Installationen und Performances

„O! - Johann Christian Friedrich Hölderlin"

Von Petra Pfeifer – 1. Mai 2021

Bad Homburg. Viel war geplant worden, um den 250. Geburtstag von Friedrich Hölderlin im Jahr 2020 angemessen zu begehen. Vieles davon musste abgesagt oder bestenfalls verschoben werden, dafür hatte die Pandemie gesorgt. Zu den Kooperations-Veranstaltungen der Stadt, die nun nachgeholt werden können – wenn auch noch immer unter eingeschränkten Bedingungen – gehört die Ausstellung in Form von Installationen und performativen Ereignissen von Künstler*innen der Hochschule für Gestaltung (HfG): „Ich freue mich, dass wir das Jubiläum auch in 2021 weiter feiern können“, meinte Oberbürgermeister Alexander Hetjes bei deren erster Präsentation positiv gestimmt. Mit „O! Johann Christian Friedrich Hölderlin“ einen sowohl für den Dichter prägnanten als auch einprägsamen Titel erhalten hat. „Der Ausruf ‚O!‘ taucht sehr häufig in Hölderlins Schriften auf und kann sowohl Ausdruck von Freude oder Erstaunen als auch von Wehklagen sein“, erläuterte der Rathauschef.

Performances über den Stadtraum verteilt

Über den Stadtraum und Parkanlagen verteilt, finden sich von den Studierenden in Zeit und Raum gefasste poetische Momente, die Leben und Werk Hölderlins zu neuem Leben erwecken und eine Brücke bauen in unsere heutige Zeit. Schließlich: „In seinem bewegten Leben verbrachte der Dichter vier sehr prägende Jahre in der Residenzstadt Homburg. Beide Aufenthalte waren in unterschiedlicher Weise wichtige Perioden in seinem Leben und Werk“, führte Hetjes weiter aus.

Anlässlich der Eröffnungsveranstaltung am Freitag, 30. April, begab sich die „Zweckgemeinschaft Hölderlin“, bestehend aus rund 15 Personen und in grau-orangene Kutten gehüllt auf den Hölderlin-Pfad, um am Nachmittag im Gustavsgarten Performances zu zeigen. „Sie haben sich in den vergangenen Monaten praktisch und theoretisch mit Hölderlin beschäftigt“, erläuterte Professor Kerstin Cmelka die eigenwillige Aufführung, bei der unter anderem getanzt, gefilmt, geschminkt und musiziert wurde. An diesem Nachmittag kamen auch erstmals die Arbeiten von Nadine Wagner zum Einsatz, die Kostüme aus Plexiglas geschaffen hatte und die, von jungen Menschen getragen, auf dem Grün des Gustavsgarten gezeigt wurden. „Hölderlin liebte Spaziergänge, die in unserer Zeit wieder sehr aktuell sind, und mit den Unterbauten der Kleidung aus seiner Zeit geht es um die Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Korsetts, die ihn umgaben“, erläuterte die Künstlerin. Die Spaziergänge sind auch am 8., 15., 22. und 24. Mai im Stadtgebiet zu sehen – feste Zeiten werden rund um alle Performances jedoch Corona-bedingt nicht verraten, um Menschenansammlungen zu vermeiden.

Einschränkungen werden digital aufgefangen

Aufgrund der Pandemie gibt es auch Probleme, Isabell Ratzingers Arbeit in der Kapelle des Gustavsgartens zu besichtigen. Sie hat dort analog zu dem Tübinger Turmzimmer, in dem sich Hölderlin in der zweiten Hälfte seines Lebens isolierte, Kuben in Leichtbauweise aus Holz hergestellt, die eine Ahnung von diesem Rückzugsort geben. „Wir arbeiten jedoch an einer digitalen Lösung, um  auch diese Installation den Menschen zugänglich zu machen“, versicherten Nina Gerlach und Ketty Urbani vom Stadtmarketing, das eng mit den Vertretern der HfG kooperiert.

Zwei weitere Stationen im Gustavsgarten sind die Arbeit „Stiftung des Seins“ von Simon Martin und die Installation „Umher“ aus Stahlblech, Erde und Gras von Valeria Castaño, die quer über einen Weg verläuft und auf diese Weise dazu verleitet, vom Pfad abzukommen. „Sie ist eine Art Leitungssystem, die vom gewohnten Pfad ablenkt, gleichzeitig trägt sie in ihrer Dramaturgie etwas aus der Landschaft hoch und isoliert sie“, so die Künstlerin.

Auf der Wiese gegenüber dem Gotischen Haus schließlich befindet sich eine Art Ausgrabung mit dem Titel „Der Ausbruch“. Michelle Harder in dieser Grube Skulpturen installiert, die sie aus Mutterboden und Bad Homburger Heilton geschaffen hat. Als Formen dienten ihr Gipsabdrücke ihres eigenen Körpers. Im Einklang mit der Natur ist sind somit Figuren entstanden, die in den kommenden Wochen durch die Naturgewalten beeinflusst werden. „Gleichzeitig zeige ich damit eine Suche und einen Ausbruch aus dem Bezugsrahmen und einem gesellschaftlichen Diskurs“, so Michelle Harder, die sich mit der Person Hölderlins beschäftigte, der als „Aussätziger“ behandelt worden sei.

Beendet wird dieses außergewöhnliche Kunstprojekt – Hetjes: „Und wie Hölderlins Werk selbst, erschließt sich der Zugang oft nicht auf den ersten Blick. Man muss ihn entdecken, aufdecken, sich erarbeiten, diesen Hölderlin“ – mit einer weiteren Performance der „Zweckgemeinschaft Hölderlin“ am Pfingstmontag, dem 24. Mai, die ebenfalls im Gustavsgarten stattfindet.

Mehr Informationen zur Ausstellung „O!“ gibt es unter www.bad-homburg.de/hoelderlin.

Filme der „Zweckgemeinschaft Hölderlin“ von den Performances auf dem Hölderlin-Pfad