückenberger“, schmunzelte Krebs –,  bei der Antoniuskapelle selbst Hand angelegt habe und wusste somit aus Erfahrung: „Das macht ja auch Spaß!“ Gerne kündigte er daher an, dass der Kreis plane, künftig 70.000 Euro pro Jahr für archäologische Projekte zur Verfügung stellen wolle: „Das dient der Strategie zur Erhaltung des kulturellen Erbes.“

Die diesjährige Preisverleihung möchte der Landrat aus zwei Blickwinkeln betrachtet sehen: „Zum einen ehren wir zwei Persönlichkeiten für ihren jeweils ganz individuellen, herausragenden Einsatz für unser Kulturerbe.“ Zugleich betrachte er den Saalburgpreis für Wolfgang Ettig als Ansporn für weiteres ehrenamtliches und fachlich kompetentes Engagement und den Förderpreis an Kerstin Junk als Ansporn für junge Menschen, sich für Archäologie, Geschichte und den Umgang mit dem Kulturerbe zu begeistern.

Burgenforscher Joachim Zeune freut sich mit der „Fugen-Queen“

Die launige Laudatio sprach der Mittelalterarchäologe und Burgenforscher Dr. Joachim Zeune, der für die archäologischen Grabungen an der Landsteiner Kirche verantwortlich zeichnete und dort mit Kerstin Junk und Wolfgang Ettig zusammengearbeitet hat. „Als sie mit fünf oder sechs Jahren die Burg Manderscheid sah, hat sie schon gedacht, dass Burgen ein schöner Lebensinhalt wären“, hatte Zeune erfahren. Ihr Weg zum Studium der Geschichte und Archäologie sei jedoch nicht gradlinig verlaufen, habe sie doch zunächst die Ausbildungen zur Friseurin und Fremdsprachenassistentin gemacht. Dann habe Kerstin Junk eines Tages einen seiner Vorträge besucht und ihn anschließend spontan gefragt: „Kann ich ein Praktikum bei Ihnen machen?“ Und so kam es, dass sie eines Tages zu den Helfern gehörte, die sich an der Landsteiner Kirche verdient machten – und dass Kerstin Junk sich den Titel „Fugen-Queen“ einhandelte. „Niemand verfugt so schön wie sie“, lächelte Joachim Zeune und freute sich mit ihr, dass sie nicht nur einen Karrieresprung gemacht – sie ist mittlerweile im Landratsamt Ansprechpartnerin für archäologische und kulturhistorische Angelegenheiten –, sondern obendrein ihren Berufsweg gefunden habe.

Nicht nur vielfach interessiert, sondern auch mit fröhlicher Ausstrahlung ausgestattet

Als „bunten Hund, über den man gar nichts mehr zu erzählen braucht“, lachte Dr. Joachim Zeune den Preisträger Wolfgang Ettig an. Schließlich gebe eine riesige Liste von Fachvorträgen, die der studierte Wirtschaftsingenieur bereits gehalten habe, und viele, ganz unterschiedliche Publikationen und Ausstellungen gingen auf sein Konto. Somit hob der Laudator das große Interesse hervor, „das er an vielen Dingen hat“. Und daher: „Wir profitieren von Deiner Offenheit für alle Themen.“ Dass er sich dabei regelrecht verbeißen könne, sei darüber hinaus ausgesprochen positiv zu bewerten: „Nur wer sich zu Wissenslücken bekennt, kommt weiter.“ Auch für heftige Überraschungen sei Wolfgang Ettig immer wieder gut, der gebürtige Hunsrücker, der seit 1983 in Treisberg lebt, habe ein Faible für Apfelwein und mache exzellente Hessen-Caipis, außerdem spiele er als Bassist in einer Band und sei als solcher schon bei einem Alpengrandprix in Südtirol erfolgreich gewesen. Last but not least: seit den 1990er Jahren verlegt Wolfgang Ettig Bücher zur Kulturgeschichte Japans. „In einem Schulzeugnis würde ich schreiben: Durch seine fröhliche Ausstrahlung und guten Beiträge trägt er zur guten Atmosphäre bei“, meinte Zeune zu guter Letzt augenzwinkernd.

Für Kerstin Junk war der 5. Juli 2019 von entscheidender Bedeutung

Gerne erinnerte sich Kerstin Junk in ihren Dankesworten daran, wie alles angefangen hat, wie sie auf den Vortrag von Dr. Zeune aufmerksam wurde: „Es war am 5. Juli 2019.“ Sie arbeitete damals als Redakteurin beim Saarländischen Rundfunk und plötzlich habe sie eine Mail erhalten: „Die darin enthaltenen Worte ‚Burgen‘, ‚Museum‘ und ‚Mittelalter‘ haben mich auf besagten Vortrag aufmerksam gemacht.“ Nicht ahnend, dass dieser Entschluss ihren weiteren Lebensweg prägen würde, habe sie sich am nächsten Abend auf den Weg zu dem Bildervortrag gemacht. Gerne denkt sie in diesem Zusammenhang an die Zeit an der Landsteiner Kirche zurück: „Ich bin froh und dankbar, dass ich so früh dabei sein konnte – und dass dieses historische Zeugnis erhalten bleibt.“ Obwohl sie bisher schon andere solcher Stätten näher kennengelernt hat: „Mit keinem Ort fühle ich mich so verbunden, wie mit Landstein, das liegt auch an den Menschen.“ Daher: „Danke für die schöne Zeit, für die lustigen und ernsten Gespräche.“

Der Saalburgpreis bedeutet Motivation

Er sei noch immer überrascht, meinte wiederum Wolfgang Ettig. Der Saalburgpreis sei ihm eine ganz besondere Ehre, die gleichzeitig Motivation bedeute. Er erinnerte sich an die Dekade nachdem diese Ehrung 1992 erstmals vorgenommen wurde. Damals erhielten Reinhard Michel und Martha Kaethner den Preis und anschließend hätten sich zahlreiche Heimatvereine gegründet: „Zwischenzeitlich sind es 50, die hervorragende Arbeit leisten.“ Gleichzeitig gab Ettig seiner Hoffnung Ausdruck, dass sich künftig das Durchschnittsalter in diesen Vereinen senkt: „Neue und innovative Ideen haben noch keinem geschadet.“ Zudem helfe die Auseinandersetzung mit der Geschichte, die Gegenwart zu verstehen. Und in Richtung seines Laudators lachte Wolfgang Ettig: „Lieber Achim, Landstein hat mich infiziert. Mit dem dortigen Team würde ich sogar wagen, mich bis zur Chinesischen Mauer durchzubuddeln.“

Historie

Der Saalburgpreis des Hochtaunuskreises wird seit 1992 für herausragende Verdienste um die Geschichts- und Heimatpflege im Hochtaunuskreis verliehen. Er geht an Personen oder Personengruppen, die sich über einen langen Zeitraum ehrenamtlich mit dem kulturellen Erbe des Landkreises beschäftig haben. 1995 wurde der Saalburgpreis um einen Förderpreis ergänzt, der ebenfalls jährlich vergeben wird und an Personengruppen geht, die sich vorbildlich für ihre Heimat eingesetzt haben.