Konkave Formen und trockener Brunnen symbolisieren Trauer

Eine Tafel weist nun auf die Denkmalwürdigkeit der Trauerhalle hin

Von Petra Pfeifer – 16. Mai 2021

Kelkheim. Bereits im Jahr 2007 hat das Landesamt für Denkmalpflege Hessen die Denkmalwürdigkeit der 1972 gebauten Trauerhalle am Hauptfriedhof Kelkheim festgestellt und in der Denkmaltopographie „Main-Taunus“ ausgewiesen, da es hierin ein hervorragendes Beispiel der späten Nachkriegsmoderne und ein bauhistorisches Kulturdenkmal sieht. Jetzt wurde anlässlich der Erneuerung manch anderer Erinnerungstafeln in der Stadt eine Denkmaltafel an der Trauerhalle angebracht – eine gute Gelegenheit, sich einmal wieder des Architekten Friedrich E. Rosenberg (1925-2002) und seines Wirkens zu erinnern. Gekommen sind hierzu die beiden Kinder Aspe und Mark Rosenberg, Bürgermeister Albrecht Kündiger und die Kulturreferentin Dr. Beate Matuschek, die auch den Text für die Tafel verfasste. Dieser wiederum basiert auf ihrem Artikel zur Trauerhalle im Jahrbuch des Main-Taunus-Kreises 2001.

Friedrich E. Rosenberg war ein großherziger und motivierender Mentor

„Wir haben hier in der Region die schönste Trauerhalle, das betrifft sowohl den großzügigen Bau als auch die Funktionalität“, so Albrecht Kündiger, der sich gleichzeitig sehr gerne an den Architekten erinnert: „Er war Kunstliebhaber, der sich sehr in Kelkheim eingebracht hat.“ Als solcher habe er sich in vielen Belangen verdient gemacht. So zählte er zu den Gründern des Förderkreises für Denkmalpflege im Main-Taunus-Kreis und als Mitglied des Denkmalbeirats des Main-Taunus-Kreises habe er sich für die Erhaltung alter Bausubstanz in Kelkheim und der Region eingesetzt. Darüber hinaus habe er maßgeblich dabei geholfen, das Alte Rathaus Münster nicht abzureißen und eine Dokumentation von Denkmälern für die Denkmaltopographie „Main-Taunus“ des Landesamtes für Denkmalpflege erstellt. Zusammen mit seiner Frau habe Friedrich Rosenberg außerdem bei der Gründung der Musikschule, der Bücherei und der Kulturgemeinde mitgewirkt. „Für alle Kulturaktiven war er ein großherziger und motivierender Mentor, für manche aber auch ein unbequemer Geist“, so Kündiger schmunzelnd.

Das Besondere an der Architektur hebt die Kulturreferentin hervor: „Eine u-förmige Ummauerung der Vorplätze umschließt auch die Ost- und Westseite der Trauerhalle, die markanten Mauerläufe sollen die Trauernden von Wind und Verkehr abschirmen. Glaswände leiten in die Natur über und lassen den Andachtsraum als Durchgangsraum zum Grab der Verstorbenen aber auch vom Diesseits und Jenseits erscheinen. Konkave Formen sollen – laut Architekt – Trauer ausdrücken: so das Kreuz am Ausgang der Trauerhalle, die ‚hängenden‘ Linien des Daches und die Prägemuster der Betonmauern, die durch Guss mit verschiedenen Hölzern erzeugt wurden. Ein trockener Brunnen, der bei Regen vom Wasser des Daches gespeist wird, verweist auf Tränen, immergrüne Pflanzen auf ewiges Leben.“

Großes Vorbild: Frank Lloyd Wright

Die Konzeption sei der Formensprache des bekannten amerikanischen Architekten Frank Lloyd Wright (1867-1959) entlehnt, den Rosenberg bewunderte und von dem er sich während seines Aufenthaltes in Denver/Colorado (1943-1963) dazu inspirieren ließ, mit und in der Natur zu arbeiten.

Mark Rosenberg begleitete seinen Vater hin und wieder zur Baustelle. Der Vater ermunterte den Jungen, sich selbst auch einzubringen: „Jedes Formteil in der Betonmauer ist neu konstruiert worden und er forderte mich auf, den ein oder anderen Gegenstand hineinzulegen.“ Dabei habe es sich zum Beispiel um Äste und Gehölz aus dem Abraum gehandelt, die in Beton gegossen wurden: „Wichtig war der richtige Zeitpunkt zu wählen, sie wieder abzulösen.“ Aspe Rosenberg verrät darüber hinaus lächelnd: „Auch unsere Namen sind in der Mauer zu finden.“ Aber wo, das wollen die Geschwister nicht verraten.