Die Ruine der Landsteiner Kirche birgt viele Überraschungen

Archäologische Forschung und Sanierung schreiten gut voran

Von Petra Pfeifer, 27. August 2021

Weilrod. Viel gibt es zu tun an der Ruine der Landsteiner Kirche – und viel ist in diesem Jahr hier schon geschehen. Bereits im Juni ließ sich weithin das Klappern von Archäologenkellen vernehmen. Denn am Fuß des mächtigen Turms hatten sich der renommierte und europaweit bekannte Mittelalterarchäologe und Burgenforscher Dr. Joachim Zeune und seine Helfer auf die Suche nach Überresten der Kirchenruine „Unserer lieben Frau zu Landstein“ begeben. Damit hatten sie die Vorbereitungen für eine touristische Erschließung des Bauwerks, Sanierungsmaßnahmen fortgeführt und letzte archäologische Untersuchungen begonnen – und waren ganz nebenbei wieder einmal auf Überraschungen gestoßen.

Teil einer Vorgängerkirche aus dem 14. Jahrhundert entdeckt

Nachdem der Burgenforscher bereits nach dem Erwerb der Ruine mit der Erstellung eines Sanierungskonzeptes beauftragt worden war, stellte sich im Zuge einer bauhistorischen Bestandsanalyse schnell heraus, dass es sich bei einem vermeintlich erhaltenen Chorrest um eine Hangmauer aus dem 19. Jahrhundert handelt. Dieser Befund löste die Suche nach dem eigentlichen Chor aus, der bei archäologischen Untersuchungen auch rasch entdeckt wurde und sich dicht unter der Rasenoberfläche befand. Dann wurden neben den Resten der Wallfahrtskirche aus dem 15. Jahrhundert noch ältere Fundamente und Mauern sowie ein Altarsockel entdeckt, die Teil einer nicht überlieferten Vorgängerkirche aus der Mitte des 14. Jahrhunderts sind.

Schieferplattenboden muss wieder versiegelt werden

Schließlich fanden die Forscher in etwa 1,20 Metern Tiefe im Inneren des Langhauses in der südlichen Seitenkammer des Westwerks einen gut erhaltenen Schieferplattenboden. „Das ist eine tolle Arbeit! Die unförmigen Platten wurden so zusammengelegt, dass kaum Fugen vorhanden sind“, stellte Zeune fest. Gleichzeitig musste er jedoch ankündigen, dass diese nicht offengelegt bleiben können, da das Bauwerk begehbar bleiben soll und die Schieferplatten hierfür zu dünn sind: „Witterung und Begehung sind zu viel für sie.“ Also werden sie wieder unter 25 Zentimetern Bodenaufbau, einer Verschleißschlicht, verschwinden.

Für Touristen und Geschichtsinteressierte künftig frei zugänglich

Zunächst aber konnte das archäologische Team, dem auch Kerstin Junk vom Hochtaunuskreis, sowie der „Rentnertrupp“ bestehend aus Uli Graf aus Altweilnau, Wolfgang Ettig aus Traisberg und Uwe Marx aus Bad Camberg angehören, im Zuge der weiteren Untersuchungen einen weiteren Mauerteil freilegen, der sogar noch älter ist als die Vorgängerkirche und zu einem Gebäude gehört, das noch vor der Errichtung der Kirchen am Landstein stand. Diese Befunde erhöhen den kulturhistorischen Wert der archäologischen Stätte und haben die Denkmalschutzbehörde und den Eigentümer – allen voran Landrat Ulrich Krebs – dazu veranlasst, die freigelegten Mauern sichtbar zu belassen und sie fachgerecht zu sanieren, um die Ruine für Touristen und Geschichtsinteressierte aus der Region zugänglich zu machen. „Der Hochtaunuskreis ist reich an kulturhistorischen Objekten. Mit ‚Unsere liebe Frau vom Landstein‘ schließt sich ein historisch besonders wertvolles Kleinod dieser Reihe an. Umso schöner ist es, dass wir der Kirchenruine nach vielen hundert Jahren des Verfalls wieder neues Leben einhauchen und die Geschichte dieses besonderen Ortes für die Menschen aus der Region und darüber hinaus wieder erlebbar machen können“, freute sich Ulrich Krebs.

