„Für ein weltoffenes, demokratisches Miteinander“

TuS Makkabi 2021 ist gegründet

Von Petra Pfeifer

Bad Homburg. „Der Anfang ist immer das Entscheidende; hat man’s darin gut getroffen, so muss der Rest mit einer Art von innerer Notwendigkeit gelingen“, schrieb einst Theodor Fontane. Auf die Neugründung von TuS Makkabi Taunus angewendet, dürfte dem ersten jüdischen Sportverein im Taunus eine großartige Zukunft bevorstehen. Angefangen beim herrlichen Ambiente der Villa Wertheimber, in der die Gründungsversammlung stattfand, bis hin zu den hoffnungsfrohen und herzlichen Glückwünschen, die die Gründungsmitglieder mit dieser großen Ambition verbanden.

Als Erster sprach Landrat Ulrich Krebs seine Anerkennung für die Initiative aus: „Sie ist einerseits keine Selbstverständlichkeit, andererseits aber auch selbstverständlich, weil jüdisches Leben zu unserer Gesellschaft gehört.“ Gleichzeitig nutzte er die Gelegenheit, Oberbürgermeister Alexander Hetjes seinen Dank für die Umsetzung der Synagoge und „die vielfältigen Initiativen, jüdisches Leben wieder ansässig zu machen“ auszusprechen. In Makkabi Taunus sieht Krebs einen weiteren Baustein für ein gelungenes Miteinander und gleichzeitig einen Beitrag dazu, „den hässlichen Bildern in den vergangenen Wochen entgegenzuwirken“.

Ein starkes Zeichen gegen Antisemitismus

Der Rathauschef verriet, dass diese Neugründung im Jahr 2021 geschichtsträchtig sei, denn vor genau 100 Jahren sei der Makkabi-Weltverband in Berlin gegründet worden. Alexander Hetjes betrachtete den Gründungstag des Vereins vergangenen Mittwoch, 2. Juni, als Tag der Freude aus vielen Gründen: „Erstens ist dies ein absoluter Meilenstein, jüdisches Leben immer mehr sichtbar zu machen.“ Dazu gehörten aber auch die die Einweihung der Synagoge im Töpferweg im Jahr 2018 sowie die Errichtung der Mikwe, deren Rohbau gut voranschreite. Ein weiterer Grund, sich über den Sportverein zu freuen, sei die Philosophie, die dahinter stehe: „Unabhängig von Herkunft, Hautfarbe oder Religion, soll hier gemeinsam etwas unternommen werden: Ein starkes Zeichen gegen Antisemitismus.“

Bürgermeister Meinhard Matern freute sich darüber hinaus, dass der Verein sich „deutlich für die Stadt ausgesprochen hat“ und durch ihn auch Lücken im Sportangebot geschlossen werden. Gleichzeitig betonte er: „Wie es so schön heißt, sind Vereine der Kitt der Gesellschaft.“

Als weiteres Gründungsmitglied sprach Markus Franz, Vorstandsmitglied der Taunus Sparkasse: „Ich denke, es ist ein mutiger Schritt, einen Verein zu gründen.“ Und setzte gleichzeitig auf den Sport als „integrierende Kraft“. Wie seine Vorredner und Rabbi Shalom Rabinovitz wünschte er ihm somit nicht allein einen guten Start, sondern auch viel Erfolg.

Jeder Ortsverein ist eine Erfolgsgeschichte

Von Makkabi Frankfurt war dessen Präsident Alon Meyer gekommen und meinte: „Mit jedem neuen Ortsverein schreiben wir einen Erfolgsgeschichte.“ Warum der in Bad Homburg gegründet worden sei, obwohl Frankfurt doch so nah ist? „Nein, wir schaffen keine Konkurrenz. Der Zulauf in Frankfurt ist sehr stark und auf diese Weise schaffen wir kürzere Wege.“ Gleichzeitig versicherte er hinsichtlich der Philosophie nochmals, dass es um das ganz große „Wir“ gehe: „Die Politik hat viel zu lange die Mithilfe des Sports vernachlässigt, Demokratieverständnis zu fördern.“ Somit sei diese Neugründung „sicher ein richtiges und wichtiges Zeichen“ für ein respektvolles und tolerantes Leben.

Arthur Iliyav, Vorsitzender des Vorstands von Makkabi Taunus, kündigte an, dass die jüdische Gemeinde den Verein unterstützen und somit ebenfalls einen Beitrag leisten wolle, die Gemeinschaft zu fördern.

Auf die „erschütternden Ereignisse in den vergangenen Wochen“ ging anschließend Dr. Orna von Fürstenberg, Gemeinderätin der jüdischen Gemeinde Frankfurt und ebenfalls Gründungsmitglied von Makkabi Taunus, ein: „Das können wir nicht mehr ändern, aber wir können so wirken, damit sich in Zukunft etwas ändert.“ Denn durch Sport, gemischte Sportmannschaften, entstehe die gemeinsame Freude, etwas zusammen zu bewegen. Sie dankte den Vorrednern, die ihre Unterstützung für den Verein ausgesprochen hatten. Bad Homburgs Stadtrat Jacob Donath schließlich meinte: „Dies ist eine nach vorne gewande Gründung“, und fügte lachend an: „Ich habe schon eine Idee für eine neue Abteilung.“

Zur Region passende Sportarten

Starten wird das Sportangebot des ersten jüdischen Sportvereins der Region mit Tennis, Yoga, Nordic Walking, Schach und Krav Maga. Ein besonderer Focus soll auf den für die Lage prädestinierten Sportarten wie Wandern und Mountain Biking liegen. Ebenso werden die enge Kooperation mit Makkabi Frankfurt sowie die bereits in Planung befindlichen Segeltörns – der nächste beginnt am 7. August in Kroatien – besondere Highlights sein. Den neuen Mitgliedern im Taunus wird gemeinsam mit den bereits über 2300 Frankfurter Mitgliedern von Anfang an ein breites Sportprogramm mit über 25 Abteilungen angeboten werden können.