Integrationspreis zeigt auf, wie Integration gelingen kann

Preisträger stammen aus Oberursel, Grävenwiesbach, Friedrichsdorf, Weilrod und Frankfurt

Von Petra Pfeifer, 4. Oktober 2021

Hochtaunuskreis/Oberursel. Es ist eine warme Melodie, für die das Ensemble Selabayon zum Auftakt der Feier zur Verleihung des Integrationspreises Querflöte, Gitarre und afrikanische Schlaginstrumente erklingen lässt. Sie stimmt besinnlich und sehnsuchtsvoll und sorgt somit für die passende Einstimmung des Ereignisses, das seit vielen Jahren alle zwei Jahre stattfindet. Für den verbalen Auftakt sorgt dann Landrat Ulrich Krebs, der sich über die Anwesenheit vieler Gäste und Ehrengäste freut. Unter ihnen der Erste Kreisbeigeordneter Thorsten Schorr, Renzo Sechi, Vorsitzender des Kreistages des Hochtaunuskreises, Jürgen Banzer, Landtagsabgeordneter und Vorsitzender der Enquête-Kommission Migration und Integration des Hessischen Landtags, Elke Barth, Landtagsabgeordnete und seit Februar stellvertretende Vorsitzende der der Enquête-Kommission, viele Bürgermeister und Ausländerbeiräte der Region – und Peter Fischer, Präsident der Eintracht Frankfurt.

Zeigen, wie Integration gelingen kann

„Sie alle sind Menschen, die sich für Integration engagieren“, so Ulrich Krebs und fügt an: „Im Hochtaunuskreis leben die unterschiedlichen Kulturen friedlich miteinander. Rund 35 Prozent unserer Bürgerinnen und Bürger im Hochtaunuskreis haben einen Migrationshintergrund. Unsere Gesellschaft wird vielfältiger und bunter und das ist gut so. Hier gibt es keinen Platz für Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Es braucht Verständnis füreinander und gegenseitigen Respekt.“ Genau das sei das Ziel der Interkulturellen Wochen. Begegnungen stattfinden lassen und den Austausch fördern. Dies sei auch das Ziel der vielen ehrenamtlich und hauptamtlich Tätigen in der Migrationshilfe, die sich an verschiedensten Aktionen in den letzten beiden Wochen beteiligten, so Krebs. Und dieses ehrenamtliche Engagement sichtbar zu machen, aufzuzeigen, wie Integration gelingen könne, sei das Ziel des Integrationspreises.

In ihrer Laudation bekräftigt Katrin Hechler: „Der Hochtaunuskreis ist ein wirtschaftlich starker Kreis. Der Erfolg kommt auch durch die vielen Menschen, die hier wohnen. Viele davon kommen aus anderen Ländern und bringen ihre Kultur mit. Uns ist es wichtig Begegnungen zu organisieren und so zu zeigen, dass dies eine Bereicherung für uns alle ist. Wir möchten, dass alle Menschen im Hochtaunuskreis sich wohl und sicher fühlen, ohne dabei ihre Wurzeln zu vergessen oder zu verlieren.“

„Wir haben Arbeitskräfte eingeladen und es kamen Menschen“

Manche seien als Gastarbeiter gekommen und hätten zum Wohlstand beigetragen. Der altbekannte Satz „Wir haben Arbeitskräfte eingeladen und es kamen Menschen“ sei weiter real. Manche seien aber auch als Flüchtlinge gekommen: „Gerade vor dem Hintergrund der Katastrophe in Afghanistan wird uns wieder bewusst, dass unsere Grundrechte wie Freiheit, Demokratie, Frauenrechte keine Selbstverständlichkeit sind. Gerade die geflüchteten Personen, die meist nicht freiwillig ihr Land verlassen haben, sondern es taten, um zu überleben, benötigen hier eine offene und freundliche Willkommenskultur“, so Katrin Hechler. Funktionieren könne gutes und erfolgreiches Zusammenleben aber nur, wenn es eine offene Gesellsaft gebe: „Integration braucht Sprache, engagierte Menschen mit Herz und Gemeinsamkeiten.“ Der vielstimmige (Zwischen-)Applaus aus den Reihen der Zuhörer ist ein deutliches Zeichen der Zustimmung.

Zweiter Platz an Ingeborg Marx und Barbara Scheibner

Dann ist es an Katrin Hechler, gemeinsam mit Landrat Ulrich Krebs die Preisverleihung vorzunehmen. Die beiden zweiten Plätze gehen an Ingeborg Marx aus Oberursel und Barbara Scheibner aus Grävenwiesbach: „Beide zeichnen sich aus durch die langjährige Unterstützung von Geflüchteten. Sie stehen stellvertretend für zahlreiche Aktive und kommen aus den zwei Städten Oberursel und Grävenwiesbach, die seit den 90er Jahren sich ununterbrochen für die Flüchtlinge eingesetzt haben und Unterkünfte vor Ort hatten“, so Katrin Hechler.

