„Die Magie des Scheinbaren“

Fotografien von Peter Braunholz auf der Burg Kronberg

Von Petra Pfeifer – 25. Mai 2021

Hochtaunuskreis / Kronberg. Der Hochtaunuskreis hat am Samstag, 22. Mai, auf Burg Kronberg die erste Kunstausstellung der Taunus-Galerie in dieser Saison eröffnet. Zu sehen sind unter dem Titel „Die Magie des Scheinbaren“ Fotografien von Peter Braunholz, einem auch international renommierten deutschen Fotokünstler. „Wir haben lange darauf hingearbeitet und auch hingezittert“, meinte Gregor Maier, Fachbereichsleiter Kultur im Landratsamt, hinsichtlich der erst kürzlich erfolgten Lockerungen der Corona-Auflagen. Gleichzeitig freute er sich, dass im Rheinberger Saal erstmals eine Fotografie-Ausstellung realisiert wurde, und mit Peter Braunholz ein in Kronberg ansässiger Fotokünstler gewonnen werden konnte, der noch dazu „zu den besten und anerkanntesten Deutschlands zählt“. Damit seien Regionalität und Internationalität gleichzeitig verwirklicht worden.

Mal Anschauung, mal Kunst

Die Einführung in die Schau begann der Journalist Christoph Schütte mit einem Gedicht von Robert Gernhardt: „Dich will ich loben, Hässliches – Du hast so was Verlässliches…“. Sogleich aber versicherte er, dass er die Bilder von Peter Braunholz nicht als hässlich bezeichnen wolle oder dass sie etwas Hässliches zeigten: „Ich persönlich finde sie sogar sehr schön.“ Doch: „Sie sind nicht schön im herkömmlichen Sinne, nicht einmal pittoresk. Nicht anekdotisch, nicht romantisierend, nicht beschönigend. Im Gegenteil. Die Welt, sie erscheint in den Arbeiten von Peter Braunholz zunächst einmal vor allem spröde.“ Erzählerisch seien sie, der Mensch, auch wenn er nie zu sehen ist, stünde im Mittelpunkt: „Das Banale, Alltägliche ist Peter Braunholz‘ Thema. Und das Wunder ist: Hier ist es alles andere als das. Im Bild wird es ganz im Gegenteil Ereignis.“ Dabei seien diese Bilder, die genau das zeigten, was die Kamera gesehen habe, nicht nur das Zeugnis eines Sachverhalts: „Mal sind sie Anschauung, mal sind sie aus der Welt der Kunst.“ Das betreffe weniger die Wahl der Motive. Christoph Schütte: „Der Blick aber, die Lakonie, die aus diesen Bildern spricht, der Ton, den sie anschlagen, der klingt vertraut.“

Eine Auswahl aus mehreren Serien

Gezeigt werden auf der Burg Kronberg eine Auswahl aus mehreren Serien, die Peter Braunholz in den vergangenen Jahren geschaffen hat. Eine dieser Serien trägt den Titel „Ecken“ und zeigt Ecken von Hausfassaden, die das Modellhafte im gemeinsamen Raum hervorheben und sowohl „um die Ecke“, wie zum Beispiel in Schwalbach oder Frankfurt, entstanden sind, oder auch in der Wetterau oder Österreich.

In „Topophilia“ hat sich der Fotograf über einen Zeitraum von vier Jahren wiederum mit ganzen Straßenzügen in allen Ländern Europas beschäftigt: „Es gibt manche Straßenzüge, die sich in vielen Ländern Europas gleichen. In manchen Ländern sind sie jedoch überhaupt nicht anzutreffen.“ Zum Beispiel in Polen seien diese von ihm gewählten nur sehr schwer und wenn überhaupt nur in kleinen Vororten und nicht in Dörfern zu finden. Und über allem immer die Frage: „Wie erreiche ich, dass diese Bilder als Serie funktionieren?“

Dann wieder eine ganz andere Sicht auf die Welt bei „Individualization“: „Als ich diese Aufnahmen machte, habe ich sie schon als Skulpturen vor mir gesehen.“ Es sind Aufnahmen von benachbarten Hauseingängen der berühmten Ernst-May-Siedlung in Frankfurt-Praunheim. Montiert auf Holz und entsprechend ausgeschnitten wurde aus den zweidimensionalen Aufnahmen wieder dreidimensionale Gegenstände. Darüber hinaus: „Schon an der Gestaltung der Eingänge lässt sich erahnen, wie gut die Nachbarn miteinander harmonieren“, schmunzelt Peter Braunholz. Mal sind Haustüren, Fassadenfarben oder Dekorationen aufeinander abgestimmt, mal passen sie überhaupt nicht zueinander.

Viel Spaß macht es dem Fotografen offensichtlich auch, Betrachter mit den beiden Bildern der Serie „Parallel Nature“ – eines ist das Titelmotiv zur Ausstellung – zu verwirren. Dabei handelt es sich um die Aufnahmen von Spiegelungen im Wasser, bei deren Entstehen die Kamera auch noch auf dem Kopf stand.

Öffnungszeiten

Die Schau wird bis zum 8. August gezeigt. Der Besuch ist zu den Öffnungszeiten der Burg möglich – pandemiebedingt zurzeit nach Voranmeldung unter www.burgkronberg.de –, diese sind: mittwochs bis freitags von 13 bis 17 Uhr, samstags von 13 bis 18 Uhr sowie sonn- und feiertags von 11 bis 18 Uhr. Der Besuch der Ausstellung ist im Eintrittspreis der Burg enthalten.

Über den Künstler:

Peter Braunholz, der 1963 in Hannover zur Welt kam, wuchs in einer Musikerfamilie in Frankfurt auf und war zunächst als Gitarrist (etwa mit Patricia Kaas) und Gestalter unterwegs, bevor er sich 1999 der Fotografie zuwendete. Denn schon seit seiner Jugend interessierte er sich für die sogenannte Wirklichkeit und wie wir sie wahrnehmen. Visuelle Wahrnehmung bedeutet für ihn nicht nur bloßes Sehen, sondern auch Etwas-Für-Wahr-Nehmen, für wahrhaftig halten, als Realität akzeptieren. Analytisches und fühlendes Sehen spielt bei der Entstehung seiner Bilder eine große Rolle.

Bereits in seiner ersten Ausstellung in Köln wurden seine frühen Werke den Arbeiten international renommierter Kollegen wie Andreas Gursky, Candida Höfer und Thomas Ruff gegenübergestellt. In der Folge stellte Peter Braunholz seine Arbeiten weltweit auf Kunstmessen, in Galerien, Kunstvereinen sowie in Kunsthäusern aus, u. a. im Museé du Louvre Paris, Arsenale di Venezia, Kunst Haus Wien – Museum Hundertwasser, Benaki Museum Athen, Museum Sinclair-Haus Bad Homburg, Museum Birmingham, Museum Osnabrück und SF Camerawork San Francisco.

Website: www.peterbraunholz.de