Nach 90 Jahren Umbenennung und drei Jahren Sanierung zurück zum „Mädchennamen“

Die Geschichte des Feldberghauses wird fortgeschrieben

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Von Petra Pfeifer, 8. Oktober 2021

Hochtaunuskreis/Schmitten. Der Nebel um den Großen Feldberg lichtet sich. Und zwar in zweifacher Hinsicht. Tatsächlich wird auf der Fahrt zur Pressekonferenz die Sicht auf Rhein-Main bereits auf der Strecke zum Feldbergplateau immer klarer. Petrus scheint es gut zu meinen mit jenen, die dort oben schon seit vielen Monaten am Arbeiten sind, lässt das bereits im Außenbereich des Feldberghofs Erreichte unter einer goldenen Oktobersonne erstrahlen.

Auch im Gebäude selbst lässt sich schon viel entdecken. Im Kamin sorgt ein knisterndes Feuer für eine wohlige Atmosphäre, die vom Duft des verbauten Holzes unterstrichen wird. Und schließlich geben Landrat Ulrich Krebs, Michael Kuchenbecker, Verkaufsdirektor Gastronomie der Binding-Brauerei, Architekt Michael Müller von Stilbruch United Designers, Hotelier und Gastronom Hedmar Schlosser, die Gastronomen Carolin und Jens Fischer sowie Melanie Küssner, die Betreiberin des vorgesehenen Concept Stores, eine klare Einführung in das, was an Ort und Stelle geschieht und geschehen wird.

Ein Ort der Dichter und Denker, der Wanderer und Naturliebhaber

Der Landrat lässt zunächst den Historiker in sich zu Wort kommen und wirft einen ebenso kurzweiligen wie informativen Blick zurück: „Der Feldberg ist ein Ort der Tradition und des Fortschritts, der Dichter und Denker, der Frischluftgenießer, Wanderer und Naturliebhaber.“ Bereits 1842 habe der Frankfurter Verleger August Ravenstein mit 22 weiteren Mitgliedern die „Commission zur Erbauung eines Hauses auf dem Feldberg“ ins Leben gerufen. „Fast zwei Jahrzehnte dauerte es, bis Ravenstein alle Widerstände überbrückt, letzte Zweifler begeistert und die nötigen Spendengelder zusammen hatte, um im Jahr 1860 das Feldberghaus zu eröffnen“, so Krebs über die damalige Grundsteinlegung. Später habe auch der damalige Oberbürgermeister von Homburg vor der Höhe und Landrat des Obertaunuskreises Ernst Ritter von Marx – obwohl der Feldberg damals zum Landkreis Usingen gehörte – Gedanken darüber gemacht, was hier noch verwirklicht werden könnte. „Er hatte ein Festspielhaus im Sinn.“ Etwas, das jedoch nie verwirklicht wurde.

Allerdings begeisterten sich immer mehr Menschen für den Feldberg, so dass um 1900 zwei weitere Gasthäuser namens „Neues Feldberghaus“ und „Walküre“ ihre Pforten öffneten. „Das ‚Neue Feldberghaus‘ wurde schließlich im Jahr 1931 in ‚Feldberghof‘ umbenannt, wohingegen im Jahr 1937 das ‚Alte Feldberghaus‘ und die ‚Walküre‘ aufgrund des neuen Fernmeldeturms – einer der ersten und ältesten Fernsehtürme in der Geschichte des Fernsehens in Deutschland überhaupt – weichen mussten“, so Ulrich Krebs und fügt an: „Für mich ist der Feldberg das pochende Herz des Taunus‘ – gestern wie heute.“

Feldberghof wird wieder Feldberghaus

Damit schlägt er die Brücke zur Gegenwart: „Im Gegensatz zu Ravenstein haben wir glücklicherweise keine zwanzig Jahre benötigt, aber dennoch in 30 Monaten hier grundlegend saniert und vor allem nachhaltig investiert.“ Die Kosten werden mit 3,5 Millionen Euro beziffert und „grundlegend“ bedeutet, dass dies der erste Schritt zur Aufwertung des gesamten Plateaus sei. Folgerichtig wäre es dann auch, dass namentlich wieder zu den Anfängen zurückgekehrt werde und das Gasthaus mit der am 3. Februar 2022 geplanten Eröffnung seinen ursprünglichen Namen zurückerhält: „Feldberghaus.“

Vor drei Jahren begann Architekt Michael Müller mit den ersten Entwürfen zur Neugestaltung des „schlafenden Riesen“. Mit seinem Partner Andreas Müller von M&P Architekten sei ihm sofort klar gewesen, dass die Sanierung in Anlehnung an die Bauwerke vergangener Zeiten und deren Materialien auf dem Feldberg erfolgen müsse. Und so besteht die Fassade jetzt aus Überresten einer alten Scheune, die einst in Kanada gestanden hat. „Dieses Holz ist nahezu identisch mit dem der einstigen Fassade“, versichert Michael Müller. Der besondere Clou: Auch beim ersten Feldberghaus sei noch verwendbares Baumaterial von abgerissenen Scheunen aus dem benachbarten Reifenberg eingesetzt worden. Und obendrein musste aufgrund dieses Recyclings kein Baum gefällt werden.

