Eine Wandersfrau auf dem Fernweg zum Bodensee – Teil 1

Jennifer Leuchtmann ist unterwegs auf dem E1

Von Petra Pfeifer, 13. September 2021

Schmitten (pit). Jennifer Leuchtmann ist gelernte Erzieherin und selbständige Natur- und Umweltpädagogin, außerdem Waldbadepädagogin und Kinderyogalehrerin. Darüber hinaus ist sie aber auch begeisterte Wanderin und hat schon so manche Projekte in dieser Hinsicht verwirklicht oder ins Auge gefasst.

Eine für sechs Wochen angelegte Langstreckenwanderung nach England im Jahr 2015 hat sie allerdings nach zehn Tagen beendet: „Ich kam mit dem Alleinsein nicht klar, deswegen habe ich die Tour damals abgebrochen.“ 2019 habe sie jedoch eine mehrtägige Wanderung von Lübeck nach Fehmarn realisiert. Die sei vollkommen positiv verlaufen: „Es ist toll, wie viele hilfsbereite Menschen man dabei trifft.“ Irgendwann ist sie dann auf den Fernwanderweg E1 aufmerksam geworden, der in seiner gesamten Länge von Flensburg nach Konstanz verläuft: „Da dachte ich, das ist doch auch schön, mal durch Deutschland zu ziehen und alles per Pedes zu sehen.“ Doch dafür braucht man Zeit, „und als Erzieherin ist es schwierig, mehr als drei Wochen Urlaub zu bekommen“. Losgelassen hat sie Idee nicht und mittlerweile hat sie sich selbständig gemacht.

Endlich auf dem E1 unterwegs

Daher war für sie nun ein guter Zeitpunkt gekommen, einen neuen Versuch in Richtung Fernwanderweg zu wagen – auf dem E1. Jedoch nicht von Schmitten aus startend, sondern ab Darmstadt. „Frankfurt und den Stadtwald möchte ich mir aussparen und lieber dort anfangen, wo alles neu und somit abwechslungsreich für mich ist“, erklärte Jennifer Leuchtmann im Vorfeld. In diesem Zusammenhang verriet sie ebenfalls: „Es gibt keine fixen Stationen für die Tour, ich habe ein Leichtzelt und einen Gaskocher dabei.“ Darüber hinaus hat sie sich fürs Erste mit Nüssen, Käse, Brot und Reis für die Mikrowelle eingedeckt, der rasch zubereitet ist.

Sechs Tage sind jetzt seit ihrem Aufbruch vergangen. Heute Morgen meldete sie sich – wie zuvor vereinbart – in der Redaktion von „Unser Taunus“, um einen ersten Etappenbericht durchzugeben. Vergnüg klingt sie und sie bestätigt: „So geht es mir auch!“ Am Sonntagmittag sei sie jedoch nicht so guter Stimmung gewesen. Grund waren mangelnde oder gar verrutschte Wegschilder und falsche Hinweise von Spaziergängern: „Ich bin viel im Zickzack gelaufen und habe jetzt eine Blase am Fuß.“ Aber das ist Schnee von gestern – und immerhin gab es gegen Abend eine Aufheiterung: „Eine Dame bot mir an, in ihrem Garten zu campen.“ Bei ihr habe sie auch duschen können.

Die Hilfsbereitschaft ist groß

Übrigens nicht die erste Einladung: „Am Samstagmorgen bin ich vom E1 runter, um  etwas einzukaufen.“ Die Klänge eines Blasorchesters hätten sie in Neuenbürg zur Kirche geführt und als sie die Wiese daneben erblickte, dachte sie schon, das sei ein guter Platz für ihr Zelt. Daher klingelte sie am benachbarten Haus, um nach der Erlaubnis zu fragen. „Da ist eine regelrechte Telefonkette losgegangen“, lacht Jennifer Leuchtmann. Zunächst hatte sie die Erlaubnis, in der Kirche zu nächtigen. Immer wieder hätten Menschen an die Pforte geklopft, weil sie ihr etwas Gutes tun wollten. Es gab eine Einladung zum Abendessen und schließlich bot einen andere Dame ihr an, bei ihr im Haus zu nächtigen: „Sie war selbst schon oft auf Fahrradtour und hat dabei immer wieder hilfsbereite Menschen getroffen – etwas, was sie irgendwann mal weitergeben wollte und das durfte ich jetzt genießen.“

Und wie sieht es so im Odenwald im Gegensatz zum Taunus aus? „Hier ist ganz viel Wald erhalten geblieben“, berichtet Jennifer Leuchtmann, die heute Abend in Pforzheim in einer Jugendherberge Station macht. Dort will sie Wäsche waschen und sich einen Tag Ruhe gönnen, bevor sie übermorgen wieder aufbricht. „Dann geht es in den Schwarzwald.“

Wandern ohne Druck, aber mit Last

Leicht geht es sich im wahrsten Sinne des Wortes nach den ersten Tagestouren à 20 bis 25 Kilometer immer noch nicht: „Der Rucksack hat schon ein ziemliches Gewicht.“ Das bekämen vor allem die Fußgelenke und Füße zu spüren. Doch sie hat sich auch keinerlei Druck gemacht. Eine Smartwatch, die sie womöglich zu mehr Leistung anstacheln könnte, hat sie nicht. Und das Handy befindet sich im Flugmodus, um den Akku zu schonen. „Hin und wieder muss ich mir trotzdem mal sagen, dass ich mir etwas Zeit lassen kann, denn es gab schon total schöne Orte, durch die ich kam und da hatte ich manchmal das Gefühl, dass ich zu schnell durch sie durch bin.“

Wir sind gespannt, wie es weiter geht und freuen uns schon auf das nächste Gespräch mit der Wandersfrau, die zwar das dringende Gefühl und regelrechte Bedürfnis hatte, endlich loslaufen zu müssen: „Aber warum ich laufe, weiß ich immer noch nicht.“

Wer Jennifer Leuchtmann einen Gruß senden möchte, erreicht sie unter info@naturwerk-taunus.de.