Jubiläumsband ist erschienen

Im 30. Jahrbuch porträtieren 40 Autoren "50 Jahre Hochtaunuskreis"

Von Petra Pfeifer, 23. November 2021

Hochtaunuskreis (ut). Ein Modekaufhaus als Kulisse für die Präsentation eines Buches? Das machte ganz dem Wortlaut entsprechend tatsächlich Sinn. Denn das erst im Frühling dieses Jahres in der Bad Homburger Louisenstraße eröffnete Bekleidungshaus dieses Namens öffnete am vergangenen Sonntag seine Pforten, als Landrat Ulrich Krebs mit vielen Beteiligten den geladenen Gästen das Jahrbuch 2022 des Hochtaunuskreises vorstellte. Er erläuterte in seiner Begrüßung auch die Wahl des Ortes: „In diesem Gebäude war von 1886 bis 1999 das Landratsamt untergebracht, somit ist es sozusagen eine Reminiszenz, diese Veranstaltung hier durchzuführen.“

Immerhin ist der 30. Band der Reihe gleichzeitig eine ganz besondere Ausgabe, nämlich der Jubiläumsband anlässlich der Gründung des Hochtaunuskreises vor 50 Jahren, die im kommenden Jahr gefeiert wird: „Ich freue mich sehr, mit diesem besonders schönen und umfangreichen Band die Erinnerung an die Gründung des Hochtaunuskreises aufzunehmen. Ein Landkreis ist für viele Menschen eher ein abstraktes Verwaltungskonstrukt. Hier aber wird aus vielerlei Perspektive beschrieben, was unseren Landkreis kennzeichnet, welche Entwicklung er seit 1972 genommen hat. So wird der Landkreis lebendig, er bekommt Kontur und Format in historischer Tiefe“, führte Ulrich Krebs somit weiter aus. An die Autor:innen gewandt meinte er: „Ihnen möchte ich besonders herzlich danken für die Empathie, mit der sie sich in ihren intensiven Recherchen und kenntnisreichen Beiträgen dem Hochtaunuskreis gewidmet haben. Mein Dank gilt auch dem Verlag Waldemar Kramer, der erstmals in guter Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Kultur des Hochtaunuskreises diesen Band erstellt hat. Dieser 30. Band des Jahrbuchs soll der Auftakt sein in unser Jubiläumsjahr und ich wünsche allen Lesern viel Vergnügen bei der Lektüre.“

Jens Ratering, Geschäftsleiter des Modehauses, freute sich über die illustren Gäste und lud sie zur Erkundung der verschiedenen Ebenen ein, musste jedoch festhalten: „Ein Verkauf ist allerdings wegen des Gewerbeamts nicht möglich.“ Eine Einschränkung, die von den Versammelten in Anbetracht der vielen Vertreter aus dem Landratsamt mit Schmunzeln zur Kenntnis genommen wurde.

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft geben viel zum Nachdenken

Moderator Daniel Fischer widmete sich anschließend mit seinem Podiumsgästen ebenso kurzweilig wie informativ den Themen „Vergangenheit“ sowie „Gegenwart und Zukunft“. Zu erstgenanntem sprach er mit Historikerin Prof. Dr.  Barbara Dölemeyer, Historiker Prof. Dr. Holger Th. Gräf sowie Saalburgpreisträger Wolfgang Ettig. „Kann ein Landkreis Heimat sein?“, wollte er von Holger Gräf, der diesen Beitrag für das Buch verfasst hatte, zunächst einmal wissen. „Als mich Gregor Maier (Anm. d. Red.: Fachbereichsleiter Kultur im Landratsamt) hierzu anfragte, war ich erst einmal sprachlos und bat um Bedenkzeit“, berichtete er. Zündender Funke sei für ihn letztlich die Coronakrise gewesen, denn diese Zeit sei nicht nur die Stunde der Virologen und Biologen, sondern auch im Zuge der Bewältigung auch der Landkreise.

