Mittwochsfilm entsteht im Hoch- und Rheingau-Taunus-Kreis

„Checkout“ einer überarbeiteten Pflegekraft

Von Sabine Neugebauer, 9. Oktober 2021

Hochtaunuskreis. Eine „neue“ Bushaltestelle „Waldquelle“ zwischen Merzhausen und Altweilnau, die Straßensperrung dort, auffällig viele hr-Wagen in Merzhausen an der Rauschpennhalle, in Wehrheim, Oberlauken, am Sandplacken, in Oberursel, am Zacken, all das sind Vorzeichen für einen neuen Mittwochsfilm der ARD.

Vor allem im Taunus, aber auch in Frankfurt und im Rheingau dreht der Hessische Rundfunk (hr) vom 23. September bis 27. Oktober einen Film unter dem Arbeitstitel „Checkout“. Am Freitagnachmittag war das Drehteam im Wald nahe des Restaurants Tannenheim am Sandplacken aktiv. Wie Aufnahmeleiter Rüdiger Spieth erläuterte, habe man im Vorfeld alle nötigen Genehmigungen beim Forstamt in Königstein eingeholt. Die Drehorte und was gemacht werde, seien genau abgesprochen, denn der Umweltschutz werde groß geschrieben.

Dreharbeiten unter Coronavorgaben

So stehen an allen Motiven Toilettenhäuschen, jeweils für Team A und Team B. Was wiederum den Coronavorgaben geschuldet ist. Die Hygieneregeln werden sehr genau eingehalten, alle etwa 60 Personen im Team machen dreimal in der Woche einen PCR-Test. Und deswegen sind auch so viele Fahrzeuge vor Ort, denn sie dürfen je nach Größe nur mit einer geringen Anzahl an Personen besetzt werden.

Hier am Sandplacken wurden zwei Szenen gedreht. Bettina Schmidt, verantwortlich für das Szenenbild hatte eine Hängematte zwischen die Bäume hängen lassen, einige Bienenkästen und Strohballen ergänzten die Umgebung. Denn eigentlich spielte diese Szene am Schafstall in Wehrheim, wo ein Einsiedler (Hans-Jochen Wagner) lebt. Diesen hat die Protagonistin Caro (Silke Bodenbender) in einer früheren Szene niedergeschlagen. Doch ihr Gewissen regt sich und sie kehrt zurück.

Zunächst besprachen Regisseurin Nana Neul und Kameramann Bernhard Keller mit den beiden Schauspielern die Szene. Diese machten Vorschläge, wie sie jeweils auf den anderen reagieren könnten. Dann gab es erste Proben der Szenen. Und schließlich Kameraproben.

Zentrale Szenen an der Bushaltestelle „Waldquelle“ gedreht

Kameramann Keller wurde dabei von einem Assistenten an der Hüfte durch das unebene Gelände geführt. Er selbst musste sich ja schließlich auf die Szene konzentrieren. An anderer Stelle waren Teammitglieder dabei, eine „cable-cam“ zwischen Bäumen zu installieren. Hier sollte eine Verfolgung gefilmt werden. Wie Redakteurin Erin Högerle erzählte, wurden zentrale Szenen an der „Bushaltestelle Waldquelle“ gedreht, die inzwischen schon wieder abgebaut ist. Hierhin hat sich Caro geflüchtet und der Bus ist ihre „Rettung“.

Der Busfahrer bricht schließlich aus seiner üblichen Runde aus und fährt mit ihr in den Rheingau. Da die Protagonistin in einem kleinen Zelt übernachtet, gebe es auch Zeltszenen, berichtete Spieth. Diese würden allerdings im Studio gedreht. Und extra dafür sei eine größere „Fake-Version“ des Zeltes gebaut worden, damit die ganze Filmtechnik mit hinein passe. Und er verriet, dass zusammengehörende Szenen durchaus an unterschiedlichen Orten aufgenommen würden.

Ausstrahlung im kommenden Herbst

Der Film komme aber erst in etwa einem Jahr ins Fernsehen, meist würden Filme zu der Jahreszeit ausgestrahlt, in der sie gedreht wurden. Außerdem werde zwar parallel zu den Aufnahmen auch schon ein Rohschnitt angefertigt, aber dann gebe es noch den Feinschnitt, die Nachvertonung, eventuell Synchronaufnahmen und Musikeinspielungen. Schließlich werde alles „verheiratet“ zur Sendefassung.

Dies sei auch ein wenig ein Post-Corona-Film ergänzte Högerle, es werde zwar nicht explizit gesagt, aber das schwinge mit. Die überarbeitete Pflegerin und ihr Mann, der mit seiner Bar pleite gegangen sei. Sie am Rande des Burn-out, er nicht ausgelastet.

Zum Inhalt:

Eigentlich kann Caro (Silke Bodenbender) schon lange nicht mehr. Als Pflegerin auf einer Demenzstation hat sie in den letzten zwei Jahren kaum Urlaub genommen und unzählige Überstunden angehäuft. Doch erst, als ihre liebste Bewohnerin, Frau Rumi (Klara Höfels), stirbt, läuft das Fass über: Statt zur Arbeit geht Caro am nächsten Morgen zu einem Schließfach am Frankfurter Hauptbahnhof, holt einen gepackten, nagelneuen Rucksack heraus und geht einfach los – ohne Ziel, ohne Plan, ohne Handy und ohne irgendwelche Outdoor-Erfahrung.

Caro sagt niemandem Bescheid, nicht mal ihrem Mann Markus (Trystan Pütter), mit dem sie seit über zwei Jahrzehnten zusammen ist. Während Caro in letzter Zeit zu viel gearbeitet und zu viel erlebt hat, hatte Markus seit der Pleite seiner Bar von beidem zu wenig.

Die Flucht in die Natur bringt Caro leider nicht das ersehnte, romantische Heil: Es gibt Regen, Kälte, kleine und große Tiere und unfreiwillig intensive Begegnungen mit Menschen, die genauso auf der Suche sind wie Caro. Doch die größten Hindernisse auf dem Weg zu Ruhe und Frieden sind vor allem: Caro selbst und Frau Rumi, die doch eigentlich tot ist, Caro aber unbekümmert und in aller Selbstverständlichkeit begleitet und Aufmerksamkeit fordert.

Als Markus seine Caro nach ein paar Tagen findet, ist Caro weder reumütig noch zur Heimkehr bereit. Trotzig stapft sie einfach weiter. Doch genauso trotzig heftet sich Markus an ihre Fersen und lässt sein Auto dabei mitten auf der Straße stehen. Die Verfolgungswanderung zwingt die beiden zur Begegnung mit sich selbst und miteinander und wird zu einem gemeinsamen Stück Weg mit Höhen und Tiefen, Blicke in Abgründe und Triumphe über Widrigkeiten…

Weitere Informationen

Das Drehbuch stammt von David Ungureit und Kristl Philippi, Regie führt Nana Neul. In den Hauptrollen sind Silke Bodenbender, Trystan Pütter und Klara Höfels zu sehen, in weiteren Rollen spielen unter anderem Ernst Stötzner, Hans-Jochen Wagner, Marie Rosa Tietjen, Birte Schnöink, Uwe Rohde, Christoph Pütthoff, Heiko Raulin und Bettina Stucky.

Für die Umsetzung sorgen Bernhard Keller (Kamera), Bettina Schmidt (Szenenbild), Enrico Leube (Ton), Natalie Trapp (Schnitt), Ulrike Scharfschwerdt (Kostümbild), Nathalie Mischel (Casting), Dominik Diers (Produktionsleitung) und Jörg Himstedt und Erin Högerle (Redaktion).