Auch Lernen will gelernt sein

Gemeinschaftsprojekt an der Grundschule Sindlinger Wiesen

Von Eckard Steffin, 12. August 2021

Kelkheim. Der Ausländerbeirat der Stadt Kelkheim startete in Kooperation mit dem Verein „Miteinander Leben in Kelkheim e.V.“  und dem Amt für Jugend und Integration der Stadt Kelkheim  am 2. August 2021 ein neues Projekt für Kinder: „Lernen lernen“.

Hintergrund ist: Vielen Kindern fällt es schwer den Alltag zu meistern. Corona verstärkt diesen Effekt noch. Die Schule verlangt immer mehr Selbstständigkeit und das verlangte Wissen wird größer. An dieser Stelle werden die Schüler*innen abgeholt. Die Erst- und Drittklässler*innen erhalten Unterstützung für das kommende Schuljahr, was sie motivieren und stärken soll.

Caneo Barrera, die aus der Nachmittagsbetreuung der Grundschulkinder kommt und Mitglied des Ausländerbeirats ist, sowie vier weitere Ehrenamtliche aus Kelkheim unterstützen die Kinder dabei, das Lernen zu lernen. „Wir freuen uns über die große Resonanz. Leider konnten wir dadurch nicht alle Interessenten berücksichtigen“, so Barrera.

Stefan Degenhardt, der eine der Klassen betreut, erläutert, dass die Kinder mit Hilfe von Arbeitsblättern, Vorlesen, Ballspiel, mathematischem Sachunterricht und Englisch trainiert werden, sich selbst Wissen anzueignen. „Kinder wissen oft nicht, wen sie fragen sollen. Hier lernen sie, dass auch die anderen Kinder beim Lernen helfen können“, so Petra Bliedtner, Amtsleiterin für Jugend und Integration.

Harpreet Kaur, Mitglied des Ausländerbeirats, hilft ebenfalls ehrenamtlich mit. Vor den Kindern liegen Arbeitsblätter, die auch für Erwachsene durchaus sinnvoll sein können: Was macht mich stark? Was macht mich wütend? Was mache ich, wenn ich Angst habe? Die Kinder füllen die Blätter aus und reden darüber. Das stärkt und baut Selbstvertrauen auf, denn sie sind mit ihren Gedanken nicht alleine.

Barrera: „Alle Kinder werden pünktlich gebracht und nach anfänglichen Irritationen haben sie dann alle auch gegessen und eine Trinkflasche dabei.“ Die Kinder kommen aus allen Stadtteilen von fünf Grundschulen. Sie werden vom Team empfangen und jeden Tag finden Elterngespräche statt. So ein Tag geht von 12.30 bis 16 Uhr und wird von einer kleinen Pause um 15 Uhr unterbrochen. Es gibt ein Hygienekonzept mit Tests und alle Kinder tragen in den Innenräumen Masken, was ihnen keine Probleme bereitet.

Luca Spengler betreut Kinder aus der dritten Klasse.  Sie suchen sich aus einem Terminkalender verschiedene Einträge heraus und geben diese in vorgefertigte Fragestellungen. So wird das Sprachverständnis trainiert. Bei dem Termin „Besuch bei Oma“, ist ein Freitext einzutragen und dieser wird von allen anders formuliert. Die Kinder lernen, dass es nicht immer die eine richtige Antwort gibt, sondern alles in einem Kontext steht. Die Betreuer*innen können hier sehr gut auf die Kinder eingehen. Dabei üben sie mit ihnen spielerisch, was es heißt Verantwortung für eigene Interpretationen zu übernehmen.

Malin Köker, die ein freiwilliges soziales Jahr in der Kinderbetreuung absolviert und Übungsleiterin in der Leichtathletik ist, bringt ebenfalls viel Erfahrung aus der Jugendarbeit mit. Die Kinder trainieren Wortverständnis und Mathematik mit Hilfe von Sudoku Rätseln aus Zahlen oder Symbolen und das Erkennen von Wörtern in einem Buchstabensalat.

Deutschunterricht braucht es nicht, weil alle Arbeitsblätter und Antworten in Deutsch sind und es so nebenbei gelernt wird. Barrera: „Oft wird es als Manko angesehen, wenn Kinder fremde Sprachen sprechen, was falsch ist. In der heutigen Zeit ist es eher als Vorteil zu sehen.“ Bliedtner ergänzt, „dass es wichtig ist, sie nicht durcheinander zu sprechen und genau das zu fördern.“

Der Unterricht ist praktisch im ursprünglichen Sinn von Begreifen und bietet den Kindern auch die notwendige Bewegung. Die Grundschule hat dafür einen Teil des Sportplatzes bereitgestellt. Und durch tägliche Elterngespräche ist auch Nachhaltigkeit garantiert.