Faktoren der Identität wiederum seien unter anderem Sprache, Dialekt, Tracht sowie erlebte, gemeinsame Geschichte. Barbara Dölemeyer fügte in diesem Zusammenhang an, dass auch der Taunus an sich identitätsstiftend sei. Sie meinte außerdem: „Auch die Gründung des Kreisarchivs 1990 hat einen Anteil daran, das Heimatgefühl zu verstärken.“

Wolfgang Ettig machte wiederum darauf aufmerksam, dass mit der Kreisgebietsreform allein im Usinger Land die Gründung von neun Geschichtsvereinen einher gegangen sei: „Vielleicht lag das daran, dass sich die Vereinsgründer innerlich gesträubt haben, sich in die neue Struktur einzufinden, und die Identität bewahren wollten.“

Stadt, Land, Flughafen

Zum Thema „Gegenwart und Zukunft“ sprach Daniel Fischer mit Jungpolitikerin Anne Barth, Radprofi John Degenkolb sowie IHK-Geschäftsführer Reinhard Fröhlich. „Was macht für Dich der Hochtaunus aus als Schmittenerin?“, wandte sich der Moderator zunächst an die 22-Jährige. „Das Ländliche, die kleinen Städte und die Nähe zu Frankfurt“, zählte Kreistagsmitglied und Schmittener Gemeindevertreterin Anne Barth auf und meinte außerdem, dass die Nähe zur Mainmetropole für sie persönlich den Vorteil mit sich brachte, dass sie für ihr Studium – sie studiert Geschichte, Politik und öffentliches Recht an der Johann Wolfgang Goethe-Universität – keinen Ortswechsel notwendig gemacht habe.

John Degenkolb ist schon viel herumgekommen, aber warum lebt er nun mit seiner aus Frankfurt stammenden Frau in Bommersheim? „Ich bin super froh, dass ich meinen Platz hier gefunden habe, denn die Trainingsbedingungen sind top“, versicherte der 32-Jährige. Außerdem schätze er die gute Anbindung des Rhein-Main-Gebiets mit dem Flughafen und sagte zudem: „Der Hochtaunus ist mittlerweile absolut meine Heimat.“

„Eine großartige Wachstumsgeschichte“

Reinhard Fröhlich wiederum hob die großartige Wachstumsgeschichte des Hochtaunuskreises und verwies dabei unter anderem auf Fresenius und den Lautsprecherhersteller Canton, der seinen Sitz in Weilrod-Niederlauken hat. Auf die Frage von Daniel Fischer, wo er noch hohes Potential sehe, meinte Reinhard Fröhlich: „Mittlerweile finde ich die Idee des Landrats, eine Seilbahn zum Großen Feldberg zu installieren, ganz großartig.“ Hinsichtlich der existierenden Probleme thematisierte er die den Unternehmen fehlenden Fachkräfte: „Wir müssen also noch mehr Menschen hierher bringen.“ Nach Meinung von Reinhard Fröhlich würden zudem weitere Gewerbeflächen benötigt.

Jahrbuch Hochtaunuskreis 2022

40 Autorinnen und Autoren porträtieren den Landkreis, fragen nach Heimat- und Hochtaunusgefühl, spüren den früheren Standorten der Verwaltung und der politischen Entwicklung nach. Sie widmen sich den großen Aufgaben, die es zu bewältigen gilt, den Schulen, den Kliniken, dem Verkehr und natürlich auch dem Naturpark Taunus. Der Blick in die Geschichte reicht von Darstellungen auf ptolemäischen Karten über Adel und Kirche bis zur Korruptionsaffäre der 90er Jahre. Unverzichtbar auch all diejenigen, die sich im Taunus unermüdlich engagieren, Wirtschaft und Finanzen ebenso wie Volkshochschulen, Sänger, Sportler, der Hessenpark und das Römerkastell Saalburg. Durchaus amüsant im Rückblick sind die Schilderungen vom Anfang der 70er Jahre. Denn die Gebietsreform 1972 war durchaus nicht überall willkommen. Wie damals taktiert wurde, wie erbittert man mancherorts im Widerstand gegen geplante Zusammenschlüsse verharrte, das scheint im Rückblick verwunderlich. Aber es ist Gras gewachsen über die Gräben von damals und manche Winkelzüge sind zu amüsanten Anekdoten in den Ortsgeschichten geworden.

Jubiläumsband 50 Jahre Hochtaunuskreis

herausgegeben vom Hochtaunuskreis, erschienen im Verlag Waldemar Kramer, 287 Seiten, zahlreiche farbige Abbildungen, erhältlich im Buchhandel und im BIS des Landratsamtes zum Preis von 15 Euro, ISBN 978-3-7374-0495-2