Schnelle Hilfstruppe, steigende Tendenz bei Testungen

Aktueller Stand der Corona-Maßnahmen

Von Eckard Steffin – 20. April 2021

Rheingau-Taunus-Kreis. Pressesprecher Dr. Christoph Zehler eröffnete mit den geltenden Hygieneregeln die Pressekonferenz zur Corona-Situation im Rheingau-Taunus-Kreis, die aus Infektionsgründen in einem Zelt vor dem Kreishaus stattfand. Landrat Frank Kilian sagte, dass „es ein kontinuierliches Wachstum bei den Erkrankten gibt, auf das wir uns vorbereiten müssen. Die Maßnahmen sind der veränderten Situation anzupassen, die sich täglich ändern kann.“ Ansteckungsschwerpunkte müssen durch geeignete Regelungen verhindert werden. Dies können beispielsweise Parkplatzsperrungen sein, die dann vor Ort konkretisiert und kontrolliert werden. Derzeit gibt es im Kreis aber keine Hotspots oder eine bedenkliche Situation.

Gesundheitsdezernentin Monika Merkert gab zum Auftakt bekannt, dass sie ihr Amt aufgeben wird und darüber ihre Partei, die SPD und den Landrat informiert hat. „Irgendwann muss Schluss sein.“ Nach dieser überraschenden Information ging sie auf die Corona-Entwicklung im Kreis ein. Am Beginn sei gerade die Leitung des Gesundheitsamts neu besetzt worden und die Stellvertretung noch nicht geklärt gewesen. Diese Situation habe noch besondere Probleme erzeugt. Mittlerweile würden Impfstoffe auch außerhalb der Impfzentren verteilt und verimpft. Es sei ein Ausbruchsmanagement erstellt worden. Hygienepläne würden begutachtet, die Erkrankten erfasst und Quarantäneberatungen durchgeführt und notwendige Bescheinigungen ausgestellt. Die Fakten für den Kreis: Es gebe 6070 Fälle, die Inzidenz betrage 135 und es bestehe derzeit „keine Überlastung der Krankenhäuser.“

Schnelle Hilfstruppe wurde geschult

Liane Schmidt, die Leiterin des Krisenstabs, ist stolz darauf, dass zur Kontaktverfolgung eine „schnelle Hilfstruppe geschult wurde.“ In der Spitze arbeiteten bis zu 75 Personen inclusive von Bundeswehrsoldaten und freiwilligen Mitarbeitern aus der Kreisverwaltung in der Nachverfolgung. So entstünden keine Lücken. Emma Leuters von der Nachverfolgung ergänzte, „dass auch viele Mitarbeiter des Kreises freiwillig Überstunden geleistet haben, obwohl sie in anderen Ämtern arbeiten, damit alles gut funktioniert hat.“ Dadurch sei ein flexibles System entstanden, mit dem die Anforderungen gut bewältigt worden seien und dass nicht mit den bundesweiten Problemen verglichen werden könne.

„800 bis 1100 Impfungen werden pro Tag in Eltville durchgeführt und es sind bis zu 2000 möglich“, so erläutert Dr. Renate Wilhelm, Leiterin des Gesundheitsamtes. Leider seien 40 bis 50 Prozent der Impfungen nicht durchgeführt worden, weil es die Diskussionen um den AstraZeneca Impfstoff gegeben habe und die Termine nicht eingehalten worden seien. Es habe aber genügend Nachrücker gegeben, sodass alles verimpft werden konnte. Das spreche für eine gute Organisation. Für Menschen, die nicht mobil sind, habe es auch Möglichkeiten vor Ort gegeben.

Renate Wilhelm führte zudem aus, dass „alle über 60-Jährigen AstraZeneca gut vertragen. Die Nebenwirkungen treten eher bei jüngeren Menschen auf.“ Durch die öffentlichen Verunsicherungen sei auch der Beratungsaufwand erheblich gestiegen. Die Altenheime und Behinderteneinrichtungen seien bis auf wenige Ausnahmen mit Impfungen versorgt.

