„Herrgottspetzerbrunnen“ klappert wieder

Münsterer Brunnen hat neues Rad bekommen

Von Petra Pfeifer – 24. Mai 2021

Kelkheim. „Es klappert…“ – in diesem Fall nicht die Mühle am rauschenden Bach, doch das Mühlrad im Münsterer Brunnen ist seit wenigen Tagen wieder ein Spielzeug des sprudelnden Wassers. Es ist ein neues Mühlrad, da das ursprüngliche, im Jahr 2000 gefertigte, in den letzten Jahren immer wieder reparaturbedürftig war. Zur Einweihung gekommen sind Bürgermeister Albrecht Kündiger, der ehrenamtliche Stadtrat Heinz Kunz, Stefan Grams, Betriebsleiter des Bauhofes, Kulturreferentin Dr. Beate Matuschek, Peter Piesch, Vorsitzender der Bürgervereinigung Alt-Münster, sowie die Künstlerin Claudia Pense, die vor über 20 Jahren den Brunnen geschaffen hat.

Es ist ein kurzweiliger Termin, bei dem sich an so einiges erinnert und auch viel geschmunzelt wurde. Während der Bürgermeister seine Hoffnung äußerte, dass an Ort und Stelle bald wieder Feste gefeiert werden können, kündigte Peter Piesch an, dass die Bürgervereinigung in der nächsten Zeit noch für die Reinigung und ein paar Reparaturen auf dem Platz sorgen wolle. Ein besonderes Augenmerk wird dann auch auf den von fünf Sitzbänken liegen, die den Brunnen umrahmen. Jede von ihnen trägt übrigens ein Symbol für einen typischen Beruf, den die Bewohner von Münster früher ausübten: Bauer, Schmied, Ziegler, Töpfer und Chemiker.

Gerne erinnerte Dr. Beate Matuschek an die Zeit, in der die Installation des Brunnens in Angriff genommen wurde: „1997 wurde dieser Brunnen ausgeschrieben, insgesamt 14 Vorschläge gingen ein, von denen vier in die engere Wahl kam.“ Die Bürgervereinigung habe 1998 eine Bürgerabstimmung gemacht und mit 500 Stimmen habe die Kelkheimerin Claudia Pense den Zuschlag bekommen. Die Einweihung auf dem mit 500.000 DM neu gestalteten mit roten Pflastersteinen versehenen Platz fand schließlich am 17. Juni 2000 statt. Der Brunnen selbst habe 109.826,55 DM gekostet.

Den Namen „Herrgottspetzerbrunnen“ wiederum habe ihm die Bürgervereinigung gegeben. Denn dass das Mühlrad eine starke Assoziation an das „Mainzer Rad“ im Wappen des Kurfürstentums Mainz darstellt, erinnert an den alten Spitznamen „Herrgottspetzer“ der Münsterer. Von ihnen heißt es, dass sie „wegen ihrer guten Beziehung zum Himmel und ihrer katholischen Frömmigkeit“ so genannt wurden. Ein willkommener Moment, auch an die anderen Spitznamen für die Bürger der unterschiedlichen Kelkheimer Stadtteile zu erinnern: Ruppscher Raupen, Fischbacher Hanseklinger oder Kelkheimer Hochsaacher.

Claudia Pense erinnert sich im Verlauf der Wiedereinweihung auch heute noch gern an diesen Auftrag: „Es ist natürlich toll, als Kelkheimerin in der eigenen Stadt etwas zu schaffen.“ Sie freut sich außerdem, dass das neue Mühlrad dem von ihr gewählten wieder sehr ähnlich ist. Hierfür konnte Stefan Grams gemeinsam mit ihr und der Kulturreferentin einen Mühlenbauer finden, der die Ausführung in Eichenholz umsetzte: „Das war gar nicht so einfach“, versichert Dr. Beate Matuschek.

Bürgermeister Albrecht Kündiger mit einem Blick in die Runde: „Der Münsterer Brunnen ist für den „Dalles“ der Mittelpunkt. Hier trifft man sich zu einem Plausch und verweilt. Das Ensemble mit dem Alten Rathaus, den umliegenden Fachwerkhäusern und der Pfarrkirche St. Dionysius runden diese besondere historische Szenerie ab. Hier fühlt man sich wohl.“

„Klipp, klapp, klipp, klapp, klipp, klapp.“

Über die Künstlerin:

Der Brunnen in Kelkheim-Münster wurde im Jahr 2000 von der Künstlerin Claudia Pense erschaffen und mit den drei Monolithen zeigt sich hier der rote Faden, der sich durch ihr Werk zieht: der Stein, mit dem sie nicht nur als Material, sondern auch als Medium arbeitet.

Dabei ist sie immer auf der Suche nach neuen Wegen um mit diesem klassischen Bildhauermaterial umzugehen. Sie arbeitet mit Stein als Fels, Kiesel und Staub, immer im Dialog mit anderen Materialien.

Bei ihren Werkgruppen „Duade“ (Basalt-Metall) und „En Deux“ (Sandstein-Metall) ist der Dialogpartner Metall. Fragen des Miteinander wie „wer durchdringt wen, wer ist der Stärkere?“ und: „Wer beeinflusst wen? Wer zieht wen in welche Richtung?“, stehen hier im Raum.

Basalt-Metall sind auch die Materialien des Taufsteins der Kirchengemeinde St.Johannes in Kelkheim-Fischbach, den Claudia Pense konzipierte und umsetzte. Weitere ihrer Arbeiten, die sich im öffentlichen Raum in der Region finden lassen, sind „system“ auf der Skulpturenwiese Kelkheim, „Römersäule“ am Landratsamt Hofheim und „Fraktil“ am Neuen Stadthaus in Gießen.

Mit Steinstaub übrigens arbeitet die Künstlerin in ihrem Projekt mit einem Musiker, das den Titel „sound’n’stone“ trägt. Hier wird der Steinstaub durch Klang in Bewegung gesetzt. Videoprojektionen auf den sich bewegenden Steinstaub lassen diesen in neuen Kontexten und Welten unterwegs sein.

Website: www.claudia-pense.de