Heiraten auf dem Feldbergplateau

Anhand von Bildern und Film erläutert Michael Müller auch die Pläne hinsichtlich der Ausstattung. Es wird zum Beispiel jeweils einen großen Bar- und Kuchentresen geben, eine erweitere Terrasse, einen Hauptgastraum und im ehemaligen Standesamt einen kleineren. Das Standesamt wiederum zieht in die erste Etage, so dass auch künftig wieder in über 880 Meter Höhe geheiratet werden kann. Einem Hofladen, einem so genannten „Concept Store“, wird ebenfalls großzügig Platz eingeräumt. Bei den zum Einsatz kommenden Materialien liegt der Schwerpunkt auf Holz, sowohl als Bretter und Planken als auch als Baumscheiben. Als Wandbedeckung bei den kleinen Hütten im Concept Store dient sogar eine duftende Tapete aus Gras und Lavendel. Michael Müller ist die Begeisterung für das Projekt deutlich anzumerken: „Es ist etwas ganz Besonderes, wenn man dazu beitragen kann, ‚heimische Wahrzeichen‘ mit neuem Leben zu erfüllen.“

Neuer und alter Pächter des Leuchtturm-Projekts ist die Binding Brauerei

Michael Kuchenbecker erinnert an das Lebensmotto von Conrad Binding, Gründer der Frankfurter Traditionsunternehmens. „Rastlos vorwärts musst du streben, nie ermüdet stille steh’n, willst du die Vollendung seh’n“, habe es geheißen. Dann berichtet er von seinem Besuch im Jahr 2016: „Der Gastraum war überfüllt, die Montana-Bar geschlossen, die Bausubstanz erschreckend.“ Was hier nun geschehen bzw. geschaffen worden sei, käme einer 360 Grad-Zäsur gleich. „Ich bin also sehr zufrieden mit dem Weg, auf dem wir uns befinden“, sagt Kuchenbecker und fügt an: „Für uns war klar, dass der Frankfurter Hausberg ein Leuchtturm-Projekt schlechthin ist.“ Auch bei ihm echte Vorfreude: „Schon jetzt freue ich mich auf das erste fassfrische Glas unseres Frankfurter Originals zur Eröffnung, das unsere Partner dann ausschenken werden.“

„Dieser Berg gehört allen“

Die Partner sind unter anderem Carolin und Jens Fischer, die zusammen mit Hedmar Schlosser seit über zwei Jahren starke Nerven bewiesen haben und trotz der Corona-Pandemie und außerplanmäßigen Verzögerungen niemals den Glauben an ihre Idee verloren haben. „Es ist kein Objekt von der Stange und als echter Hessenbub freu ich mich riesig, dem Plateau wieder ein Stück weit Leben einzuhauchen.“ Gleichzeitig fühle er sich aber auch geehrt und sehr, sehr stolz als Partner mit von der Partie zu sein und Carolin und Jens Fischer mit im Boot zu haben.

Gastgeberin Carolin Fischer hat ihr Handwerk einst in Schlossers „Hotel zur Krone“ erlernt und schon in namhaften Hotels wie Sheraton und Ritz Carlton gearbeitet und kündigt an: „Das Feldberghaus soll eine Begegnungsstätte für Jedermann sein.“ Jeder solle hier eine Ecke finden, in der er sich am besonders wohl fühlen werde. „Wir hoffen auf wiederkehrende Gäste, die ein Stückweit nach Hause kommen, wenn sie hier einkehren“, fügt sie ambitioniert an. Ihr Mann Jens verrät: „Wir werden vorrangig mit regionalen Anbietern zusammenarbeiten, haben schon einige inspirierende Kontakte geknüpft.“ Er selbst hat schon mit Koryphäen wie Dieter Müller und Sven Elverfeld gearbeitet und sich im „Ketschauer Hof“ und Bollants“ seine eigenen Sterne erkocht. Das bedeutet jedoch nicht, dass hier ein Gourmettempel entstehen soll: „Wir wollen Produkte anbieten, mit denen wir jedermann erreichen, eine bodenständige, gute Küche.“

Um regionale Produkte wird es auch im Concept Store geben. „Hier wird der Taunus gelebt und ein Stück weit wollen wir unseren Gästen etwas mit nach Hause geben – und zwar allen Altergruppen“, sagt Melanie Küssner. Angebote werde es sowohl in Form von Events als auch eines originellen und der Region verbundenen Warensortiments geben.

Übrigens sind noch nicht alle Stellen bei der Feldberghaus-Familie besetzt. Bewerbungen sind möglich per Mail an: info@feldberghaus.com.

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