Sanierung eines Wahrzeichens

Der Bergfried hat lange Zeit gelitten

Von Petra Pfeifer, 28. September 2021

Eppstein. Stolz und malerisch wie eh und je thront die Burg über der Stadt, der Bergfried jedoch ist weniger majestätisch seit dem Frühjahr von einem Gerüst verhüllt. Grund hierfür sind gleich zwei Baustellen an bzw. auf ihm: Es gibt Mauerwerkschäden, weil Wasser eindringt, den Schiefer vor allem im oberen Bereich teilweise regelrecht auflöst, sich dadurch immer wieder Steine ablösen und in die Tiefe fallen. Außerdem muss die Turmkrone erneuert, wieder aufgemauert und abgedichtet werden. Während die erste Maßnahme der Reparatur dient, ist die zweite auf die künftige Wasserdichte, den Erhalt, ausgerichtet.

„Im Frühjahr 2020 wurden die Außenmauern des Bergfrieds mit einer Drohne abgeflogen, da – außer herabfallender Steine – einige Unregelmäßigkeiten an der Oberfläche auf eventuelle Schäden hingedeutet haben“, erläutert Stefanie Münch, Leiterin des Fachbereichs Hochbau und Projektverantwortliche bei der Stadt Eppstein. Auch Seilkletterer seien zum Einsatz gekommen – alles in Abstimmung bzw. Genehmigung des Landesdenkmalamts.

Doch erst mit Hilfe des Gerüsts konnte ab Mai eine exakte Untersuchung und Kartierung der Schäden erfolgen und am 28. Juni 2021 legte der hiermit beauftragte Burgenforscher Dr. Joachim Zeune sein Sanierungskonzept vor. Zu berücksichtigen waren im Vorfeld aber auch artenschutzrechtliche Gutachten. Weil Dohlen, Hausrotschwanz und Mauersegler dort ihre Nistplätze haben, war eine Gerüstbespannung mittels Netz frühestens ab Juni möglich. Und nach Klärung und Bewertung der Fakten mit allen Beteiligten, den davon abhängigen weiteren Sanierungsverlauf sowie Bearbeitung aller Formalitäten konnte der Sanierungsbeginn auf den 26. August 2021 terminiert werden.

Eine Ortsbegehung mit Bürgermeister Alexander Simon, Burgenforscher Dr. Joachim Zeune sowie Stefanie Münch ist sowohl aufschlussreich als auch spannend. „Bei vorangegangenen Sanierungen der Fugen wurde leider Industriebeton verwendet“, erläutert Joachim Zeune. Da dieser nicht flüssigkeitsdurchlässig ist, drang das Wasser stets in den einst verbauten Schiefer ein, machte ihn porös.

Statik des Turms steht nicht infrage

Alles Dinge, die nachdenklich stimmen. Doch in diesem Fall aktuell kein Grund zu großer Sorge. „Es handelt sich hier um keine Maßnahme, in der die Statik des Turms infrage steht“, beruhigt Joachim Zeune. Allerdings: „Wir können die Zementverfugungen nicht einfach herausnehmen und ersetzen. Beim Ausstemmen würden wir zu viel Originalsubstanz entfernen.“ Die Instandsetzung der Außenhaut müsse also unter Beibehaltung der Zementverfugung erfolgen: „Es ist problemlos und mit geringem Aufwand möglich, offenliegende Fugen so weit auszuräumen, dass hinter dem nassen Setzmörtel wieder fester Setzmörtel erscheint.“ Das heißt: „Alle Schadenszonen werden freigelegt, gesäubert und anschließend ausgebessert.“ Zur Verwendung käme „mittelalterliches“ Material mit höchstens einer Prise Beton.

Bedenklich stimmen den Burgenforscher lediglich die Zahl der Stellen, die auszubessern sind, und die fortgeschrittene Jahreszeit. „Es handelt sich um hunderte Schadstellen“, erläutert Joachim Zeune. Deren „Behandlung“ und die Reparatur der Turmkrone, die eine bautechnisch-konstruktive Ingenieursplanung voraussetzt, nehmen jedoch Zeit in Anspruch. Doch die Kosten allein für das Gerüst sind erheblich. Es über den Winter stehen zu lassen, soll vermieden werden. „1.200 Euro kostet es pro Woche“, verrät der Rathauschef. Insofern lautet das Ziel, die Arbeiten vor Wintereinbruch abzuschließen.

Zwar gibt es vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen die Aussicht auf eine Zuwendung und der Main-Taunus-Kreis hat eine Unterstützung in Höhe von 100.000 Euro zugesagt, doch der gesamte finanzielle Rahmen würde dann gesprengt.