In Friedrichsdorfs Rathaus wird ab 1. September dirigiert

Bestens komponierte Amtseinführung von Bürgermeister Lars Keitel

Von Petra Pfeifer, 16. Juli 2021

Friedrichsdorf. Es war ein Abend vieler Glückwünsche und einiger freundlicher Warnungen, gleichzeitig war es ein sehr bilderreicher Abend mit stimmungsvoller Musik und genügend Platz für Heiterkeit: Die Feierstunde, in der Lars Keitel in sein Amt als neuer Bürgermeister von Friedrichsdorf eingeführt wurde. Ein Moment, mit dem gleichzeitig das Ende einer Ära eingeläutet wurde, denn immerhin hatte Horst Burghardt dieses Amt 24 Jahre inne, wenn er am 31. August endgültig sein Büro im Rathaus verlässt, damit Lars Keitel am 1. September darin einziehen kann. Anlass war die zuvor durchgeführte letzte Stadtverordnetensammlung für den amtierenden Bürgermeister.

Bevor Horst Burghardt jedoch seine Amtskette und die Ernennungsurkunde weiterreichen konnte, nahm er Lars Keitel den Amtseid ab. Bei dieser Gelegenheit begrüßte Stadtverordnetenvorsteher Dr. Gerd Brücks den „Neuen“ als einen Friedrichsdorfer, der bereits seit 20 Jahren den Stadtverordneten angehört und daher mit großer politischer Erfahrung starte. Darüber hinaus wünschte er sowohl ihm als auch seiner Frau Pia Kempel und seiner dreijährigen Tochter Clara viel Glück für die Zukunft.

Musikerinnen des JSO Hochtaunus sorgen für den Klangteppich

Nach diesem formellen Akt die erste der insgesamt drei musikalischen Einlagen von Amelie Reinhardt, Nathalie Reinhardt, Pauline Kaltenbach, Gwendolyn Jachnow und Madita Aumüller vom Jugendsinfonie Orchester (JSO) Hochtaunus, die sie unter der Leitung von Annette Ziegler für ihren ehemaligen Dirigenten einstudiert hatten. „Das sind liebliche Klänge, die hoffentlich auch in der Stadtverordnetenversammlung Einzug halten“, lobte Brücks schmunzelnd.

„Kommunalpolitik ist eine der schönsten Formen der Politik“

Staatsminister Tarek Al-Wazir war zu diesem feierlichen Akt extra aus Wiesbaden angereist und versicherte dem „Bürgermeister fast schon im Amt“ gleich mehrere Gründe zur Freude. Unter anderem die kommunale Selbstverwaltung, in der eigenständig und nah am Bürger entschieden werde: „Das ist richtig und wichtig!“ Denn darauf gründe letztlich eine stabile Demokratie. Wie Theodor Heuß sei er der Überzeugung, dass „Gemeinden wichtiger sind als die Länder“. Obendrein sei die Kommunalpolitik eine der schönsten Formen der Politik: „Wer hier entscheidet, weiß meistens, worum es geht, und sieht, dass etwas umgesetzt wurde.“ Gleichzeitig gab Al-Wazir den wohlmeinenden Rat: „Ab dem 1. September wirst Du immer im Dienst sein, daher bewahre Dir ein paar Freiräume!“ Und mit Blick auf die Stadt versicherte er ihm: „Friedrichsdorf steht gut da – das sage ich jetzt als Bürger von Offenbach.“ Dennoch stünden den Kommunen schwierige Zeiten bevor und „es wird Situationen geben, da bist Du inmitten vieler Menschen ganz alleine“. Als Staatsminister wünschte er dem künftigen Rathauschef schließlich „allzeit glückliche Hand und gute Entscheidungen für die Bürger“.

