„Einfach mal offline sein“

Das Format „Waldzeit“ ist bestens angekommen

Von Petra Pfeifer und Eckard Steffin – 15. Juni 2021

Oberursel/Weilrod. „Die ganze Aktion ist toll!“, lobte die Oberurselerin Barbara Soffner von ganzem Herzen und dürfte damit vermutlich die Gedanken der Besucher und Teilnehmer von „Waldzeit“ in knappe Worte gefasst haben. Ob gesprochene oder musikalische Vorträge, ob Kunstgenuss oder Führungen, Lama-Trekking oder Kräuterkunde, herrschte an allen Stationen auf dem Stadtgebiet und sogar dem einen im schönen Finsternthal beste Laune und große Freude, Kulturelles wieder gemeinsam zu genießen, über eine gelungen Auszeit in Wald, Feld und Flur.

Fotospaziergang entlang des Urselbachs

Insgesamt 20 Fotointeressierte zum Beispiel hatten sich angemeldet, um mit den Vertretern des Photo-Cirkels unter geltenden Hygiene- und Abstandsregeln einen Fotospaziergang entlang des Urselbachs zu unternehmen. Fast drei Stunden anstatt der ursprünglich vorgesehenen 90 Minuten hatten die Teilnehmenden Gelegenheit, dem Leiter des Photo-Cirkels, Winfried Binder, und seinen beiden Begleitern Günter Albrecht und Berthold Schinke Fragen aller Art zur Fotografie zu stellen und sich Tipps entlang der Wanderung geben zu lassen. „Besonders viele Fragen wurden zum Einsatz von Blende und Belichtungszeit für die Bildgestaltung gestellt“, verriet Günter Albrecht im Anschluss. Da die Teilnehmenden ermuntert wurden, einige ihrer auf der Wanderung geschossenen Bilder zur Veröffentlichung an den Verein zu senden, darf mit Spannung erwartet werden, was demnächst auf dessen Homepage zu sehen sein wird.

„Der Wald im Klimawandel“

Beate Steinfort-Krailing von der veranstaltenden Kultur- und Sportförderung Oberursel (KSfO) wiederum begrüßte die Teilnehmer an der Exkursion zum Thema „Wald im Klimawandel“. Dann übernahm Förster Luis Kriszoleit und verriet viel Wissenswertes zur Lage des Waldes. Zum Beispiel zeigte er Baumrinde, die vom Buchdrucker und vom Kupferstecher befallen sind: „Beides sind Borkenkäferarten, die meist an der Fichte auftreten. Wenn die Fichte genügend Wasser hat, kann sie die Schädlinge mit Harz umschließen und töten. Dies ist in den letzten Jahren für den Flachwurzelbaum nicht möglich gewesen. Etwa 25 Prozent des Waldes waren Fichten, die mittlerweile fast verschwunden sind.“ Hinzu gekommen seien die Schäden durch Wind und Starkregen.

„Im Oberurseler Stadtwald haben wir uns entschlossen, die entstandenen Freiflächen auf natürliche Art aufzuforsten“, so Kriszoleit. Dies geschehe durch viele niedrige, selbstaussäende Pflanzen und einige Einzelbäume, die noch Samen säen. „Zusätzlich findet einmal im Jahr eine Samensammelaktion statt, weil Eichelhäher und Eichhörnchen in solchen Flächen fehlen und daher durch den Menschen ersetzt werden müssen“, erläutert Kriszoleit, „das braucht natürlich seine Zeit“.

Überall positive Stimmung

Mit einer Open-air-Ausstellung begeisterte am Sonntag die Künstlergruppe PrismO sowohl zufällige vorbeikommende Spaziergänger als auch gezielte Besucher auf der Stierstädter Heide. Es war aber auch ein zu schöner Anblick, die gelungenen Arbeiten auf Leinwand und Porzellan bei herrlichstem Sonnenschein mit dem satten Grün von Wiese, Sträuchern und Bäumen im Hintergrund konkurrieren zu sehen. Sogar Staffeleien waren aufgebaut, weil die Künstlerinnen sich dazu entschlossen hatten, während der Aktion zu malen: „Das ist ein Novum“, verriet Barbara Scholz-Evans. Sie genoss gleichzeitig die Gespräche mit den Vorbeikommenden: „Man hat das Gefühl, als ob die Welt wieder aufwacht.“ Und Birgit Morgenstern, Leiterin der Gruppe, strahlte über „Waldzeit“: „Oberursel rockt – das sind ganz tolle Events.“ Darüber hinaus freute sie sich über die Stimmung unter den Besuchern: „Alle sind positiv eingestellt.“

Menschen sind eigen – Lamas aber auch

Ähnlich ging es auch Barbara Soffner, die übrigens beim Lama-Trekking von Isabel Saraber in Finsternthal teilnahm. Überwiegend Familien hatten sich hierzu angemeldet, Kinder sollten mal ganz natürlich Kontakt zu diesen Tieren aufnehmen können. Und ganz nebenbei gab es noch viele weitere Lerneffekte: „Durch ‚Waldzeit‘ haben wir gesehen, wie viel Abwechslungsreiches man in der freien Natur unternehmen kann.“ Über zweieinhalb Stunden hat so eine Tour mit den Vertretern der südamerikanischen Kamel-Art gedauert. Doch müde war anschließend niemand. „Das war super!“, schwärmte Jacqueline, die sich mit Lama Pino angefreundet hatte. „Jedes Tier hat seine Eigenheiten“, hat Lea gleich zu Anfang von Isabel Saraber gelernt. Demensprechend seien auch die Lamas den Menschen zugeordnet worden. Und wie sind sie so? „Micha ist in Ordnung“, meinte der achtjährige Moritz, Lea wiederrum recht zickig, fand die elfjährige Xenia. „Die Mia ist ziemlich verfressen und sucht sich überall die besten Sachen raus“, verriet der neunjährige Julius. Und eine Mutter resümierte lächelnd: „Das ist ein schöner Weg, der auch für lauffaule Kinder gut zu schaffen ist – und wir sind einfach mal offline.“

Gleiches Format, neue Titel – für Herbst und Winter ist Ähnliches geplant

Andrea Einig von der KSfO verriet im Anschluss an „Waldzeit“: „Wir sind zusammen mit den anderen Veranstaltern wie Musikschule, BKK BVO oder Taunushöhe sehr zufrieden mit dem neuen Format.“ Auch „Ratte Remmer“ habe beim Geschichtenerzählen mit ihrem Charme gepunktet und die Kräuterführung mit Renate Messer im Vortaunusmuseum sei wie zu erwarten ausgebucht gewesen, zur Wanderung zum Sonnenaufgang auf den Altkönig hätten sich 19 Personen auf den Weg gemacht, das Konzert an der Uhlandsruh hätten sowohl Angemeldete als auch Passanten genossen und bei der Taschenlampenwanderung wollten ebenfalls viele Bürger dabei sein. Auf jeden Fall: „Wir freuen uns, dass wir die Leute erreicht haben und es ist ein Format, das wir beibehalten werden“, so Andrea Einig. Unter anderen Arbeitstiteln seien solche Veranstaltungen bereits für September und Dezember vorgesehen.