Scharf, gesund und gut gelaunt

Oberursels Wochenmärkte bekommen Verstärkung

Von Petra Pfeifer

Oberursel. Mit ihrem ausgewählten und umfangreichen Angebot, das nicht nur aus regionalen und internationalen Spezialitäten besteht, sondern auch durch das Fachwissen und die Freundlichkeit der Händler*innen ergänzt wird, sind die Oberurseler Wochenmärkte über die Stadtgrenze hinaus bekannt und beliebt. Aktuell finden sie sowohl samstags als auch mittwochs von 7 bis 14 Uhr auf dem Epinayplatz statt, da der Marktplatz, auf dem er sonst an den Samstagen abgehalten wurde, in Corona-Zeiten zu beengt ist.

Das größere Platzangebot auf dem Epinayplatz hatte den guten Nebeneffekt, dass neben den etablierten auch weitere Standbetreiber dazu kommen konnten, die in den vergangenen Wochen schnell von der Kundschaft angenommen wurden. Zu ihnen gehört Brian Gillard, der in New Mexico im Süden der Vereinigten Staaten aufgewachsen ist und mittlerweile in Oberursel lebt. „Während meiner Elternzeit habe ich beschlossen, dass ich nicht mehr in meinen Anzug-Job zurückkehren möchte“, erzählt er. Bei der Überlegung, was er alternativ machen könnte, kam ihm sein Hobby entgegen. Schon länger versorgte er seine Nachbarschaft mit selbst gemachter Erdnussbutter und Salsasaucen.

„Im Gespräch mit der Wirtschaftsförderung Oberursel habe ich tolle Informationen bekommen, was die Umsetzung meiner Geschäftsidee betrifft“, so Brian Gillard weiter. Immerhin ging es um wichtige Fragen wie Gesundheitsamt und Industrieküche. Die Wirtschaftsförderung war es auch, die ihm den Weg auf den Oberurseler Wochenmarkt ermöglichte – ein erfolgreicher Schritt: „Es läuft super hier. Ich hätte nicht gedacht, dass die scharfen Sachen so gut ankommen.“ Das Gegenteil sei der Fall, er müsse immer nachproduzieren und brauche mittlerweile Unterstützung bei der Produktion. „Das ist das schönste Problem, das man haben kann“, lacht Brian Gillard, der die Liebe zum Kochen schon im Kindesalter entdeckt hat. Da seine Eltern ein Steakhaus hatten, habe er diese Arbeit sowohl kaufmännisch als auch konzeptionell quasi mit der Muttermilch eingenommen.

Gleich nebenan hat Christa Hein ihren Stand aufgemacht. Aus der Arbeitslosigkeit heraus wollte sie etwas Neues angehen und habe sich zurückbesonnen, was sie eigentlich gelernt hat: „Ich bin ganzheitliche Gesundheitsberaterin.“ Dabei entschied sie sich, „Hildegard von Bingen nach Oberursel zu bringen“. So entstand allmählich eine Produktpalette, in der sie Galgant in Form von Pulver und Tabs anbietet, darüber hinaus selbst gemischte Öle und Gewürze sowie Kosmetik mit Pflanzen, die die Heilkundige beschrieben habe. Aber auch Nervenkekse gehören dazu. „Dinkel macht fröhlich – und das brauchen wir in dieser Zeit“, lacht Christa Hein.

Kein neuer Anbieter, aber ein selten anzutreffender ist Carl Wanning. Der gebürtige Allgäuer hat seit 34 Jahren ein Haus in Italien und auf dem dazugehörigen Grundstück auf der Westseite des Monte Amiata stehen seine Olivenbäume: „Manche sind schon 800 Jahre alt.“ Die Ernte bringt er stets zu einer Ölmühle und so entsteht dann sein „Olio die Ollivastra“, das er neben Pasta-Saucen oder Maronenmehl auf den verschiedensten Märkten verkauft. „Neben Oberursel sind das zum Beispiel auch Märkte in Köln, Dresden, Oldenburg, Mainz und Hamburg“, erzählt Carl Wanning. Wenn sein Sohn mit von der Partie ist, dann würden sie Märkte auch parallel anfahren. Sogar bis nach Finnland gehen seit einigen Jahren die Touren. Dass er hierzulande anzutreffen ist, ist seiner Frau Bettina zu verdanken: „Sie stammt aus dem Hintertaunus.“ Außerdem ist es ihm auch ein persönliches Bedürfnis, kleinere Märkte anzusteuern: „Sie haben oft nicht die Möglichkeit, an solche Produkte zu kommen.“ Dabei sei es nicht sein Ziel, möglichst viel zu verkaufen, sondern gute Erzeugnisse. Und obendrein verrät Carl Wanning, der seit 20 Jahren von der Vermarktung seines Öls lebt: „Eigentlich bin ich Architekt und hatte eine Lichtwerkstatt, doch das hier macht mir mehr Spaß.“