Ortsschild „Bad Homburg“ kommt ins Lazarett

Eine Delegation der Fregatte „Hessen“ auf der Reise durch ihr Paten-Land

Von Petra Pfeifer, 1. November 2021

Bad Homburg. Sie ist 143 Meter lang, 17 Meter breit, hat eine Mannschaft von 15 Frauen und 240 Männern und ist 2021 bereits stolze 15 Jahre alt geworden. Die Rede ist von der Fregatte „Hessen“, dem größten Kriegsschiff der Deutschen Marine, das einst von Anke Koch, der Ehefrau des damaligen Hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch, getauft wurde, womit automatisch die Patenschaft der Hessischen Staatskanzlei für dieses Schiff einher ging. Mit dieser Patenschaft wiederum geht einher, dass die Staatskanzlei nach Möglichkeit alljährlich Besatzungsmitglieder zu einem Besuch in das – gemäß dem Hessischen Rundfunk – „schönste Bundesland“ einlädt. Unterstützung erhält sie hierbei vom Freundeskreis Fregatte Hessen F221 von der REUNION Marine.

Es sind so einige Stationen, an denen die 20 Mannschaftsmitglieder auf der fünftägigen Reise Halt machten. Dazu gehörte natürlich der Besuch in der Hessischen Staatskanzlei, bei dem sie von Landesjustizministerin Eva Kühne-Hörmann begrüßt wurden. Weiter ging es ins Regierungspräsidium in Kassel zu einem Treffen mit Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber und schließlich zur Rhein-Main Airbase am Frankfurter Flughafen. Auch Bad Homburg ist eine der Stationen. Sehr zur Freude von Bürgermeister Dr. Oliver Jedynak, der in seiner Begrüßung in der Villa Wertheimber gerne auf die maritime Seele der Kur- und Kongressstadt hinweist. „Wir sind hier in Bad Homburg zwar noch nicht mal Binnenschiffer, haben aber dennoch eine gewisse maritime Tradition in der Stadt“, meinte er mit Verweis auf die Marinekameradschaft Graf Spee. Der Verein, einst von ehemaligen Marine-Soldaten gegründet, kümmert sich seit 1921 um das maritime Bewusstsein der Stadt.

Dank für den Einsatz im In- und Ausland

Dr. Oliver Jedynak nutzte die Gelegenheit, um den Mitgliedern der Delegation stellvertretend für alle Truppenteile seinen Dank für ihren Einsatz für die Bundesrepublik Deutschland auszusprechen. „Diese Anerkennung kommt in meinen Augen manchmal etwas zu kurz“, so der Bürgermeister. Der Dank gebühre den Soldat:innen der Bundeswehr aber nicht allein für deren Auslandseinsätze, sondern auch für das Inlands-Engagement in den zurückliegenden Monaten: „Sowohl bei den Corona-Schutzmaßnahmen in unzähligen Altenheimen als auch bei der Fluthilfe spielte die Bundeswehr eine wichtige Rolle.“

Bernhard P. Kluge, Mitglied des Sprecherrats REUNION Marine und Vorsitzender des Freundeskreises Fregatte HESSEN F221, freute sich, auch Bundestagsabgeordneten Markus Koob unter den Versammelten begrüßen zu können und ging auf den eigentlichen Grund dieses Termins ein. Schließlich sollte die Delegation in Bad Homburg stellvertretend für elf weitere hessische Kommunen eine Ortstafeln erhalten, die an Bord der Fregatte montiert werden: „Die Idee stammt noch vom ehemaligen Kommandanten des Schiffs, Hans-Ulrich Geißler, der den Wunsch geäußert hatte, an Bord der Fregatte Tafeln mit den Namen hessischer Städte anbringen zu lassen.“ So solle die Bindung zwischen Schiffsführung, Besatzung und Patenland gefördert werden. Bernhard P. Kluge, ehemals Offizier der Deutschen Marine, hatte daraufhin zwölf Städte in Hessen für das Projekt gewinnen können.