Demnächst eine Eventfläche für Veranstaltungen

Um diesem Ziel näher zu kommen, laufen am Landstein die Sanierungsmaßnahmen auf Hochtouren, Die Mauerreste und das Westwerk werden versiegelt und so vor der Witterung und anderen schädlichen Einflüssen geschützt. In der Südkammer des Westwerks wird eine überdachte archäologische Schutzzone entstehen, die der Besucher durch ein Tor einsehen kann. Der hintere Teil der Ruine mit den beiden freigelegten Chören und dem Altarsockel wird zum Schutz der archäologischen Befunde für Besucher gesperrt. Das Langhaus wird begehbar sein und soll als Eventfläche für Veranstaltungen wie Gottesdienste und Konzerte genutzt werden. Als Teil der touristischen Erschließung des Areals sollen außerdem Infotafeln und Modell des Bauwerks installiert werden, die Besucher über die Baugeschichte der ehemaligen Wallfahrtskirche aufklären.

Auszubildende des Hochtaunuskreises bei der dritten Sommeraktion

Damit es nach dem weitestgehenden Abschluss der archäologischen Untersuchungen mit den Sanierungsarbeiten rascher voran geht, fand nun die dritte Sommeraktion an der Kirchenruine Landstein statt. Diesmal hat es auch einige Auszubildende des Hochtaunuskreises ins idyllische Weiltal verschlagen. Gemeinsam mit Landrat Ulrich Krebs unterstützten sie Dr. Joachim Zeune und sein Team.

Bei der dreitägigen Aktion stand, neben der Befreiung der Ausgrabungsstätte von Moos und Unkraut, auch das Verfugen der Mauerreste auf dem Programm, um die freigelegten Strukturen gegen Witterung und andere schädliche Einflüsse zu schützen. Außerdem wurden Ausbesserungen an der Hangmauer aus dem 19. Jahrhundert vorgenommen.

Durch ihren tatkräftigen Einsatz an der Kirchenruine hatten die Auszubildenden die Möglichkeit, einen bedeutenden Teil der Taunus-Geschichte kennenzulernen und aktiv dazu beigetragen, ein Stück hessisches Kulturerbe für diese und spätere Generationen zu bewahren und erlebbar zu machen.

Eine interessante Arbeit, doch die Berufsentscheidung kommt nicht ins Wanken

Unter ihnen Alexandra Ledwon: „Ich fand die Arbeit hier sehr interessant.“ Jessica Ye und Monja Fischer meinten übereinstimmend: „Das ist eine Abwechslung zum Büroalltag“, und Zekman Zekmanov sagte: „Jetzt wissen wir, wie anstrengend eine solche Tätigkeit ist.“ So geht es auch Niklas Schäfer, Victoria Maurer und Alina Will, ebenfalls in der Überzeugung, dass das keine berufliche Alternative für sie sei. „Jetzt schätzen wir unseren Beruf sogar noch etwas mehr“, meinen die angehenden Verwaltungsfachangestellten bzw. die angehende Verwaltungswirtin lachend.

Dennoch ein Erlebnis, das zusammenschweißt und nicht nur den Auszubildenden sichtlich Freude bereitet hat. „Es war mir ein großes Anliegen, den Auszubildenden, die mit sehr viel Engagement bei der Sache waren, die Geschichte unserer Region ein Stückchen näherzubringen. Bei der gemeinsamen Arbeit vor Ort hat das natürlich besonders viel Spaß gemacht“, freut sich der Landrat über die wieder einmal erfolgreiche Maßnahme. Die nächste Sommeraktion kann also kommen.