Gemeinschaftsprojekt „Wissensgarten“

Wissen wächst im Garten

Von Eckard Steffin, 12. Oktober 2021

Bad Homburg. Nahe des Eingangs Tannenwaldallee in den Schlosspark war erkennbar, dass auf dem Gelände etwas Besonderes vorging. An Obstbäumen hingen Karten mit Aufschriften wie: „Warum sagst Du das?“ oder „Finde den größten Raum“. Hier hatte die Tänzerin Kristina Veit mit den Kindern gewirkt. Auf dem nächsten Areal hat die Malerin Brigitte Halder mit den Kindern in einem Hecken ähnlichen Areal Farbtupfer einbringen lassen. Es handelt sich um ein Gemeinschaftsprojekt der Hölderlinschule, dem Team der Staatlichen Schlösser und Gärten und dem Sinclair Museum unter dem Titel „Wissensgarten“.

Claudia Praml, zuständig für die Kommunikation des Museums Sinclair-Haus und für die Stiftung Kunst und Natur, findet das Projekt mit der Hölderlinschule hervorragend dazu geeignet, „die Vernetzung und das Sichtbarmachen von Kunst, Kultur und Natur für die Kinder erlebbar zu machen.“

„Kunst ist wichtig für die Kids, weil es ein Erfahrungsraum für Kreativität und Natur bietet. Wir arbeiten seit 15 Jahren mit dieser Art der Kunstvermittlung. Normalerweise einen Tag in der Woche und diesmal zwei Wochen am Stück“, ergänzt Kristine Preuß, Leiterin der Kunstvermittlung im Museum Sinclair-Haus.

Begeistert ist auch die Direktorin der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen, Kirsten Worms, von diesem Projekt: „Aktivitäten mit jungen Menschen in einem Garten symbolisiert für mich, dass Wissen im Garten wächst. Kinder begreifen – im wahrsten Sinn – durch das Anfassen von Früchten in der Natur, dass Essen nicht im Supermarkt wächst.“

Die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Staatlichen Schlösser und Gärten Bianca Limburg erzählt, dass „Bildung und Wissen mit den Schwerpunkten Umwelt, Garten eine wichtige Rolle spielt. Auch in Seligenstadt im Benediktiner Kloster wurde ein ähnliches Projekt durchgeführt.“ Die Kinder lernen, wie Obst entsteht und dass die Artenvielfalt ein wichtiger Teil für alles Leben ist. Interessant ist, dass es weltweit schätzungsweise rund 20.000 Apfelsorten gibt, so die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. Im Handel finden lassen sich jedoch nur etwa 20 Sorten. Insgesamt werden lediglich 70 Sorten im gewerblichen Obstanbau in Deutschland kultiviert und im Schlossgarten sind es ca. 130.

In dem Teil von Schauspielerin Nicole Honig halten Zanona, Kamal, Maike, Livia, Colin, Dominik K. und Dominik Z., alle aus der Klasse 4a der Hölderlinschule, das gefundene Material aus der Natur hoch und jedes Kind möchte seine Geschichte erzählen. Es ist deutlich zu spüren: Lernen kann sehr viel Spaß machen. Nachdem die Kinder die Zweige und anderen Naturteile präsentiert haben, vergipsen sie den jeweiligen Gegenstand und hängen ihn in dem Wissensgarten auf. Für alle Besucher sichtbares Lernen.

Julia Nees, Rektorin der Hölderlinschule, erzählt, dass „der Garten seit langer Zeit für Kultur und Natur genutzt wird. Damit besteht eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen dem Schlossgarten und der Schule. Jeden Tag kommen Kinder aus anderen Klassen.“ Es ist der 8. Projekttag. Leider konnten die Eltern wegen Corona noch nicht einbezogen werden. Es ist das erste Mal, dass ein solches Projekt über 14 Tage läuft.

In einem anderen Bereich des „Wissensgartens“ trommeln Kinder mit dem Musiker Axel Schäfer. Spaß kann man auch hören.