Patenschaften geben den Mannschaften großen Rückhalt

Fregattenkapitän Volker Kübsch, der erst am 29. September das Amt von Hans-Ulrich Geißler übernommen hat, ging auf den roten Faden ein, der diese Reise durchzogen habe: „Das war die bemerkenswerte Freundlichkeit, die uns überall begegnet ist“. Er betonte gleichzeitig, wie wichtig solche Patenschaften für die unterschiedlichen Schiffe der Marine sind: „So etwas bietet den Mannschaften wirklich sehr viel Rückhalt – vor allem im Einsatz.“ In diesem Zusammenhang versicherte er, dass „wir fantastische Plätze für die Ortsschilder finden werden“. Und dann noch was: „Das Land Hessen ist toll!“

Bei einer kurzen Umfrage wird schnell klar, dass es in der Delegation keinen echten Hessen gibt. Jedoch: Oberstabsgefreiter Delf Bernotat hat vor, Wahlhesse zu werden. Seinen Umzug nach Landau in Bad Arolsen plant er aus einem der trefflichsten Gründe überhaupt: „Der Liebe wegen!“ Fürs Foto entscheidet sich Oberbootsmann Jens Wohlgemuth wiederum für das Darmstadt-Schild: „Dort hat meine Lebensgefährtin zeitweise studiert und mir immer versichert, wie schön es in ihrer ehemaligen Heimat war – und sie hat recht.“ Und für Hauptbootsmann Patrick Wetzel kommt natürlich nur das Schild von Wetzlar in Frage. „Das ist doch klar!“, lacht er.

„Bad Homburg“ kommt ins Schiffslazarett

Noch nicht für alle, doch für manche Ortsschilder steht schon fest, wo sie auf der Fregatte Hessen angebracht werden. „Frankfurt wird am Hangar angebracht. Die Verbindung ist der Rhein-Main-Airport zu den Helikoptern“, so Volker Kübsch. Das Schild mit der Aufschrift „Bad Homburg“ komme ins Schiffslazarett, denn dort „kann man sich pflegen lassen“. Es werde also jeweilig analysiert, was die einzelnen Städte ausmache und entsprechend werden sie dann platziert.

Neben Bad Homburg und Frankfurt werden übrigens noch folgende weitere hessische Städte per Ortstafel auf der Fregatte Hessen verewigt: Darmstadt, Fulda, Gießen, Hanau, Bad Hersfeld, Kassel, Limburg, Marburg, Wetzlar und – last but not least – Wiesbaden.

Der Freundeskreis der Fregatte Hessen …

… begleitet die Patenschaft des Landes seit der Indienststellung vor 15 Jahren. Der Verein sieht sich als Scharnier zwischen der deutschen Marine und der Gesellschaft. „Insbesondere soll das demokratisch legitimierte Wirken der Marine einer möglichst breiten Öffentlichkeit vermittelt werden“, so Bernhard P. Kluge. Der Freundeskreis ist Teil der Vereinigung Reunion Marine – ein Zusammenschluss von Führungskräften aus Wirtschaft und Politik, die sich aufgrund ihrer Marinezugehörigkeit verpflichtet haben, die Belange der Deutschen Marine in den jeweiligen Patenländern und Patenstädten zu unterstützten.

Die Fregatte Hessen …

… wurde zwischen 2001 und 2005 von den Nordseewerken in Emden gebaut und wurde offiziell am 21. April 2006 in Wilhelmshaven in Dienst gestellt. Ihre Hauptaufgabe ist die Luftverteidigung zum Schutz von Marineverbänden und verbündeten Kräften an Land. Dafür ist die Fregatte mit sehr leistungsfähigen Radargeräten und weitreichenden Flugkörpern ausgerüstet. Sie kann auch Führungsaufgaben innerhalb eines Kriegsschiffverbandes leisten. Derzeit befindet sich die Fregatte Hessen in ihrem Heimathafen in Wilhelmshaven. Nach zweijähriger Werftzeit bereitet sich die Besatzung auf die langersehnte Rückkehr in den Fahrbetrieb vor.