Technische Unfallrettung auf dem neuesten Stand

Neuer Rüstwagen für die Hofheimer Feuerwehr

Die symbolische Übergabe des Fahrzeugschlüssels mit (von links) Bürgermeister Vogt, Ritzheim, Exner, Köhler, Dr Schrell

Die symbolische Übergabe des Fahrzeugschlüssels mit (von links) Bürgermeister Christian Vogt, Sebastian Ritzheim, Hofheimer Wehrführer, Erster Stadtrat Wolfgang Exner, Brandmeister Jürgen Köhler und Stadtbrandinspektor Dr. Andreas Schrell. – (Bilder vom Fahrzeug siehe unten)

Von Eckard Steffin, 15. August 2021

Hofheim. In der Feuerwache Hofheim-Kernstadt steht ein neuer Rüstwagen für die Freiwilligen Feuerwehren im Stadtgebiet bereit. Das Fahrzeug ist für die technische Unfallrettung an PKW, LKW und begrenzt auch Schienenfahrzeugen ausgerüstet. Die zeitintensive Ausbildung von Wehrleuten an den Geräten ist weitestgehend abgeschlossen.

Bürgermeister Christian Vogt, Erster Stadtrat Wolfgang Exner und Stadtbrandinspektor Dr. Andreas Schrell haben den Rüstwagen mit dem Rufnamen Hof. 1-52, gemeinsam mit dem Hofheimer Wehrführer Sebastian Ritzheim und Brandmeister Jürgen Köhler am Dienstag den Medien vorgestellt und diesen Anlass genutzt, über das Thema Corona-Pandemie und Feuerwehr zu berichten.

„Wir stellen unseren Freiwilligen Feuerwehren Räume, Ausrüstung und Fahrzeuge zur Verfügung. Es sind aber die ehrenamtlichen Feuerwehrfrauen und -männer, die die Räume mit Leben erfüllen und die technische Ausstattung nutzen, um in Notfällen aller Art zu helfen. Dafür sage ich allen Wehrleuten herzlichen Dank, auch dafür, dass sie viele Stunden ihrer Freizeit für Lehrgänge, Übungen und Einsätze aufbringen“, sagte Bürgermeister Vogt.

Fahrzeugdaten des Rüstwagens: Euro 6 Motor, 213 KW Nennleistung, Gesamthöhe 3150 mm, Gesamtbreite 2500 mm, Gesamtlänge 8015 mm, Zulässiges Gesamtgewicht 14.000 kg, Antriebsart 4×4. Das Fahrzeug verfügt über eine festeingebaute Seilwinde mit einer Nennzugkraft von 50 kN (Kilonewton = 5098.58 Kilo) und einen eingebauten Generator, der eine Nennleistung von 25 kVA (Kilo Volt-Ampere) hat. Ebenfalls an Bord ist ein Lichtmast. Die Beladung umfasst die Normbeladung nach der „Rüstwagen DIN 14 555-3:2016-12“ und zudem schweres Material für die Technische Hilfeleistung.

Es wurden Hilfsmittel für Verkehrsunfälle wie Gleitkeile oder Rangierhilfen verladen sowie in neues Abstützmaterial investiert, um auch dort bestmöglich aufgestellt und vielseitig einsatzbar zu sein. Dr. Schell: „Ich nenne es das Fahrzeug der 1.000 Teile. Das Vorgängermodel hatte ‚nur‘ 750 Teile.“ Alle Teile können so bewegt werden, dass möglichst wenig Personal benötigt wird.

Das Fahrzeug besitzt auch für die Hilfen von E-Fahrzeugen die entsprechenden Ausrüstungen. Beispielsweise ist auch die Lage der Airbags eine wichtige Information, damit auslösenden Druckbehälter nicht angesägt werden. Das Wissen liegt elektronisch auf einem Tablet im Begleitfahrzeug. Zusätzlich fährt bei einem Einsatz auch ein Löschfahrzeug mit.

Individuelle Ausstattung für unterschiedliche Einsatzgebiete

Der Preis für ein solches individuell angefertigtes Fahrzeug beträgt etwa 480.000 Euro und wird mit 50.000 Euro vom Land Hessen bezuschusst. Dafür stellt die Feuerwehr Hofheim das Fahrzeug auch für die Rettung auf der A66 und der A3 bis zu einem Umkreis von 30 Kilometern sicher. Natürlich helfen sich alle Feuerwehren gegenseitig, wenn Fahrzeuge oder Personal gebraucht wird. Gesehen hat man es zuletzt auch in den Überschwemmungsgebieten.

Trotz der Corona-Pandemie haben sich die Mitglieder-Zahlen bei den Kinder- und Jugendfeuerwehren sowie in den Einsatzabteilungen insgesamt im Stadtgebiet überwiegend positiv entwickelt. Die Kinderfeuerwehren haben 94, die Jugendfeuerwehren 118 Mitglieder. Hinzu kommen noch 315 aktive Ehrenamtliche.

Einsätze verändern sich

Die Zahl der Einsätze ist in den vergangenen Jahren von 913 (2019) auf 902 (2020) leicht zurückgegangen. Die Art der Einsätze hat sich in den letzten Jahren geändert. Heute sind es überwiegend Waldbrände, Regen- und Sturmschäden. Es gibt eine Menge kleiner Einsätze, für die im Grunde oft keine Feuerwehr benötigt wird oder besondere, wie die Rettung eines Hirsches, der mit dem Geweih in einem Zaun feststeckte.

Auswirkungen von Corona

Für die sieben Ortsteilfeuerwehren in Hofheim bedeutete die Pandemie konkret, dass seit der zweiten Märzwoche 2020 der Übungsdienst der Aktiven weitestgehend online durchgeführt wurde. Vor Ort war der Betrieb auf ein Minimum reduziert. Die Jugend- und Kinderfeuerwehren haben ebenso mit Hilfe von Onlinediensten Kontakt gehalten. Sie durften die Gerätehäuser nur in Ausnahmefällen betreten.

Natürlich waren alle Wehren im Einsatz, wenn es brannte oder sich ein schwerer Unfall ereignete. Das Land Hessen gibt Hilfsfristen von 10 Minuten nach dem Absetzen des Notrufes vor. Nicht immer kann dabei auf einen Mindestabstand von 1,50 Metern geachtet, beziehungsweise kann dieser gar nicht eingehalten werden. „Alle Wehrleute wurden angewiesen, bei Einsätzen eine FFP 2-Maske zu tragen. Sollte es der Einsatzfall ergeben, können wir uns durch Anlegen erweiterter Schutzausrüstung zusätzlich schützen“, so Dr. Schrell.

Seit etwa Anfang des Jahres 2021 sind unter Einhaltung strikter Hygieneregeln die Übungs- und Ausbildungsdienste wieder möglich, allerdings zunächst nur in kleinen Gruppen.  „Wir sind allen Einsatzkräften dankbar, dass sie sich bereits über diesen langen Zeitraum an die Hygieneregeln halten. Es ist extrem anstrengend und belastend, im Einsatz eine FFP2-Maske zu tragen. Aber nur so konnten und können wir sicherstellen, dass die Wehren in allen Stadtteilen einsatzbereit bleiben“, erklärt Erster Stadtrat Exner.