Erster Platz für den Kuler-Treff aus Friedrichsdorf

Mit dem 1. Platz wird der Kuler-Treff aus Friedrichsdorf geehrt, den es seit August 2018 am Houiller Platz gibt. Er sei Anlaufstelle für viele Menschen mit Migrationshintergrund: „Hierbei sind die Gesellschafterinnen aktiv mit vielen Ideen und Projekten“, berichtet Katrin Hechler. Hierzu gehörten zum Beispiel einen Deutschkurs speziell für Frauen mit Kinderbetreuung: „Sensibel und einfühlsam wurde sich für diese Randgruppe eingesetzt und die Integration vorangetrieben.“ Weitere Handlungsfelder seien die Hausaufgabenhilfe und die offene Sprechstunde, „die derzeit mit Terminvereinbarung angeboten wird“, schmunzelt Katrin Hechler angesichts des darin innewohnenden Widerspruchs, der jedoch Corona geschuldet ist.

Flüchtlingshilfe Weilrod bekommt Anerkennungspreis

Der Anerkennungspreis wiederum geht an die Flüchtlingshilfe Weilrod, die sich seit 2015 für Geflüchtete und Migranten engagiert: „Viele Kontakte kommen über die Gemeinschaftsunterkunft Erbismühle.  Dort leben viele Familien mit Kindern aber auch alleinstehende Männer“, so Katrin Hechler. Um in Deutschland Fuß fassen zu können, brauchten die Menschen, die ihre Heimat auf der Suche nach einer neuen Perspektive und einem sicheren Ort verlassen haben, Unterstützung und Hilfe. Dies unterstütze die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe Weilrod: „Die Menschen werden bei alltäglich Aufgaben unterstützt wie Behördengänge, Hausaufgabenbetreuung, Arztbesuche, bei der Abfallentsorgung, Kontakt zu Sportvereinen und Kirchengemeinden oder der Schuldnerberatung. Auch werden gemeinsame Freizeitaktivitäten wie Kochen oder Ausflüge durchgeführt.“

Sonderpreis an die Sportgemeinschaft Eintracht Frankfurt und deren Präsidenten Peter Fischer.

Schließlich ist die Reihe an Peter Fischer. Er und die Sportgemeinschaft Eintracht Frankfurt erhalten den Sonderpreis. „Sowohl die Bundesligamannschaft, die Nachwuchssportler, die Vereinsmitglieder in den unterschiedlichen Sparten, die große Fangemeinde und nicht zuletzt der Präsident Peter Fischer haben in den letzten Jahren ihr Engagement für Vielfalt und Integration konsequent ausgebaut“, erläutert Katrin Hechler. Dieses reiche weit über die Stadtgrenzen Frankfurts hinaus. „Die Eintracht verbindet ganz viele unterschiedliche Menschen. Immer wieder zeigt sie in aller Deutlichkeit, dass Rassismus in unserer Gesellschaft nichts verloren hat“, sagt die Kreisbeigeordnete.

Nach dem rassistischen Anschlag in Hanau sei es Peter Fischer gewesen, der sich mit den Angehörigen solidarisierte und öffentlich auf Kundgebungen auftrat; er und die Fußballmannschaft habe sich an der Aktion „Say their names“ beteiligt. Katrin Hechler: „Die Fan-Gemeinde aus dem Hochtaunuskreis, zu der auch Herr Landrat Ulrich Krebs und ich mich bekenne, ist froh, dass sich die SGE mit Peter Fischer so klar zu diesen Werten Toleranz und Zusammenhalt bekennt.“

Dankesworte im Namen aller Preisträger von Peter Fischer

„Ich bin zwar ein talentfreier Fußballer, doch sehr früh politisiert worden“, sagt Peter Fischer in den Dankesworten, die er im Namen aller Preisträger spricht. In seinem gesellschaftspolitischen Engagement könne er eine harte Kante zeigen: „Wichtig ist das Erinnern und Wachrütteln.“ Tiefraurig sei er angesichts des Ergebnisses der Bundestagswahlen. Sie hätten aufgezeigt, dass „über 10 Prozent Nazis und Faschisten in den Bundestag gewählt wurden.“

Dann aber noch einen augenzwinkernden Blick auf Oberursel und die Region – und das hier gelebte Wirken in der Integration: „Ich komme gerne wieder zu Ihnen in die Provinz.“