Nach drei trockenen Sommern

Das Weidenbauprojekt in Wehrheim leidet

Von Petra Pfeifer – 12. April 2021

Wehrheim. Acht Jahre ist es mittlerweile her, dass Hannes Akman und seine Frau Anke Wehr mit erheblicher Unterstützung einen lang gehegten Traum umgesetzt haben: das Weidenbauprojekt, bestehend aus Pavillon und Turm. „Wir sind mit einem Modell rumgezogen, haben einen Informationsstand auf dem Weihnachtsmarkt gehabt und beim Jugend- und Sozialausschuss vorgesprochen“, erinnern sich die beiden an die unterschiedlichsten Werbetrommeln, die sie damals gerührt haben, um weitere Menschen dafür zu begeistern. In den Osterferien 2013 war es dann soweit. An elf Werktagen wurde das Baumaterial, das von verschiedenen Kopfweiden aus der Region stammte und vor der Brut- und Setzzeit geerntet werden musste, zu Bögen und Pfeilern verarbeitet: „Hierfür benötigten wir lange, gerade Triebe“, so der Schreiner und studierte Holzwirtschafter Hannes Akman. Dafür hatte er im Vorfeld unter anderem am Erlenbach und hinter Friedberg passende Bäume gefunden.

Die Bögen selbst galt es anschließend mit langen Stangen und reiner Muskelkraft aufzurichten. Rund 150 bis 200 Menschen wirkten letzten Endes beim Bau von Kuppel und Turm im Bizzenbachtal mit. „Es war eine tolle Aktion, an der sich die Leute in verschiedenster Form einbrachten“, erinnert sich Anke Wehr. Kalt sei es gewesen, daher war der Aufbau eines Zeltes und die Versorgung mit warmem Essen und Heißgetränken erforderlich: „Neben den Landfrauen kümmerten sich auch Privatleute darum.“ Zwei Garten- und Landschaftsbauer wiederum statteten die Bauherren und -frauen mit Fahrzeugen und Gerätschaften aus. Die Freiwillige Feuerwehr half beim Zusammenbinden der Turmspitze mit einem Hubwagen. (Anm. der Redaktion: Schöne Impressionen über den Aufbau des Weidenbaus finden sich in den beiden Filmen – Kurz- und Langfassung – von Jessica Büttel am Ende des Textes.)

Ein tolles Areal für Klassenfeste, Lichter- und Familienfeste

Während Hannes Akman im ersten Jahr das „lebende Gebäude“ alle zwei bis drei Tage mit jeweils tausend Liter Wasser aus einer landwirtschaftlichen Zapfstelle versorgte, stellte er diese Tätigkeit bald ein. Das konnte er in Hinblick auf das relativ feuchte Grundstück, das er wiederum von einem Freund für den Bau zur Verfügung gestellt bekommen hatte, guten Gewissens sein lassen. Der Weidenbau war angegangen. Überhaupt entwickelten sich das Projekt und die Ideen zur Nutzung des Areals im Sinne der Vordenker: „Hier haben seither Klassen- und Familienfeste stattgefunden.“ Gleichermaßen wurden Gottesdienste und Yoga-Kurse an Ort und Stelle abgehalten – oder völlig normale Picknicks. Gerne erinnern sich die beiden darüber hinaus an die Lichterfeste in zwei Wintern rund um die Sonnenwende. „Das einzige was nicht geht, ist eine ausschließliche Inanspruchnahme des Geländes, denn es soll für alle offen und nicht abgeriegelt sein“, so Anke Wehr. Und was sich als schwierig herauskristallisiert hat: „Größere kulturelle Veranstaltungen lassen sich hier schlecht planen“, so Hannes Akman. Das sei mal ausprobiert worden. Die irische Band „Shadows of the Glen“ sollte auftreten, doch ein kräftiger Regenschauer machte das Ausweichen in eine Halle notwendig: „Und wir können nicht immer einen alternativen Veranstaltungsort vorhalten.“

Die  Wasserknappheit ist sichtbar

Alles in allem zeigen sich Anke Wehr und Hannes Akman nichtsdestominder überaus zufrieden und spürbar glücklich über die rege Frequentierung und vielfältige Inanspruchnahme des Pavillons, zu dem sie sich einst von der Arbeit des Schweizer Architekten Marcel Kalberer inspirieren ließen. Doch die trockenen Sommer in den vorherigen drei Jahren haben Sorgen hervorgerufen. „Die Wiese ist nicht mehr so feucht, wie sie vorher war und der Bach führt selbst in regenreichen Jahreszeiten nur noch geringe Mengen Wasser“, stellte Hannes Akman fest. Daher helfe es nicht, wie schon einmal Gießkannen zur Verfügung zu stellen, damit Besucher die Weidenwurzeln gießen. Aufgrund der Überzeugung, dass die Weide derzeit leidet, wurde bei der zurückliegenden Pflegeaktion Anfang April nicht so viel Totholz herausgeschnitten wie zuvor angedacht: „Wir befürchteten, dass das die Vitalität noch mehr beeinträchtigen könnte.“ Leider ist die landwirtschaftliche Zapfstelle mittlerweile ebenfalls kein zuverlässiger Wasserlieferant mehr, weil deren Quelle gleichfalls weniger spendet. Letztlich bleibt den Freunden des in der Rhein-Main-Region bis heute einmaligen Projekts lediglich das Gleiche wie den Förstern im Wald zu tun übrig: „Wir können nur zugucken.“