Schwammstadt Oberursel

Ein Spaziergang mit Perspektivwechsel

Von Eckard Steffin, 19. September 2021

Oberursel. Gemeinsam mit der Lokalen Oberurseler Klimainitiative (L.O.K.)  hatte die Stadt Oberursel zu einer kleinen Führung entlang des Urselbaches eingeladen, um auf die Situation im Fall von Hochwasser-Ereignissen aufmerksam zu machen und was zu deren Vermeidung geschehen muss.

City Manager Marcus Scholl begrüßte die Teilnehmer an den Portwiesen und gab weiter an Jens Gessner, Amt für Umwelt, Klima und Naturschutz. „Die EU Wasserrahmenrichtlinie fordert Renaturierungen und vor 15 Jahren begannen die Planungen. Leider konnten sie nicht umgesetzt werden.“ Die Begradigungen der Vergangenheit haben auch dafür gesorgt, dass bei Starkregen der Bach an vielen Stellen das Wasser nicht mehr auffangen kann. Peter Cornell, L.O.K.: „Wasser sollte langsam abfließen und nur dadurch kann es Trinkwasser genutzt und eine Trockenlegung verhindert werden. Dabei wies er auf das Programm „100 Wilde Bäche für Hessen“ (https://wildebaechehessen.de/) hin, dessen Ziel es ist, hessischen Fließgewässern ihre natürliche Struktur zurückzugeben. Das Programm unterstützt die Kommunen bei der Erfüllung dieser Aufgabe an 100 ausgewählten Bächen. Gessner beschrieb, welche Bäume für die Renaturierung hilfreich sind und welche nicht. Die Rot-Erle eigne sich gut, weil sie sich gerne aussät. An solchen Stellen brauche man nichts zu machen. Zudem müssten immer wieder Gegenströmungen erzeugt werden, damit das Wasser langsamer wird.

Mit Blick auf die stets intensive Nutzung des Urselbachs informierte Andy Andernach, L.O.K., über die Mühlen und dessen Funktion als Wehrgraben und damit als Teil der Stadtbefestigung. Dadurch sei der Bach immer weiter Richtung Westen verlegt worden und das Wasser musste so schnell wie möglich fließen. Hier ist heute ein Umdenken nötig.

Flüsse würden mittlerweile vorwiegend als Erholungsgebiet benötigt. Die unterirdischen Teile in der Stadt könnten auch freigelegt werden und dann als Grün- oder Genussoasen genutzt werden. Otto Bammel fragte in die Runde: „Warum besetzen wir nicht einfach mal einen Platz mit Sonnenschirm und Stühlen, um zu zeigen, dass es auch anders aussehen könnte, als immer nur Parkplätze. Es muss nicht alles aus der Sicht des Autofahrers betrachtet werden.“

Anschließend ging es noch in den Ratssaal zum Sammeln von Ideen bei musikalischer Untermalung. Ein Schwamm wurde geworfen, um damit das Thema „Schwammstadt“ ins Gedächtnis zurück zurufen und zum Perspektivwechsel aufzufordern.