Mittlerweile befänden sich auch die über 60järigen im Impfprogramm und die ersten von ihnen seien am vergangenen Wochenende  geimpft worden.

Steigende Tendenz bei den Testungen

Katja Braßmann informierte als Ärztin des Gesundheitsamtes über die Testungen. Es gebe 24 Stationen im Kreis mit steigender Tendenz. Von den 24 Einrichtungen gebe es von 15 eine Rückmeldung für den Zeitraum vom 12. bis 18. April, dass von 15.000 Testungen nur neun positiv gewesen seien.

Roland Reichenauer berichtete als Fachdienstleister EDV, wie der Umbau der IT auf die Situation angepasst wurde. Es seien Onlineformulare entwickelt worden, die gesetzlichen Anforderungen standhielten. Für ca. 450 Mitarbeiter sein Homeoffice ermöglicht und die Schulen mit einer Cloud versorgt worden, damit jedes Kind einen Account habe. „Es gibt auch eine Musterklasse zum Üben von Homeschooling. Die „Sormas-ÖGD-Applikation für die Gesundheitsämter, die zur Nachverfolgung zu Covid19 entwickelt worden ist, entspricht leider nicht den Anforderungen und der Einsatz verzögert sich noch“, führte Reichenauer aus.

Gegen Ende erklärt Kilian, dass die derzeitigen Regeln nicht ausformuliert seien. Der Bund mache Vorgaben, die der Kreis dann in rechtsgültigen Verordnungen umsetze und die Kommunen überprüften. Als Beispiele nennt er die Ausgangssperre: „In dem Beschluss steht: Das Verlassen der eigenen Wohnung ist während der Ausgangssperre verboten. Wenn diese auf 21 Uhr festgelegt wird, was ist dann mit jemandem, der um 20 Uhr spazieren gegangen und noch nicht zu Hause angekommen ist.“

Über solche Fragen gebe es mit den Bürgermeistern einmal die Woche eine Videokonferenz und der Krisenstab tage alle zwei Tage. Trotzdem könnten kurzfristig immer wieder neue Fakten entstehen, auf die man dann reagieren müsse. Es bleibe schwierig.

Stimmen aus dem Impfzentrum

Allerdings gebe es lobende Worte aus der Bevölkerung. Bei der Sonderimpfaktion am Wochenende hätten Eingeladene einige Stimmen geäußert: „Als ich am Mittwoch von der Sonderimpfaktion des Kreises für Menschen über 70 Jahren in der Zeitung las, stand für mich fest, dass ich mich anmelde“, sagt die Frau aus Winkel, die am Samstag den Impftermin wahrnimmt. Natürlich habe sie sich über das Vakzin von AstraZeneca informiert und Hinweise von Ärzten eingeholt. „Mir ist jedoch die Immunisierung wichtig, sie genießt Priorität. Zudem hört man viel über den Krankheitsverlauf von Corona. Das stimmt bedenklich.“ Auch für ein Ehepaar aus Niedernhausen stand fest: „Wir lassen uns impfen!“ Natürlich informieren sich viele Menschen derzeit sehr genau. Es gibt Beratungsgespräche mit Hausärzten, aber auch mit den Ärzten im Impfzentrum in Eltville. 520 Impfwillige nutzten letztlich die Aktion des Rheingau-Taunus-Kreises am vergangenen Wochenende. „Ich bin froh, endlich einen Termin erhalten zu haben. Am 7. Juli komme ich zur Zweitimpfung“, berichtet die 70jährige und zollt dem Personal viel Lob. Letztendlich erhielten 1.440 Personen ihre Erst- oder Zweitimpfung mit den Impfstoffen von Biontech, AstraZeneca und Moderna. Trotz dieser großen Anzahl gab es viel lobende Worte für das Personal im Impfzentrum. „Kompetente Beratung, Freundlichkeit und Geduld bei der Registrierung“, wurden beispielsweise von einem Ehepaar aus Taunusstein ausdrücklich hervorgehoben.