Leben gerettet und Verbrecher gefasst

Couragierte Bürger des Kreises im Landratsamt ausgezeichnet

Landrat Michael Cyriax (re.) und Polizeidirektor Urban Egert (Mittlere Reihe, 2. v. li.) mit den Geehrten und den Bürgermeistern von Eschborn, Liederbach und Eppstein. Foto: Eckard Steffin

Hofheim, 17. Juli 2021

Main-Taunus-Kreis (ut/es). Menschenleben gerettet und Verbrecher gefasst: Dafür haben sich nach Angaben von Landrat Michael Cyriax Bürger*innen verdient gemacht, die jetzt für ihren Einsatz ausgezeichnet wurden. Gemeinsam mit Polizeidirektor Urban Egert ehrte Cyriax die Personen im Namen des Vereins „Bürger und Polizei“, dem der Landrat vorsteht. Die Geehrten kommen aus Eppstein, Hofheim, Eschborn, Eppstein, Hochheim, Kriftel und Liederbach. „Sie alle haben nicht zugesehen, sondern zugepackt und gehandelt und auf diese Weise einen Beitrag zur Sicherheit im Main-Taunus-Kreis geleistet“, so Cyriax. Wie Egert hervorhebt, liefern sie ein Beispiel, „wie jeder jederzeit in die Lage kommen kann, andere Menschen vor Gesundheitsschäden und Verbrechern zu schützen“.

Lukas Glöckner

Der Eppsteiner Lukas Glöckner hat eine Seniorin bei einem Brand vor Verletzungen bewahrt oder ihr möglicherweise das Leben gerettet. Polizeiangaben zufolge war im Haus der Frau in Hofheim-Marxheim ein Feuer ausgebrochen. Die Frau flüchtete auf den Balkon und wurde dort von Glöckner gesehen, der als Handwerker in der Nachbarschaft arbeitete. Er nahm eine Leiter und stieg zu der Frau hinauf und hielt sie davon ab, ins brennende Haus zurückzugehen. Während er den Balkon mit einer Verletzung durch Rauchgase über die Leiter wieder verlassen konnte, wurde die Seniorin mit einer Drehleiter von der Feuerwehr gerettet. „Der Retter hat nicht nur Geistesgegenwart gezeigt, sondern auch riskiert, dass er beim Einsatz für andere selbst zu Schaden kommt“, hebt Cyriax hervor.

Kaya Gür

Einen Freitod hat Kaya Gür aus Hofheim verhindert. Wie der Handwerker berichtet, arbeitete er auf einem Baugerüst an einem Mehrfamilienhaus in Eschborn. Dabei entdeckte er eine junge Frau, die sich offenbar an dem Gerüst erhängen wollte. Gür wählte den Notruf, redete beruhigend auf die Frau ein, und er konnte sie von dem Vorhaben abbringen. Sie wurde anschließend in eine Klinik gebracht. „Das war menschliche Hilfe in höchster menschlicher Not – vorbildlich“, lobt der Landrat.

Rolf Münch

Rolf Münch aus Eschborn hat geholfen, einen Schläger zu überführen. Den Angaben zufolge hatte der 82-Jährige beobachtet, wie ein Mann in der Berliner Straße eine Frau auf dem Gehweg offenbar ohne Anlass ins Gesicht schlug. Der Senior folgte dem Täter und alarmierte die Polizei, die den Mann festnehmen konnte. Dabei wurde der Helfer leicht verletzt, außerdem einer der eingesetzten Polizisten. „Senioren werden in der Kriminalstatistik häufig als Opfer von Betrügereien dargestellt“, so der Landrat. „Hier ist ein Beispiel, wie ältere Bürger auch unter Risiken für die eigene Gesundheit einen Beitrag zur Sicherheit für andere leisten können.“

Alexander Piendl

Als ein Mann eine Frau angegriffen hat, schritt Alexander Piendl aus Eschborn ein. Wie der Zeuge berichtet, hatte er die Szene spätabends auf einem Fußweg am Bahnhof Eschborn-Süd beobachtet und hielt den Täter mit Rufen von sexuellen Übergriffen ab. Er verfolgte den Mann, kam dann aber zu der Frau zurück, um sich um sie zu kümmern. Nach intensiven Ermittlungen konnte Polizeiangaben zufolge ein Tatverdächtiger ermittelt und festgenommen werden.

