„Da Capo“

Internationales Straßentheater weicht auf Bühne im Park aus

 Von Eckard Steffin, 2. August 2021

Kronberg. „Buntes Treiben in engen Gassen und auf idyllischen Plätzen“ – darauf hoffte der Kronberger Kulturkreis für das internationale Straßentheaterfestival „Da Capo“ im Vorfeld. Aufgrund von Corona wurde es auf die  Bühne im herrlichen Victoriapark verlegt und begann nicht minder enthusiastisch mit den WC-Perlen Bianca und Ramona, die in einem fröhlichen Zwiegespräch unter Einbeziehung des Publikums die Hygiene-Regeln erklärten. Anschließend gaben sie noch das Lied „Du kannst nicht immer 17 sein“ zum Besten und führten als kenntnisreiche Moderatorinnen durch das folgende Programm.

Ab in die Südsee

Erster toller Hingucker war zunächst das Kinderpuppentheater „Altego“, das mit einem kleinen Südseeabenteuer und sowohl skurrilen als auch herrlich charaktervollen Holzfiguren „an der Strippe“ aufwartete. Es erzählte die Geschichte eines Mannes, der eigentlich nur angeln wollte. Ein Adler kam hinzu und schnappte sich seinen gerade gefangenen Fisch. Da gerieten beide aneinander und schließlich verschwand der Vogel. Doch als das Boot von einem Hai angegriffen wurde, kam der Adler zur Versöhnung mit einer Harpune zum Angler zurück. Allerdings war deren Wurf nicht von Erfolg gekrönt. Erst ein vorbeischwimmender weiblicher Hai konnte den Angreifer von seinem Opfer ablenken. Offenbach glücklich vereint schwammen die beiden Flossen davon und Angler und Adler wurden Freunde. Eine zauberhafte Hommage an Freundschaft, Verzeihung und alles verdrängende Liebe.

Slapstick aus Irland

Danach gab es pfiffige Slapstick mit Shiva Grings aus Irland, der einen Paketauslieferer spielte, dem es nicht gelang, seine Pakete auszuliefern. Dass dabei ein Päckchen zu Boden fiel und der Heroininhalt sich sowohl auf ihn als auch die Umgebung verteilte, war eines seiner Probleme. Ein wenig konnte er noch davon schnuppern und am Ende öffnete er ein Weinpaket, trank die Flasche aus und die Pakete waren ihm egal.

Eine besonders wandlungsfähige Schweizerin

Ausgesprochen wandlungsfähig präsentierte sich Anita Bertolami aus der Schweiz. Angetan mit einem schwarzen Kleid, schwarzem Hut, Koffer und einem Gehstock erinnerte sie zunächst ein wenig an Marie Poppins. Dann verwandelte sie sich. Das Kopfhaar verdeckte das Gesicht als sie sich nach vorne beugte und darauf steckten zwei Augen. Ein bärtiger Zauberer stand somit auf der Bühne, der kleine Zaubertricks vorführte. Schließlich bückte der Zauberer sich und zog das Kleid nach oben. Auf dem Hinterteil waren Augen und darunter eine Schürze. Die dargestellte Frau backte einen Kuchen und der mitgebrachte Koffer wurde zum Backofen. Schließlich warf sie einen Muffin ins Publikum. Dann zog Bertolami ihr Kleid über den Kopf und… auch ihr Bauch hatte Augen und sah ein wenig wie Gru aus. Anschließend wurde sie noch zum Mann ohne Gesicht und blies einen Luftballon auf, aus dem sie eine kleine Fahne mit der Aufschrift „Ende“ zauberte.

Belastungsexperiment per Handstand

Anschließend brillierte Natalie Reckert mit einer Handstandschau. Sie erklärte auf ihrem „Lieblingshandstandgerät“, dass sie sich darauf wie fliegend, wie eine Rakete, wie ein U-Boot oder ein Android fühlt. Entsprechende Bewegungen belegten das Gesagte. Immer wieder erzählte sie kleine Handstand-Geschichten und am Ende legte sie Eier scheinbar wahllos auf den Boden und tänzelte drum herum. „Dies ist ein Belastungsexperiment!“ Gekonnt zerstörte sie dann mit den Händen oder per abrollen ein Ei nach dem  anderen und hoffte: „Hoffentlich habe ich die Kinder mit dieser Performance ein wenig inspiriert.“ Ein Ei blieb übrig und wurde zum Sieger erklärt. „Das ist Isolde“, sagte Reckert, „so einmalig wie ich. Deshalb trete ich auch alleine auf.“ Danach brach sie die Show ab, weil starker Regen eingesetzt hatte. Unter dem Dach der Bühne erklärte sie, dass nur noch ihre Darbietung mit dem lila und silbern glitzernde Konfettiregen gefehlt habe. Diesen warf sie bei der Verabschiedung über alle Künstler.

Ein gelungener Nachmittag!