Zum Testen motivieren

Ergebnisse eines Bad Homburger Test-Zentrums

Von Eckard Steffin

30. April 2021

Bad Homburg. Die Stadt unterstützt die Arbeit in den Corona-Schnelltestzentren im Stadtgebiet. Hintergrund ist die Überzeugung, dass neben der laufenden Impfkampagne auch ein gutes Testkonzept dazu beiträgt, die Pandemie in den Griff zu bekommen. „Wir wollten weg von dem Mechanismus aus wechselnden Lockdowns und anschließenden Lockerungen“, erklärt Oberbürgermeister Alexander Hetjes. Die Gesundheit der Bürger*innen spielen bei allen Überlegungen an erster Stelle. „Aber diese Aspekte lassen sich am besten durch ein durchdachtes Testkonzept gewährleisten“, so Hetjes weiter. „“Tests unterbrechen die Infektionsketten“, ergänzt Gesundheitsdezernentin Lucia Lewalter-Schoor.

Die Geschäftsführerin des medizinischen Reha-Zentrums neuroneum in Bad Homburg stellte erste Ergebnisse der Tests vor. Zu berücksichtigen sei, dass das Virus übertragen werden könne, bevor jemand Symptome entwickele. Das bedeute, je früher eine Infektion bei einem Menschen entdeckt werde, um so früher werde seine Infektionskette unterbrochen und um so kleiner sei die Zahl der durch ihn Infizierten. Das wiederum vereinfache die Nachverfolgung von Kontaktpersonen und führe somit zu einer Entlastung der Gesundheitsämter.

Positivrate unter einem Prozent

Müller-Eising führte aus, dass „die bisherigen Daten haben wichtige Erkenntnisse zu Tage gefördert. 80 Prozent der über 8000 Personen, die sich in den vergangenen Wochen im Testzentrum am Kurhaus haben testen lassen, hatten zuvor noch nie einen Corona-Test gemacht. Die Positivrate unter den Getesteten liegt bei unter einem Prozent. Das an vielen Orten zu beobachtende Ansteigen der Neuinfektionen im Zuge der dritten Welle hätte jedoch einen Anstieg der Positivrate erwarten lassen.“ Dass dem nicht so ist, lege die Vermutung nahe, dass das Pandemiegeschehen primär nicht von denjenigen bestimmt werde, die sich freiwillig und ohne besonderen Anlass testen ließen. Vielmehr gelte es, auch die Bevölkerungsgruppen zum Testen zu motivieren, die bislang nicht freiwillig in die Testzentren gekommen seien.

Wichtig sei es, dass alle die freiwilligen kostenlosen Tests wahrnehmen. Lewalter-Schoor ergänzt, dass die Schulkindbetreuung im Hort nach den Vorgaben des Landes Hessen nur stattfinden könne, wenn die Schüler*innen negativ getestet worden seien.

Künftig Testpflicht in den städtischen Kindergärten?

Aktuell prüft die Stadtverwaltung, ob in den städtischen Kindertagesstätten nicht auch eine Testpflicht umgesetzt werden könne. „Schon jetzt ermuntere ich auch Eltern von kleineren Kindern, diese auf freiwilliger Basis testen zu lassen. Die Testzentren sind darauf entsprechend eingestellt“, so die Stadträtin. Bei den Ferienspielen habe die Stadt sehr gute Erfahrungen mit Schnelltests gemacht. Lewalter-Schoor: „Der überwiegende Teil der Eltern hat von dem Angebot Gebrauch gemacht, seine Kinder testen zu lassen. So ist es während der Ferienspiele zu keinerlei Infektionsgeschehen gekommen. Das macht uns Mut, diesen Weg weiterzugehen.“

Zudem bereite die Stadt Corona-Informationen in unterschiedlichen Sprachen vor. In den Schnelltestzentren habe sich herausgestellt, dass gerade bei Mitbürger*innen, die sich nicht regelmäßig über Nachrichtenkanäle über die Pandemie informierten, noch ein hoher Beratungsbedarf bestehe. „Es ist sehr wichtig, alle Bürgerinnen und Bürger mit Informationen über das Virus zu versorgen. Dabei dürfen wir keinen Kommunikationsweg auslassen“, sagt Lewalter-Schoor. Sie weist darauf hin, dass in Flüchtlingsunterkünften oder Einrichtungen von Obdachlosen ein hohes Verständnis für Quarantänemaßnahmen bestehe.

Stadt arbeitet an einem Konzept für eine schrittweise Öffnung

Unabhängig von der aktuellen Teststrategie arbeitet die Stadtverwaltung auch an einem Konzept für eine schrittweise Öffnung von Einzelhandel und Gastronomie. „Citymanagement, Wirtschaftsförderung, Stadtmarketing und weitere Fachbereiche im Haus beschäftigen sich seit längerem mit dieser Thematik. Wir bereiten uns intensiv auf den Tag X vor“, erklärt Oberbürgermeister Hetjes. Die vom Bundestag beschlossene „Notbremse“ eröffne dem Einzelhandel zunächst wieder neue Möglichkeiten – zumindest solange die Inzidenz unter dem kritischen Wert von 150 liegt. „Wir sind jederzeit, auch ganz kurzfristig, in der Lage, weitere Testzentren in der Innenstadt zu eröffnen“, so der Rathauschef. Er sei von der neuen Regelung für den Einzelhandel zwar überrascht worden, begrüße diesen Ansatz aber.