Aleksandr Fiks

Mit Hilfe von Aleksandr Fiks aus Liederbach konnte ein Autofahrer ermittelt werden, der seinen Angaben zufolge zuvor einen Radfahrer verletzt hatte. Demnach hatte ein Mann in Eschborn den Radler gerammt und danach Fahrerflucht begangen. Fiks verfolgte den Verdächtigen mit dem Wagen und alarmierte die Polizei, die ihn dann auch anhalten konnte. Bei dem Fahrer wurde ein hoher Alkoholgehalt im Blut festgestellt.

Nora Bourfed und Zenebe Moutawakil

Bei einem offenbar rassistisch motivierten Vorfall in Hochheim schritten Nora Bourfed und Zenebe Moutawakil couragiert ein. Ihren Angaben zufolge wurden zwei Jugendliche abends an einer Bushaltestelle von drei älteren Leuten beleidigt. Die Geehrten nahmen die Beleidigten in Schutz; dabei wurde die 30-Jährige Bourfed von einem 74-jährgen Mann ins Gesicht geschlagen und in den Bauch getreten. Die Frau alarmierte die Polizei, die nun wegen gefährlicher Körperverletzung, Volksverhetzung und Beleidigung ermittelt. Cyriax zeigt der Vorfall, „dass Rassismus bei uns im Main-Taunus-Kreis keinen Platz haben darf.“

Alexandra Abel, Dirk Abel und Frank Redant

Eine Einbruchserie aufzuklären, dabei haben Alexandra Abel, Dirk Abel und Frank Redant aus Eppstein geholfen. Ihren Angaben zufolge hatten sie eines Abends in Vockenhausen zwei Männer beobachtet, die sich an einem Gewerbegebäude verdächtig verhielten. Sie notierten sich das Kennzeichen an deren Auto und informierten die Polizei. Zudem gingen Dirk Abel und Frank Redant zu dem potenziellen Tatort, um nach dem Rechten zu sehen. Jedoch waren die mutmaßlichen Einbrecher bereits verschwunden. Im Zuge der weitreichenden Ermittlungen gerieten nicht nur die beiden Tatverdächtigen, sondern auch zwei ihrer Komplizen in das Visier der Polizei. Sie stehen im Verdacht, insgesamt 18 Einbrüche begangen zu haben, teilweise bis weit über die Rhein-Main-Region hinaus.

Stefan Gleißner und Michaela Hoffmann

Die Lebensmittelgeschäft-Mitarbeiter Stefan Gleißner aus Kriftel und Michaela Hoffmann aus Hofheim haben eine 83-jährige Frau vor einem größeren Vermögensschaden durch Betrüger geschützt. Die Täter hatten von der Seniorin aus Hattersheim bereits mit einer telefonischen Masche mehrere tausend Euro erbeutet. Sie wurde mit einem Gewinnversprechen animiert, angebliche Gutscheinkarten diverser Unternehmen zu kaufen und die Codes dann an die Kriminellen zu übermitteln. Bei einem weiteren Kauf in einem Geschäft, wurden Hoffmann und Gleißner misstrauisch und alarmierten die Polizei; so konnten weitere Betrügereien bei der Frau verhindert werden. „Seien Sie stets skeptisch, wenn Ihnen jemand am Telefon einen angeblichen Gewinn verspricht“, rät Polizeidirektor Egert.

Wachsamkeit und Hilfsbereitschaft wicht für Verbrechensvorbeugung

Die Geschäftsführer des Präventionsrates Main-Taunus nehmen die Fälle zum Anlass, darauf hinzuweisen, wie wichtig Verbrechensvorbeugung ist: Dazu könnten nicht nur sichere Zugänge am Haus, sondern ganz allgemein tägliche Wachsamkeit und Hilfsbereitschaft beitragen. Zur Ehrung im Landratsamt waren auch Vertreter der lokalen Präventionsräte eingeladen worden. „Das ist ein ehrenamtliches Netz, das einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit im ganzen Kreis leistet“, fasst Cyriax zusammen.