„Andere werden mit dirigieren wollen“

Als Zäsur bezeichnete Landrat Ulrich Krebs das Scheiden von Horst Burghardt: „Er hat Spuren hinterlassen und der Stadt seinen Stempel aufgedrückt.“ Jedoch sei er überzeugt davon, dass Lars Keitel das Rüstzeug habe, eigene Akzente zu setzen. Als dem Gründer und Dirigenten des JSO Hochtaunus rief er ihm zu: „Es werden andere mit dirigieren wollen und nicht immer wird ein einheitlicher Klang herrschen, sondern manchmal auch Missklang. Da ist es wichtig, andere mitzunehmen.“

Steffen Bonk spricht für „die wilden 13“

Als Vertreter der Bürgermeister*in im Hochtaunuskreis wünschte Steinbachs Rathauschef Steffen Bonk alles Gute. „Wir sind die wilden 13, aber eigentlich ganz nette Leute, die gut zusammenarbeiten“, meinte er augenzwinkernd und erinnerte an die Worte von Franz Müntefering, dass das schönste Amt nach Papst der Parteivorsitz sei. „Das ist eine kesse Behauptung, weil er vorher nie Bürgermeister war. Das ist das schönste Hauptamt“, versicherte Bonk. Jedoch: „Die Zeit für die Familie muss rechtzeitig im Terminkalender geblockt werden.“

„Das Ziel ist die Sinfonie“

Als Gründer und Leiter des JSO Hochtaunus habe Lars Keitel dazu beigetragen, Jugendliche auf hohem Niveau musikalisch wirken zu lassen, meinte Veronika Bauer, Organisatorin des Jugendchors des Hochtaunuskreises. Daher wünschte sie ihm, eine gute Hand und dass sich dieses Leistungsvermögen auf das neue Amt übertragen lasse: „Das Ziel ist das große Ganze, die Sinfonie!“

Dr. Jürgen Dieter, Geschäftsführender Direktor des Hessischen Städtetages, erinnerte an den Wahlkampf von Lars Keitel, der unter dem Motte gestanden habe „Lokal denken, global handeln“. „Just jetzt wird deutlich: Klimaschutz ist kein abstraktes Thema“, so Dieter angesichts der aktuellen Katastrophen. Daher könne er ihn nur ermutigen, auf diesem Weg weiterzugehen und fügte mit Blick auf sein vorheriges Wirken als Dirigent an: „Das ist eine schöne Vorbildung, die Sie für das Amt mitbringen, sagt man doch der Musik eine enge Verknüpfung zur Mathematik nach.“

Das Bürgermeisteramt ist eine Lebensentscheidung

Die Glückwünsche des Hessischen Städte- und Gemeindesbundes überbrachte Geschäftsführer Dr. David Rauber. Da Keitel Mitglied des Präsidiums werde, „liegt ein regelmäßiger Austausch vor uns und ich bin neugierig, was uns erwartet.“ MdL Mathias Wagner, Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen und Friedrichsdorfer „Bub“ wiederum erinnerte sich und lachte: „Als wir damals zusammen in die Philipp-Reis-Schule gingen – wer hätte da gedacht, dass wir einmal diese Amtseinführung feiern können.“ Und Bürgermeister werde man nicht einfach so, sondern wenn man bekannt, vernetzt und aktiv sei – und wenn man das alles lebe: „Das ist mehr als eine Berufsentscheidung, sondern eine Lebensentscheidung.“ Den Anwesenden versicherte Wagner: „Er wird das super machen, aber gönnen Sie ihm zwischendurch, etwas privat zu sein.“

Lars Keitel blickt den Herausforderung voller Tatendrang und Freude entgegen

Lars Keitels erster Dank ging an die fünf jungen Musikerinnen, die mit dem „Souvenir d’Amerique“ von Henri Vieuxtemps einen fröhlich-neckenden und zart-beschwingten Schlusspunkt unter die Grußworte setzten: „Ich werde euch und die anderen 85 Mitwirkenden des Orchesters sehr vermissen.“ An die Redner gewandt meinte der künftige Rathauschef: „Sie nannten die Gründe, weswegen ich mich sehr freue, Bürgermeister von Friedrichsdorf zu sein.“ Er werde alles tun, dem entgegen gebrachten Vertrauen gerecht zu werden, „für Alteingesessene ebenso wie für Neubürger, für Händler, Pendler und alle, die hier arbeiten und Zuflucht suchen“. Ein weiterer Dank ging an Freunde, Eltern, die Familie: „Ihr wart mir Motivation und Halt.“ Offenkundig die Freude, mit der er seinen künftigen Aufgabe entgegenblickt – und ein gewisses Scharren mit den Hufen: „Wie alle Beteiligten künftig zusammenarbeiten, können wir gleich beim Umtrunk besprechen.“