Für ein klimaneutrales Oberursel

Die LOK spricht alle Parteien an

Von Eckard Steffin

Oberursel. Getreu dem Motto, dass Klimaneutralität im Kleinen beginnt, haben sich interessierte und engagierte Menschen zusammen getan und 2019 die „Lokale Oberurseler Klimainitiative“ kurz „LOK“ gegründet. In ihrem Manifest der betonen sie die Grundsätze der Zusammenarbeit mit allen gesellschaftlichen demokratischen Kräften, die Einfluss aus die Klimapolitik von Oberursel haben. Dabei wollen sie bewusst keine abgehobenen Forderungen aufstellen, die dann hinterher nicht zu erfüllen sind. Jens Drillisch, für den Energiebereich zuständiges Mitglied, betont: „Gerade die Einbindung in ein demokratisches System ist uns besonders wichtig, damit wir möglichst viel Anerkennung haben.“ Claudia Passow, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der LOK ergänzt: „Überzogenen Forderungen sind keine Grundlage für Gespräche mit der Stadt Oberursel, die uns deshalb viel Gehör schenkt.“

Die LOK hat zum Wahlkampf die Parteien angeschrieben und zur Stellungnahme aufgefordert. Bis auf die CDU haben alle Parteien geantwortet. Einig waren sich alle, das etwas passieren muss. Nur die Zeiträume wurden mit 2030 bis 2050 unterschiedlich benannt. Die Ergebnisse sind im Internet unter LOK „Forderungen zum lokalen Klimaschutz“ zu finden. „Durch Corona ist das Thema etwas in den Hintergrund verschoben worden. Was nicht heißt, dass es im Wahlkampf keine wichtige Priorität hat“, so Passow.

„Durch Freiwilligkeit kann Klimaneutralität nicht in allen Lebensbereichen erreicht werden”, so Drillisch und betont, „dass wir schon auch in vielen Bereichen persönliche Engagements brauchen“. Allerdings gebe es auch Lebensbereiche, die reguliert werden müssten. Dazu gehöre sicherlich die Bauwirtschaft. Photovoltaik kann auf vielen Gebäuden installiert werden. Drillisch: „Eine solche Anlage amortisiert sich nach etwa zehn Jahren und läuft mindestens 20 Jahre. Danach nimmt zwar die Energieeffizienz ab, geht nicht sofort auf null.“ Selbst beim Wohnungsbau könne sich die Investitionen rechnen, weil zwar höhere Baukosten entstünden, diese aber durch die geringeren Energiekosten aufgefangen würden. Sozialer Wohnungsbau bleibt als möglich.

Gerade beim Thema Abfallvermeidung zeige sich, wie weit auch Kommunen und natürlich auch die Stadt Oberursel von Rahmenbedingungen abhängig sind. Hier spielten Regelungen des Bundes, des Landes und des Kreises eine gleichwertige Rolle. Passow: „Gerade wegen dieser komplizierten Lage, ist es wichtig, auf einer realistischen Grundlage zu arbeiten.“ Es müssten Pfandsysteme und persönliche Einsichten zusammenspielen, damit eine Veränderung möglich sei. Natürlich sei es in Corona-Zeiten für die Restaurants lebenswichtig, Angebote über Einwegpackungen anzubieten. Es gebe eben keine entsprechenden Pfandsysteme, die für solche Krisenzeiten entwickelt wurden.

Eine Partei habe geschrieben, dass sie eine Gleichberechtigung von Auto, Fahrrad und Fußgänger an Ampelschaltungen für richtig halte. Diese sei aber oft zuungunsten der Fußgänger geregelt. Hier könnten sicherlich smarte Lösungen eine wichtige Rolle spielen. Ideen gibt es, die aber noch weiterentwickelt werden müssten.

Eine der Forderungen ist eine neutrale Klimaberatung. Wie eine solche Beratung mit der notwendigen Neutralität und Unabhängigkeit aussehen könne, sei noch offen. Persönliche Zwänge müssten weitestgehend auf ein Minimum reduziert werden.

Praktisch alle Parteien haben sich positiv zu den klimaneutralen Zielen geäußert. Also werden diese Ziele durch die LOK prüfbar gemacht. Dazu gebe es Meilensteine, die die Umsetzung verfolgen. Daneben werden runde Tische organisiert, bei denen mit einer Moderation möglichst konkrete Ziele festgelegt und dann auch geprüft werden könnten. Dazu sollten die Veranstaltungen moderiert werden. Entweder durch Mitglieder der LOK oder einen neutralen Moderator, der sich gerne melden könne.

Realistischerweise würden die Ergebnisse erst im zweiten Halbjahr geprüft, weil der Magistrat erst dann in die Arbeitsphase nach der Wahl einsteige. Auf der der Internetseite der Initiative (https://l-o-k.org/) soll regelmäßig berichtet werden.

Durch Corona seien einige Ideen noch nicht verwirklicht, würden aber nachgeholt. Dazu zähle auch die „Erste Oberurseler Klimabörse“. Claudia Passow: „Aufgehoben ist aber nicht aufgeschoben und die Planung liegt schon in der Schublade.“